Auch die Filialen des Schuhverkäufers Deichmann sind von der Coronakrise betroffen: Die Geschäfte sind derzeit geschlossen. Das Unternehmen möchte Mietzahlungen für die Geschäftsräume vorerst aussetzen.

Auch die Filialen des Schuhverkäufers Deichmann sind von der Coronakrise betroffen: Die Geschäfte sind derzeit geschlossen. Das Unternehmen möchte Mietzahlungen für die Geschäftsräume vorerst aussetzen.

Schuhhändler Deichmann verteidigt Aussetzung von Mietzahlungen

Mehrere größere Unternehmen haben in den vergangenen Tagen angekündigt, ihre Mietzahlungen für Geschäftsräume wegen der angeordneten Schließung aussetzen zu wollen. Darunter auch der Schuhhändler Deichmann. Gegen Kritik, das Unternehmen nutze ein neues Gesetz der Bundesregierung aus, wehrt sich der gläubige Unternehmer Heinrich Deichmann.

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) hat vergangene Woche ein Gesetz durchgebracht, das in der wirtschaftsschwachen Zeit der Coronakrise Mieter vor einer Kündigung ihres Mietverhältnisses schützt. Mehrere große deutsche Unternehmen kündigten an, vorerst ihre Mietzahlungen für ihre Ladenflächen auszusetzen. Auch Deichmann, Europas größter Schuhhändler, sah sich Kritik ausgesetzt, nun im Zuge der Krise Mietzahlungen zu verweigern und das Gesetz auszunutzen.

Gegenüber dem Handelsblatt verteidigte der Unternehmenschef Heinrich Deichmann das Vorgehen. „Nach den staatlich verordneten Schließungen sind wir schlicht nicht mehr in der Lage, unseren Betriebszweck zu erfüllen“, sagte Deichmann. Man befinde sich derzeit mit den Vermietern in Verhandlungen darüber, inwiefern Stundungen möglich seien. „Wir wollen das partnerschaftlich machen und werden verhindern, dass Vermieter in eine Notlage kommen“, betonte er. Ähnlich heißt es auch in einer Pressemitteilung des Unternehmens.

„Ab 6. April gehen unsere Mitarbeiter hierzulande in Kurzarbeit. Dazu kommen aber ja auch die Ausfälle in all den anderen Ländern“, sagte Deichmann. Allein in den USA gebe es 600 Filialen. „96 Prozent des Gesamtumsatzes fehlen uns gerade“, erklärte Deichmann. Monatlich erleide die Firma derzeit einen Mittelabfluss in der Höhe eines dreistelligen Millionenbetrages. „Wenn man gezwungen wird, seine Geschäfte zu schließen, und die Kosten weiterlaufen, dann geht zwangsläufig irgendwann das Geld aus. Wann dies genau passiert, hängt davon ab, wie es uns jetzt gelingt, die Kosten anzupassen und zu sparen.“ Wenn die Einschränkungen mehr als drei Monate anhielten, werde es für das Unternehmen „ernst“.

Ein Unternehmenssprecher stellte gegenüber pro klar, dass Stundungen nicht bedeuteten, die Miete nicht mehr zu zahlen. Da es nicht klar sei, wie lang die Coronakrise und die angeordneten Schließungen von Geschäften anhielten, sei es notwendig, frühzeitig eine möglicherweise drohende Insolvenz abzuwenden und Arbeitsplätze zu sichern. Bereits vor dem neuen Gesetz habe das Unternehmen erwogen, mit Vermietern über die Zahlungen zu verhandeln.

Unternehmerfamilie „eng orientiert an der Bibel“

Das Unternehmen Deichmann betreibt über 4.000 Filialen in 30 Ländern und beschäftigt weltweit rund 40.000 Mitarbeiter. In Deutschland gibt es 1.461 Filialen. Der Umsatz beträgt über sechs Milliarden Euro pro Jahr. Damit ist Deichmann der größte Schuhhändler Europas. Heinrich Deichmann übernahm die Firma von seinem Vater 1999. Der gläubige Christ ist nicht nur Betriebswirt, sondern hat auch Geschichte, Philosophie und Theologie studiert. Über die Deichmann-Stiftung unterstützen die Familie und das Unternehmen seit Jahrzehnten viele diakonische sowie soziale Projekte. Bereits im Jahr 1977 gründete Heinz-Horst Deichmann den Verein „Wort und Tat“, um Leprakranken in Indien zu helfen. Mittlerweile hilft der Verein nach eigener Aussage über 250.000 Menschen in Indien, Tansania, Moldawien, Griechenland und Deutschland.

„Die Firma muss dem Menschen dienen“, so lautet schon seit Jahrzehnten der Leitspruch der Unternehmerfamilie Deichmann. Auch das Handelsblatt greift diesen Aspekt der Firma auf: „Eng orientiert an der Bibel und der protestantischen Ethik“ sei die Unternehmerfamilie aus Essen. Sie verknüpfe „modernen Kapitalismus mit sozialem Verantwortungsbewusstsein“.

Adidas und H&M ebenfalls in Kritik

Die Unternehmen Adidas (23,6 Milliarden Euro Umsatz im vergangenen Jahr, fast zwei Milliarden Euro Gewinn), der Modehändler H&M und andere mussten sich mit demselben Vorwurf bezüglich der Mieten auseinandersetzen. Adidas veröffentlichte eine Entschuldigung als offnen Brief und kündigte an, die Miete für April doch zu zahlen. Wie die Wirtschaftswoche berichtet, kam die Deutsche Bahn ihren Mietern in den Bahnhöfen entgegen: Vorübergehend brauchen Unternehmen ihre Miete nicht zu zahlen – selbst wenn sie noch geöffnet haben. Die Regelung gelte zunächst für April.

Justizministerin Lambrecht sieht ihr Gesetz laut der Süddeutschen Zeitung (SZ) missbraucht. „Der vorübergehende Kündigungsschutz soll Mietern helfen, die durch die Corona-Krise in Existenznot geraten“, sagte Lambrecht der SZ. Es gehe um Menschen, die durch die Pandemie hart getroffen werden, aber große Unternehmen oder Ladenketten sollten mit der Regelung eigentlich nicht in die Lage versetzt werden, Mieten zu einsparen.

Von: Jörn Schumacher

In einer früheren Version des Artikels hieß es, Deichmann mache von dem neuen Gesetz der Regierung Gebrauch und setze auf dieser Basis seine Mietzahlungen aus. Das trifft aber nach Angaben des Unternehmens nicht zu.

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