Peer Steinbrück hat mit Markus Lanz über den Zustand der SPD diskutiert

Peer Steinbrück hat mit Markus Lanz über den Zustand der SPD diskutiert

Zeitung Die Welt entschuldigt sich bei Peer Steinbrück

Der frühere Finanzminister Peer Steinbrück findet, dass die SPD den Fokus auf ihre Mission verloren hat. In der Sendung „Markus Lanz“ entschuldigte er sich für Fehlverhalten. Auch die heutige Chefredakteurin der Welt entschuldigte sich bei ihm für Fehler der Zeitung während seines Wahlkampfes.

Peer Steinbrück hat die Lage der SPD als unzweifelhaft existentiell beschrieben. In der ZDF-Talkshow „Markus Lanz“ machte der frühere SPD-Ministerpräsident, Finanzminister und Kanzlerkandidat Späße auf Kosten der Partei. Ernst wurde der Sozialdemokrat, als er sich für eigenes Fehlverhalten entschuldigte, aber auch die Medien der Springer-Gruppe – Die Welt und Welt am Sonntag – verbal angriff.

Die SPD habe ihre Mission aus dem Blick verloren und aktuell keine Antworten auf die Fragen des 21. Jahrhunderts. Als Fehler bezeichnete er sein Bild auf dem Süddeutschen Zeitung Magazin, auf dem er den Lesern seinen Mittelfinger zeigt. Auch für die Bezeichnung von Martin Schulz als „Erich Honecker Schulz“ entschuldigte er sich vor laufender Kamera. „Es war mehr als ein Stockfehler, ihn so zu bezeichnen.“

„Versuch der Beeinflussung“

Die 100-prozentige Zustimmung bei Schulz’ Wahl zum SPD-Vorsitzenden bezeichnete er als fatal. Dies habe „wie Blei in den Schuhen“ gewirkt und nicht das Ergebnis der Parteiströmungen widergespiegelt. Steinbrück plädierte für eine Urwahl des nächsten Parteivorsitzenden. Bei ihm entschuldigt hat sich während der Sendung auch die Welt-Journalistin Dagmar Rosenfeld. Sie ist seit März Chefredakteurin der Zeitung Die Welt.

Die Zeitungen Die Welt und Welt am Sonntag hatten vier Wochen vor der Bundestagswahl 2017, bei der Steinbrück als Kanzlerkandidat angetreten war, ein Stück geliefert, das Steinbrück Verbindungen zur Stasi und zum Geheimdienst KGB vorwarf. Das war der „Versuch einer Beeinflussung“, bilanzierte Steinbrück. Der Vorstandsvorsitzende von Axel Springer habe sich bei ihm entschuldigt. Für ihn sei das erlittene Unrecht erledigt.

„Debatte mit offenem Visier führen“

Rosenfeld stellte klar, dass ihre Kollegen sauber arbeiteten und recherchierten. „Ich würde für jeden die Hand ins Feuer legen.“ Die Journalistin kritisierte ehemalige SPD-Parteichefs und Kanzlerkandidaten, die sich besserwisserisch äußerten. Dies sei unsolidarisch. Steinbrück warf sie vor, dass er sich über öffentliche Erklärungen und Bücher zur Lage der Partei geäußert habe, statt mit den Leuten direkt zu reden.

Als Journalisten kennzeichne sie alle ihre Texte mit Namen. Deswegen sollten auch die Politiker eine „Debatte mit offenem Visier“ führen. Steinbrück bestätigte, dass die SPD „Solidarität wie eine Monstranz vor sich her trägt“, mit sich selbst aber nicht solidarisch umgehe. Andrea Nahles sei nicht wegen des politischen Stresses, sondern wegen der seelischen Verletzungen zurückgetreten, vermutete Steinbrück. Sein Buch habe sich zur Hälfte auch mit den Perspektiven der SPD beschäftigt, entgegnete er.

Mit der „Ehe für alle“ keine Wahl gewinnen

Kritik übte er auch an den Medien. Bei aller inhaltlichen Auseinandersetzung müsse man stilvoll bleiben. Nahles sei nicht nur nach ihren Inhalten beurteilt worden, sondern es sei auch nach der Eignung als Frau gefragt worden. Die von Kevin Kühnert angestoßene Debatte, nicht alle Arbeits- und Lebensbereiche einem Rendite-Denken zu unterstellen, begrüßte er. Kühnert habe allerdings die falschen Begriffe gewählt, die für die entsprechenden Reflexe der Bevölkerung sorgten.

Die SPD müsse sich wieder den Problemen der Menschen zuwenden. Von der Erneuerung der Partei werde zwar geredet, sie werde aber kaum umgesetzt. Europa, die Zähmung eines digitalen und finanziell getriebenen Kapitalismus und der Zusammenhalt der Gesellschaft seien die Themen, zu denen sich die SPD positionieren müsse. „Die ‚Ehe für alle‘ sei kein Thema, mit dem man Bundestagswahlen gewinnen kann.“

Zu Gast in der Sendung war auch Kabarettist Florian Schroeder, der seit Juni gemeinsam mit Peer Steinbrück auf Tour ist. Den SPD-Vorderen warf der Kabarettist vor, den Tod der SPD durch unterlassene Hilfeleistung herbeizuführen. Die Gesellschaft sehne sich nach Eindeutigkeit und Klarheit. Dies repräsentierten gerade die Grünen: „Was passiert, wenn sie regieren müssen, wissen wir nicht.“ Ebenfalls zu Gast war die langjährige China-Korrespondentin des ZDF, Gisela Mahlmann, die über die Vorfälle am Platz des Himmlischen Friedens vor 30 Jahren sprach.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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