Die Journalistin Oda Lambrecht, Autorin des Buches "Mission Gottesreich – Fundamentalistische Christen in Deutschland", hat einen Fernsehbeitrag gemacht, in dem sie sich kritisch mit Pfingtskirchen auseinandersetzt
Die Journalistin Oda Lambrecht, Autorin des Buches "Mission Gottesreich – Fundamentalistische Christen in Deutschland", hat einen Fernsehbeitrag gemacht, in dem sie sich kritisch mit Pfingtskirchen auseinandersetzt

Oda Lambrecht: Auch Pfingstler sind problematisch

Einen kritischen Bericht über Pfingstgemeinden in Deutschland hat der NDR am Sonntagabend in der Reihe „Hallo Niedersachsen“ ausgestrahlt. Die Autorin des Beitrages ist die Journalistin Oda Lambrecht, die bereits in ihrem Buch „Mission Gottesreich“ vor fünf Jahren vor christlichen Fundamentalisten warnte.

Der rund acht Minuten lange Beitrag griff weitestgehend die Thesen auf, die Oda Lambrecht mit ihrem Kollegen Christian Baars bereits im Buch „Mission Gottesreich – Fundamentalistische Christen in Deutschland“ vertrat. Die „fundamentalistischen“ Gläubigen lebten isoliert, Kontakt mit der Außenwelt sei nicht erwünscht. Zudem stört Lambrecht der „Absolutheitsanspruch“ unter Evangelikalen. „Wenn Minderheiten diskriminiert oder gegen andere Positionen gehetzt wird, dürfen die, die damit nicht einverstanden sind, nicht schweigen“, schrieben die Journalisten bereits 2009. Im Interview mit dem Christlichen Medienmagazin sagte sie damals: „Wir glauben, dass es in Glaubensfragen keine allgemeingültige Wahrheit geben kann.“

In dem Fernsehbeitrag „Pfingstgemeinden - Erfolgreich durch Wunder?“ vom Sonntagabend stellen Lambrecht und Baars zusammen mit ihrem Kollegen Josy Wübben dieses Mal die Pfingstkirchen in Deutschland kritisch dar. Die Autoren besuchten die ELIM-Gemeinde in Hannover, die Mitglied des Bundes Freikirchlicher Pfingstgemeinden ist. Ihnen fällt als erstes auf: „Die Gläubigen singen in sich versunken. Viele haben die Augen geschlossen, strecken einen Arm zum Himmel. Sie fühlen sich vom Heiligen Geist ergriffen. Eine Band begleitet sie mit langsamer Pop-Musik.“

In Pfingstkirchen sei der Glaube an Heilung durch Gott, wie er in der Bibel versprochen wird, durchaus präsent, stellen die Autoren weiter fest. Das könne problematisch werden, wenn Wunder verheißen würden und die Erwartungen zu hoch würden. „Das kann zu großen Enttäuschungen führen“, sagt die Journalistin im Anschluss an den Film im NDR-Studio. Oder es führe dazu, dass Gläubige gar nicht mehr zu einem Arzt gehen. In einigen Pfingstgemeinden werde suggeriert, man sei selbst schuld an Krankheiten: Wenn man sündige, öffne man den Körper für Dämonen, die wiederum zu Erkrankungen führen könnten.

Kein Sex vor der Ehe: „Ganz problematisch“

Oda Lambrecht nennt als weitere Gründe, warum sie die christliche Bewegung kritisch sieht: Dort würden streng konservative Werte „in moderner Verpackung“ dargeboten. Dass Sex vor der Ehe verpönt ist, findet sie „ganz besonders problematisch“. Außerdem stört sie der Absolutheitsanspruch: „Sie glauben, sie hätten die eine richtige Wahrheit gefunden. Oft ist das damit verbunden, dass andere Religionen abgewertet werden.“ Wenn der christliche Prediger Reinhard Bonnke etwa von anderen Religionen als falsche Religionen spreche, nennt sie das „intolerant“. Lambrecht sagte auf die Frage, warum sich diese Pfingstgemeinden über Zuwachs freuen können: „Sie feiern ihre Gottesdienste in sehr hellen, schlichten, lichtdurchfluteten Gebäuden, dort spielt eine Lobpreisband, Jugendliche mit Schlagzeug, mit E-Gitarre. Die Texte werden mit Beamer an die Wand geworfen.“ Auch die „klaren moralischen Regeln“ seien eventuell anziehend. „Und die Mitglieder von Pfingtsgemeinden werben sehr intensiv um neue Mitglieder.“

Im Film wurden zudem die christlichen Pfadfinder „Royal Rangers“ angesprochen. „Die Royal Rangers legen besonderen Wert auf Gehorsam“, heißt es im Beitrag. Die Pressesprecherin des „Verbandes Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder“, Diane Tempel-Bornett, distanziert sich im Interview von den „Royal Rangers“ und stellt sie konträr zu jenen Pfadfindergruppierungen dar, denen „Erziehung zu Demokratie- und Toleranzfähigkeit“ wichtig seien. „Wenig tolerant“ seien die Pfingstgemeinden, wenn es um die Auslegung der Bibel geht, heißt es im Film weiter. Homosexualität etwa werde, gemäß der Bibel, als Sünde angesehen. Dazu sagte der Weltanschauungsbeauftragte der Hannoverschen Landeskirche, Jürgen Schnare, im Interview: „Im Prinzip wird verlangt, seine Homosexualität nicht zu leben. Manchmal gibt es auch Prediger, die der Meinung sind, man könnte von der Homosexualität geheilt werden.“ (pro)

Von: js

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