Mairead McGuinness ist neue EU-Beauftragte für Religionsfreiheit

Die Europäische Kommission hat die irisch-katholische Politikerin McGuinness kürzlich zur Sonderbeauftragten für Religions- und Glaubensfreiheit außerhalb der EU ernannt. Wer ist die 66-Jährige und wie fallen die Reaktionen aus?
Von PRO
Mairead McGuinness

Die irische Katholikin Mairead McGuinness ist die neue Sonderbeauftragte für Religions- und Glaubensfreiheit außerhalb der EU. Das gab die Europäische Kommission am 26. März 2026 bekannt – nach einer Vakanz von über einem Jahr.

Der Posten wurde vor zehn Jahren von der Europäischen Kommission eingeführt, auch als Reaktion auf die Verfolgung von Christen und Jesiden durch den sogenannten IS. Seitdem blieb er etwa die Hälfte der Zeit unbesetzt – so auch seit Einführung der aktuellen EU-Kommission vor 16 Monaten. Verschiedene Stimmen äußerten Kritik an diesem Zustand, etwa die Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Union (COMECE).

Von der Journalistin zur Präsidentschaftskandidatin

Die 66-jährige McGuinness gilt als erfahrene EU-Politikerin mit Vorerfahrung im Dialog mit Religions- und Weltanschauungsorganisationen. Diesen verantwortete sie für das Europäische Parlament von 2014 bis 2020 als dessen Erste Vizepräsidentin.

Ihre politische Karriere begann im Jahr 2004, als sie ihre langjährige Tätigkeit als Journalistin aufgab, um die konservative EVP-Fraktion in Brüssel zu vertreten. Zehn Jahre später der vorläufige Höhepunkt: die Vizepräsidentschaft und schließlich eine Amtszeit als EU-Kommissarin für Wirtschaft und Kapitaldienstleistungen (2020 bis 2024). Ihre Kandidatur für die Präsidentschaft der Republik Irland gab sie 2025 hingegen wegen einer schweren Erschöpfungserkrankung frühzeitig auf, nachdem die liberal-konservative Partei Fine Gael sie als ihre Kandidatin nominiert hatte.

Aufgewachsen in einem katholischen Elternhaus mit sieben Geschwistern, hat die Irin den christlichen Glauben von ihrer Mutter übernommen. Auch heute sei Religion ein fester Bestandteil ihres Lebens, sagte sie der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Lob und Kritik

Die Reaktionen auf die Besetzung der Stelle fielen bisher unterschiedlich aus. Einerseits äußerten sich Politiker und kirchliche Vertreter ausgesprochen positiv über die Personalie. Wie die KNA berichtet, sprach etwa die Bevollmächtigte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Brüssel, Katrin Hatzinger, von einer „hervorragenden Wahl“. Der Präsident der katholischen Bischofsvereinigung COMECE bezeichnete die enge Zusammenarbeit mit McGuinness in der Vergangenheit als „ein Privileg“.

Andererseits gab es auch Kritik wegen des späten Zeitpunkts der Besetzung und mangelnder Befugnisse für die Sonderbeauftragte. So wirft die belgische NGO „Human Rights Without Frontiers“ (HRWF) der Europäischen Kommission vor, seit Langem nicht den politischen Willen zu haben, „Religions- und Glaubensfreiheit außerhalb der EU zu verteidigen“. Ähnlich kritisch äußerte sich der rechtskonservativ geführte „Arbeitskreis für Religions- und Glaubensfreiheit und religiöse Toleranz des EU-Parlaments“ in einer Pressemitteilung: Es sei „höchste Zeit“ gewesen. Gerade vor dem Hintergrund der Christenverfolgung in Nigeria, der Antikonversionsgesetze in Pakistan und Indien sowie der Gräueltaten an verschiedenen Minderheiten im sunnitisch geführten Syrien warten auf die neue Sondergesandte einige „Aufgaben enormer Tragweite“.

Von: Julien Schaff

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