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Literaturnobelpreis für Annie Ernaux: Es geht um Abtreibung

Annie Ernaux bekommt den Literaturnobelpreis. Aber ist das nicht nur ein Vorwand? Ein Gastkommentar von Alexander Riebel.
Von PRO
Annie Ernaux
Annie Ernaux 2011 auf der Buchmesse von Brive-la-Gaillarde

Der diesjährige Literaturnobelpreis war absehbar. Nicht dass ihn die französische Schriftstellerin Annie Ernaux bekommen würde, aber dass es um den gesellschaftlichen Mainstream gehen musste. Und da liegt der Wille zur Abtreibung ganz vorn. Diese Literaturnobelpreisverleihung hat eine Vorgeschichte.
Es ist, neben zahlreichen Literaturpreisen, nicht die erste Auszeichnung im Anschluss an Ernaux’ Abtreibung.

Beinahe gestorben

Sie war bereits Vorbild für die Hauptdarstellerin in dem Film „L’évènement“ (Das Ereignis) aus dem vergangenen Jahr, weil Ernaux als Literaturstudentin 1964 ihr ungewolltes Kind abgetrieben hat, da sie Schwierigkeiten für das Studium und die spätere Karriere befürchtete. Damals war Abtreibung in Frankreich verboten, aber Ernaux wollte ihre Tat groß herausbringen, schrieb eine Autobiografie, deren Inhalt dann 2010 auf die Theaterbühne kam. In den 70er Jahren kämpfte sie für die Liberalisierung der Abtreibung. Dass die Rezensionen des Films in den großen deutschen Zeitungen durchweg positiv waren, kann nicht überraschen.

Gegenüber der Tageszeitung Die Welt vom 6. Oktober erklärte die jetzt 82-Jährige: „Ich war getrieben von dem Gedanken, dass es nicht sein kann, dass es unmöglich für mich war, Mutter zu werden. Ich musste es also tun, ich wusste nur nicht, wie. In meiner Verzweiflung habe ich es mit einer Stricknadel versucht. Es gab eine Reihe von Hindernissen, die ich eins nach dem anderen überwinden musste. Aber ich war naiv, ich wusste damals nicht, was mir blühte. Mir war klar, dass ich bluten würde, aber verbluten? Damit hatte ich nicht gerechnet.“ Sie wäre tatsächlich beinahe gestorben, wie sie in ihrer Biographie „Das Ereignis“ schreibt. Der Buchtitel allein spricht schon für das entscheidende Geschehen in ihrem Leben.

Kritische Distanz zur Welt

Und das Literarische? Sie wird jetzt gefeiert als „feministische Ikone der ersten Stunde“ (F.A.Z.), die „Mut und klinische Schärfe“ besitze, oder die die „Grenzen der Fiktion gesprengt, die Autobiografie revolutioniert und ein neues Schreiben ermöglicht“ (SZ) hat: „Ihre Art, von sich zu sprechen, hat die Welt verändert“, überschlägt sich die Zeitung aus München.

Die am 1. September 1940 geborene Schriftstellerin hielt sich in ihren Ideen eng an die damals aufrührerischen und zersetzenden Gedanken der französischen Linken wie Jacques Lacan, Michel Foucault, Roland Barthes, Jean Baudrillard, aber auch an Wilhelm Reich. Alle verband das Thema der körperlichen Erfahrung, der exzessiven Verausgabung der eigenen Person wie bei Georges Batailles. Was sie zu Themen macht, sind religiöse Körperfeindlichkeit, das Scheitern an der Karriere derer, die wie sie aus der Unterschicht kommen, die damit verbundene Scham, aber auch Themen wie sexueller Missbrauch. Schreibend forscht sie nach den Ursachen für Gewalt. Die kritische Distanz, die sie zur Welt hat, spiegelt sich auch in ihrem distanzierten Stil wider, der häufig die Ereignisse ohne Bewertung für sich sprechen lässt.

Antisemitismus der Preisträgerin

In Deutschland ist sie so richtig erst nach 2017 gelesen worden, nachdem das Gastland der Frankfurter Buchmesse Frankreich war. Der Suhrkamp Verlag hat Übersetzungen ihrer Werke in Auftrag gegeben. Man schaut nun genauer hin und einige Zeitungen berichten über Antisemitismus von Ernaux: „Skandal um Annie Ernaux: Literaturnobelpreisträgerin hetzt gegen Israel“, titelt das Magazin Focus. Sie unterstütze die Zerstörung Israels und lehne eine interkulturelle Zusammenarbeit zwischen Israel, das sie mit der Apartheitspolitik Südafrikas vergleicht, und Frankreich ab.

Immer wieder ist in diesen Tagen zu lesen, dass Ernaux die Sache der Frauen vertritt. Dass das in diesem Fall gleichbedeutend mit dem Vertreten der Sache der Abtreibung ist, wird nirgendwo erwähnt.

Dieser Text erschien zuerst bei die-tagespost.de.

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4 Antworten

  1. Abtreibung ist Mord, ganz gleich, wie die Welt das sieht! Die Menschen wissen nicht was sie tun, sie rebellieren gegen den lebendigen Gott, der der Geber allen Lebens ist. Auch das Komitee zur Nobelpreisverleihung versündigt sich an dem allmächtigen Gott. Die Menschen erheben sich über die Gebote und Ordnungen Gottes und wundern sich, warum es an allen Enden der Welt “brennt”. Gott lässt sich nicht spotten, die Menschen fordern das Gericht Gottes heraus.
    L.G. Martin Dobat

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  2. starker Artikel ! lasst die “Welt ” ihre Helden feiern, ihre blinden Blindenführer ! Wir haben einen anderen “Hero” Weg, Wahrheit und Leben in einer Person vereint !

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  3. Es wirft ein ganz schlechtes Licht auf das Nobelpreiskommitee, wenn einer solchen Person der Literaturpreis zuerkannt wird. Ethische Werte? Null.

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  4. Antisemitismus geht gar nicht. Inakzeptabel!
    —-
    Allerdings, wenn die Menschen nicht (mehr) an Gott glauben und sich eigene ethische Werte schaffen, dann kann man von ihnen kaum Achtung vor dem Leben und vor der Unantastbarkeit der Würde des Menschen, auch des ungeborenen, erwarten. Dann bekommt unsere Gesellschaft mehr Sozialdarwinismus.
    Und wenn unsere Gesellschaft und Gesetzgebung den Schwangeren und alleinerziehenden Müttern und ihren Kindern nicht deutlich besser und angemessener hilft als bisher, z.B. bei Ausbildung, Arbeitsplatz und -zeit, Chancengleichheit, Kindergartenplatz usw., dann können wir auch keine Änderung der Einstellung zur Abtreibung erwarten.

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