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Lieberknecht erneuert Kritik an Kirchen während Corona-Krise

Welche Rolle haben die Kirchen in Deutschland während der Corona-Krise gespielt? Diese Frage wurde in einer Disputation am Dienstag diskutiert. Dabei stellten die Teilnehmer fest, dass die Kirche nicht system-, aber himmelreichrelevant sei. Thüringens frühere Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht erneuerte ihre Kritik an der Rolle der Kirchen während der Corona-Krise.
Von PRO
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Die ehemalige Ministerpräsidentin von Thüringen, Christine Lieberknecht

Foto: pro/Martin Schlorke

Die ehemalige Ministerpräsidentin von Thüringen, Christine Lieberknecht

Die Kirche ist nicht systemrelevant. Diese Meinung vertrat die ehemalige Ministerpräsidentin Thüringens, Christine Lieberknecht, bei einer Podiumsdiskussion am Mittwoch in Berlin zum Thema: „Kirche im Lockdown: Systemrelevant, existenzrelevant, himmelreichsrelevant?“. Der Begriff der Systemrelevanz beschreibe vielmehr kritische Infrastruktur und Banken, sagte Lieberknecht. Wer systemrelevant sei, laufe außerdem Gefahr, Dinge zu tun, für die er nicht verantwortlich gemacht werden kann. Im Zweifel müsse dann der Staat haften. Dieses moralische Risiko treffe jedoch nicht auf die Kirche zu. Dennoch sei sie „für die Systemrelevanz relevant“.

Der Landesbischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover, Ralf Meister, stimmte Lieberknecht zu. Die Systemrelevanz sei kein theologischer Begriff. Vielmehr lege der Begriff eine Bedeutung nahe, die Geistliche immer hinterfragen müssten. Als sich die Kirche gegründet hat, habe sie niemals systemrelevant sein wollen. Auch Jesus habe nicht davon gesprochen. Mit der Verwendung dieses Begriffes „schießt sich die Kirche komplett ins eigene Knie“. Mit Systemrelevanz mache die Kirche außerdem Gottes Geist klein. Dieser passe in kein weltliches System. Julia Braband, Ratsmitglied des Lutherischen Weltbundes, sieht die Kirche zumindest als himmelreichrelevant. „Wir sind eine weltweite Gemeinschaft, die von Solidarität und Gebet lebt.“ Darauf müsse wieder mehr Wert gelegt werden, sagte Braband. Begrifflichkeiten seien dafür zweitrangig.

„Der Mensch lebt nicht von Hygienemaßnahmen allein“

Im Verlauf der Debatte erneuerte Lieberknecht ihre Kritik an der Kirche während der Corona-Zeit. Die Kirche und auch Familien seien in ihren Rechten beschnitten worden. Das sei ein schon länger anhaltender Prozess, auf den die Corona-Krise wie ein Brennglas wirke. In einer solchen Krise kämen der Kirche besondere Aufgaben zu. Aber sie habe sich nicht als eine Stimme für die Menschen in Isolation eingesetzt. Dabei lebe der Mensch nicht allein von Hygienemaßnahmen.

Julia Braband, Ratsmitglied des Lutherischen Weltbundes Foto: pro/Martin Schlorke
Julia Braband, Ratsmitglied des Lutherischen Weltbundes
Landesbischof Ralf Meister Foto: pro/Martin Schlorke
Landesbischof Ralf Meister

Meister erklärte dazu, dass die Kritik von Lieberknecht sehr produktiv und hilfreich sei, denn dahinter würden sich weitere Fragen verbergen. Diese seien nicht, wie aktiv Kirchen in der Krise waren, sondern warum die Stimme der Kirche in einer Zeit, in der alle Glieder der Gesellschaft Angst hatten, nicht zu hören gewesen sei. Meister wehrte sich dagegen, einzelnen Personen die Schuld zu geben. Gerade diejenigen, die die Maßnahmen strikt umgesetzt hätten, seien keine bösen Menschen. Vielmehr müsse man auch mit ihnen barmherzig sein.

Meister sagte, dass es sogar den Plan gegeben habe, disziplinarrechtlich gegen Gemeinden vorzugehen, die gegen die Corona-Empfehlungen verstoßen. Diese Idee sei aber schließlich verworfen worden. Stattdessen lobte er Gemeinden, die mit guten Konzepten Wege gefunden hätten, um die Empfehlungen auf anderen Wegen umzusetzen.

Von: Martin Schlorke

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