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Latzel vor Gericht: Verteidigung spricht von „politischem Verfahren“

Der Prozess gegen den Pastor Olaf Latzel hat am Freitag in Bremen begonnen. Der Vorwurf: Volksverhetzung. Die Verteidigung wies die Anschuldigung zurück.
Von PRO
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Pastor Olaf Latzel steht seit heute vor Gericht
Pastor Olaf Latzel steht seit heute vor Gericht

Was dem Bremer Pastor Olaf Latzel vorgeworfen wird, ist hart: „Volksverhetzung“. In dem Prozess, der am Freitag vor dem Amtsgericht in Bremen unter großem Medieninteresse mit der Verlesung der Anklageschrift begonnen hat, steht vor allem eine Audio-Datei im Vordergrund.

Im Herbst 2019 habe Latzel sich, so die Staatsanwaltschaft, in einem Eheseminar in einer Weise geäußert, die den öffentlichen Frieden stören und zum Hass gegen Homosexuelle aufstacheln könne. Zugleich verletzten die Äußerungen die Menschenwürde. Die Verteidigung wies die Vorwürfe zurück und sprach von einem „politischen Verfahren“.

Die Audio-Datei über das Seminar sei auf einer Internetplattform online gestellt worden, wo sie mit hoher Reichweite für jedermann verfügbar gewesen sei, argumentiert die Anklage. Pflichtverteidiger Sascha Böttner sagte, die Staatsanwaltschaft habe das Verfahren schon mit ihrer Presseinformation zur Anklageerhebung Anfang Juli mit unfairer Desinformation lanciert und öffentlich Stimmung gegen Latzel gemacht. So sei behauptet worden, der Pastor habe die Audio-Datei ins Internet gestellt, was nicht stimme.

Audiomitschnitt vorgespielt

Tatsächlich teilte die Staatsanwaltschaft mit: „Dem Pastor wird mit der Anklage zur Last gelegt, am 19.10.2019 in der St. Martini Gemeinde in Bremen ein sogenanntes Eheseminar abgehalten und hierbei Äußerungen getätigt zu haben, die er als Audiodatei auf der Internetplattform Youtube online stellte, so dass diese für jedermann verfügbar waren.“

Nach der Anklageverlesung wurde die Aufnahme des biblisch orientierten Eheseminars vorgespielt. Dabei war unter anderem zu hören, wie Latzel sagt, Homosexualität stehe gegen die göttliche Schöpfungsordnung. Er warnte vor einer „Homolobby“: „Überall laufen die Verbrecher rum vom Christopher Street Day. Der ganze Genderdreck ist ein Angriff auf Gottes Schöpfungsordnung, ist teuflisch und satanisch.“ Das verunsichere Leute, zerstöre Zivilisation und Kultur. Homosexualität sei vor Gott todeswürdig und ein Gräuel.

Auf Volksverhetzung steht eine Haftstrafe zwischen drei Monaten und fünf Jahren. Für den Prozess unter der Leitung der Vorsitzenden Richterin Ellen Best sind drei Verhandlungstage angesetzt. Aufgrund des großen öffentlichen Interesses, und um die Corona-Abstände einhalten zu können, wurde die Gerichtsverhandlung in das Bremer Konzerthaus „Die Glocke“ verlegt.

Der Theologe ist schon öfter in die Kritik geraten. Am 18. Januar 2015 hatte sich Latzel in einer Predigt gegen Religionsvermischung ausgesprochen und dabei von katholischem „Reliquiendreck“ und „Blödsinn“ im Zusammenhang mit dem muslimischen Zuckerfest gesprochen. Stimmen aus Medien und Politik bezeichneten ihn daraufhin als „Hassprediger“. Die Evangelische Kirche in Bremen entschuldigte sich in einer Stellungnahme bei „den muslimischen, buddhistischen und katholischen Gesprächspartnern sowie allen Bremerinnen und Bremern, die durch Herrn Pastor Latzel diskriminiert und in ihren religiösen Gefühlen und Wertvorstellungen oder liturgischen Traditionen beleidigt wurden“. Der Pastor selbst betonte hingegen, er stehe zu seinen Worten. 

Auch damals prüfte die Staatsanwaltschaft seine Äußerungen, sah sie am Ende aber von der grundgesetzlich zugesicherten Meinungs- und Religionsfreiheit gedeckt. Für bundesweite Schlagzeilen sorgte Latzel zudem 2008, als er einer Kollegin die Kanzel verwehrte, weil die Martini-Gemeinde die Ordination von Frauen strikt ablehnt.

Im Frühjahr berichtete Olaf Latzel von Angriffen gegen seine Gemeinde. Mutmaßlich linke Demonstranten hätten einen Gottesdienst gestört und dort gefälschte Formulare zum Kirchenaustritt verteilt. Viele Gemeindemitglieder hätten sich bedroht gefühlt, so Latzel. Weiter berichtete der Pastor von Schmierereien am Kirchengebäude und Kratzern an seinem Auto.

Von: Nicolai Franz/Anna Lutz/epd

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