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Kurschus: Waffenlieferungen sind nicht unchristlich

Die Ratsvorsitzende der EKD, Annette Kurschus, unterstützt Waffenlieferungen in die Ukraine. In einem Interview wirft sie dem Patriarchen Kyrill außerdem Gotteslästerung vor.
Von Martin Schlorke
Annette Kurschus
Annette Kurschus will weiterhin Kontakt zur russisch-orthodoxen Kirche halten

Waffenlieferungen an die Ukraine sind mit dem christlichen Glauben vereinbar. Das sagte die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Annette Kurschus, gegenüber dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel. Sie könne Politikern, die Waffen zur Selbstverteidigung liefern, nicht vorwerfen, unchristlich zu handeln. In dem Fall gelte das christliche Gebot der Nothilfe. Die Menschen in der Ukraine hätten das Recht auf Verteidigung.

In dem Interview mit dem Spiegel betonte Kurschus jedoch auch, dass Christen ebenso für sich selbst entscheiden könnten, auf Gegengewalt zu verzichten. „Ich bewundere Ukrainerinnen und Ukrainer, die das tun.“ Sie selbst wisse aber, dass es etwas anderes sei, „wenn ich als Christin, gar als leitende Angestellte der Kirche, die selbst nicht unmittelbar bedroht ist, Angegriffenen dies moralisch gebietet.“

Kurschus wirft Kyrill Gotteslästerung vor

Scharf kritisierte das Oberhaupt der EKD den russischen Patriarchen Kyrill. Dessen Aussagen zum Krieg seien Gotteslästerung. Kurschuss betonte in dem Interview aber auch, dass die Orthodoxie in Russland vielstimmig sei. Kyrill könne nicht für alle sprechen. Aus diesem Grund müsse auch weiterhin der Kontakt zur russisch-orthodoxen Kirche gehalten werden. Zudem werde es auch ein „Danach“ geben. Für diese Zeit brauche es „Möglichkeiten zur Verständigung.“

Bereits beim Johannisempfang der EKD teilte Kurschus gegen das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche aus. Dort sagte sie in Bezug auf Kyrills Kriegsrhetorik: „Gott in dieser Weise vor den eigenen Karren zu spannen, halte ich für gotteslästerlich.“

Gegenüber dem Spiegel warnte Kurschus zudem vor einer ideellen Überhöhung der Ukraine. Die Verteidigung der Ukraine dürfe nicht pauschal als Verteidigung westlicher Werte idealisiert werden. „Ich möchte jedenfalls nicht allzu schnell sagen: In diesem Krieg kämpft die Ukraine für unsere Demokratie und meine Freiheit. Die Menschen dort kämpfen in erster Linie für sich und ihr Land, sie verteidigen ihr Leben. Das hat meinen Respekt, und das verdient unsere Hilfe.“

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