Jack Barsky war während des Kalten Krieges als KGB-Spion in den USA. Im Deutschen Spionagemuseum in Berlin hat er seine Biografie vorgestellt.

Jack Barsky war während des Kalten Krieges als KGB-Spion in den USA. Im Deutschen Spionagemuseum in Berlin hat er seine Biografie vorgestellt.

Der KGB-Spion, der Christ wurde

Unter dem Decknamen Jack Barsky hat Albrecht Dittrich für den russischen Geheimdienst KGB in den USA spioniert. Doch der glühende Kommunist verliert den Glauben an die Ideologie, steigt beim russischen Geheimdienst aus und wird Christ. Jetzt hat der Ex-Spion seine Biografie veröffentlicht.

Jack Barsky hat über Jahre mit gefälschter Identität für den ehemaligen russischen Geheimdienst KGB in den USA spioniert. Am Dienstag hat der ehemalige DDR-Bürger und Ex-Spion in Berlin sein Buch „Jack Barsky – Der falsche Amerikaner" vorgestellt. Darin schildert Barsky seine Anwerbung durch den KGB, die Ausbildung zum Agenten in Moskau, die Einschleusung in die USA im Jahr 1978 bis zur Enttarnung durch das FBI im Jahr 1997. Barsky schreibt auch über sein Doppelleben als Spion in den Zeiten des Kalten Krieges und seine Lebenswende vom glühenden Kommunisten zum Christen.

Auf der Pressekonferenz zur Buchvorstellung im Deutschen Spionagemuseum in Berlin erklärte Barsky zu dem Giftanschlag auf den russischen Ex-Spion und MI6 Überläufer Sergej Skripal in Großbritannien: „Den KGB gibt es nicht mehr. Inwieweit sich die daraus entstandenen Geheimdienste noch zu den alten Methoden bekennen, davon habe ich keine Ahnung."

Zum Hintergrund: Die britische Premierministerin Theresa May hatte zu Wochenbeginn im britischen Parlament erklärt, dass „höchstwahrscheinlich" Russland für das Attentat verantwortlich sei. Skripal war 2004 in Russland verhaftet worden, dann 2010 begnadigt und gegen westliche Agenten ausgetauscht worden. Anfang März wurden er und seine Tochter Opfer eines Nervengiftattentates in England.

Keine Paranoia

Dittrich äußerte sich vage über Gefahren, denen ehemalige Spione ausgesetzt sind. Als ehemaliger KGB-Agent habe er immer Bedenken und lasse statt Sorglosigkeit lieber Vorsicht walten. Von Paranoia wollte Dittrich dennoch nichts wissen. „In dieser Welt der Geheimdienste weiß man nie irgendetwas ganz genau.“

Er sei überzeugter Kommunist gewesen, erklärte Barsky seinen Einstieg beim russischen Geheimdienst. Zudem hätten seine Abenteuerlust und die Möglichkeit, in Zukunft „außerhalb des Gesetzes zu leben“, sein Interesse an der Spionagetätigkeit verstärkt und gereizt. Barsky sollte sich nach eigenen Angaben in den USA politischen Entscheidungsträgern annähern. Dieser Plan sei jedoch nicht aufgegangen. Allerdings hätten „Maulwürfe“ und „Schläfer“, denen es gelungen war, sich in den USA zu integrieren, für den KGB ebenfalls eine große Bedeutung gehabt für den Fall eines Krieges oder Konfliktes.

Auf die Frage, was er denn in den USA tatsächlich erreicht habe, sagte Barsky: „Das ist die einzige Frage, vor der ich mich immer fürchte.“ Er könne darauf keine klare Antwort geben. „Beim Geheimdienst weiß man nur soviel, wie man wissen soll, um seine Aufgabe zu erledigen.“ Allerdings habe er nie als „geheim“ eingestufte Dokumente oder politische Geheimnisse in den USA in die Hände bekommen. Ein Computerprogramm, das nicht aus den USA ausgeführt werden durfte, hat Barsky eigenen Angaben zufolge in die Sowjetunion geschickt.

Familie viele Jahre belogen

Barsky lernte eigenen Aussagen zufolge Liebe erst durch seine kleine Tochter in den USA kennen. Sie sei letztlich der Grund gewesen, warum er den KGB-Befehl zur Rückkehr missachtet habe und sich vom Geheimdienst absetzte. Barsky hat für mehr als fünf Jahrzehnte mit falscher Idendität gelebt und seine Familie belogen. Das bereut er heute. „Ich habe gezwungenermaßen Menschen Leid angetan“, sagt Barsky. Die eigene Mutter, von der Barsky eigenen Angaben zufolge kaum Liebe erfahren hat, starb in dem Glauben, dass er in Kasachstan umgekommen sei.

Er habe es sich nun zur Aufgabe gesetzt, seine Kinder mit Liebe zu überschütten. Der Glaube seiner Jugend sei der Kommunismus gewesen. „Der Kommunismus war für mich die Höhe der Moralität“, erklärte Barsky. Sein Glaube an den Kommunismus sei auch dadurch erschüttert worden, dass er Originalzitate von Lenin gelesen habe, die in der DDR nicht zugänglich gewesen waren. Diesen Lenin, ein kommunistisches Idol, habe er bis dahin nicht gekannt. „Plötzlich ist dieser Glaube mir total zerstört worden.“

Aus der Leere heraus habe er etwas anderes finden wollen. Das Christentum habe ihm die Möglichkeit geboten, mit sich ins Reine zu kommen. „Ich bin Christ geworden, ich habe Gott gefunden“, sagte Barsky. Und er habe Vergebung für seine Lügen und sein Doppelleben erfahren. Heute lebt Barsky als Staatsbürger unter seinem einstigen Decknamen in den USA.

Barsky, Jack: „Der falsche Amerikaner: Ein Doppelleben als deutscher KGB-Spion in den USA“, 2018, SCM Hänssler, 424 Seiten, ISBN: 978-3775158268

Von: Norbert Schäfer

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