Der Journalist Claus Kleber ist seit 2003 Moderator des ZDF-Nachrichtenmagazins „heute-journal".

Der Journalist Claus Kleber ist seit 2003 Moderator des ZDF-Nachrichtenmagazins „heute-journal".

Wo ist die Wahrheit? - Tiefenbohrung beim ZDF

Claus Kleber hat als Moderator des „heute-journal" Glaubwürdigkeit und Bekannheit erlangt. In seinem Buch „Rettet die Wahrheit!" nutzt der ehrenvolle ZDF-Journalist beide und verteidigt seinen Berufsstand gegen den Vorwurf, „Lügenpresse" zu sein. Eine Rezension von Norbert Schäfer

Nachrichten- und Politikinteressierte kennen Claus Kleber seit mehr als einem Jahrzehnt als Moderator des „heute-journals“. Der ZDF-Journalist ist aber mehr als „nur" ein Moderator, er ist ein „Anchorman", eine prägende Gestalt der Sendung. So ist Kleber einerseits für viele Fernsehzuschauer eines der Gesichter, das für eine ausgewogene Berichterstattung steht. Kleber selbst mag lieber den Begriff „umfassende Berichterstattung". Andererseits ist er für viele schlicht Vertreter der „Lügenpresse“. Kleber ist überzeugt, dass „unsere Demokratie nicht überleben kann ohne Medien, ohne Journalisten, denen man - bei allen berechtigten Zweifeln - im Grunde traut“ und hat daher eine Streitschrift zur Ehrenrettung seines Berufsstandes geschrieben.

Redaktionsalltag

Kleber nimmt den Leser für einen Tag mit in den Redaktionsalltag beim „heute-journal". Er erklärt, wie sich Themen über den Tag entwickeln oder in Luft auflösen. Er schildert, wie in der Redaktion recherchiert, debattiert und wie um die Themen gerungen wird. Die Botschaft: Weder Kanzlerin noch Oppositionsführer diktieren den Redakteuren ihre Agenda in den Teleprompter. Kleber tritt als ehrenhafter Journalist denen entgegen, die behaupten, dass Rundfunk und Fernsehen staatlich gelenkt würden, Politiker Sendungsinhalte und Themen bestimmen. Er verdeutlicht die Schwierigkeit, komplexe Themen in kürzester Zeit zu erfassen und für den Zuschauer verständlich und formatgerecht aufzuarbeiten. Seine Botschaft: Hier ist nichts gesteuert, hier redet keiner rein.

Der Fall Brender

Dem Vorwurf, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk, die verleumderisch von Populisten so bezeichneten „Mainstream-Medien", Staatsnähe und Politikhörigkeit praktizieren, hält Kleber die Schilderung der Hintergründe und Vorgänge im „Sündenfall Brender" entgegen. Kleber schildert in dem Kapitel das Ränkespiel von Politikern und Lobbygruppen im Verwaltungsrat des Senders um die Vertragsverlängerung von Ex-ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender im Jahr 2009.

Brender hatte sich darum bemüht, das Eindringen von Parteigängern in die Redaktionen zu verhindern. Auch Versuche von Einflussnahme wollte er im Keim ersticken. Dadurch hatte der Journalist den Unbill von Politikern auf sich gezogen und musste am Ende gehen. Der Fall hatte dann eine Debatte um die Verfassungsmäßigkeit des ZDF-Staatsvertrags nach sich gezogen. Das Bundesverfassungsgericht urteilte schließlich, dass durch die hohe Anzahl von Politikern und staatsnahen Personen im ZDF-Fernsehrat und ZDF-Verwaltungsrat die freie Berichterstattung der Medien nicht gegeben ist und hatte die Zahl der Poliker in den Gremien beschränkt.

Gebührenfinanzierte Kampfansage

Der Klappentext nennt das Buch ein „flammendes Plädoyer für die Unabhängigkeit der Medien“ - und nach der Lektüre möchte man irgendwie ergänzen: „und des öffentlich-rechtlichen Rundfunks", der mit den gesicherten Einnahmen der Gebührenfinanzierung gut leben kann. Auf den knapp 100 Seiten kann Kleber sich einen Seitenhieb nicht verkneifen. Der Autor macht die Verlegerverbände dafür verantwortlich, dass die Netzaktivitäten von ARD und ZDF reglementiert wurden.

Er versteht die Gebührenzahler nicht, die sich daran nicht stören. Dass die Verleger ihre Einnahmen erwirtschaften müssen und nicht per Gesetz mit Finanzmitteln versorgt werden, vertieft er nicht. Es klingt dann wie eine Kampfansage, wenn er schreibt: „Jetzt wäre bei uns die richtige Zeit für eine nach innen wie außen spürbare Investition in Information, die die öffentlich-rechtlichen Anbieter haushoch herausragen lässt, wenn es darum geht, die Welt zu erklären und die laufende Medienrevolution zu nutzen."

Klebers Einblicke in die Welt des „heute-journals", seine Analyse über das Aufkommen von Fake-News & Co. in den USA und die Wirkung der Sozialen Medien bei der Informationsversorgung sind sprachlich und stilistisch hervorragend. Kleber will dabei helfen, den Glaubwürdigkeits-und Imageschaden der öffentlich-rechtlichen Medien zu reparieren. Das gelingt ihm. Er analysiert kenntnisreich und nachvollziehbar. Kleber erklärt den Journalistenberuf, ohne dabei reine Nabelschau zu betreiben. Das Büchlein bietet erhellende Einblicke, ist kurzweilig und interessant. Eine kritischere Auseinandersetzung mit der Finanzierung von ARD und ZDF hätte dem Buch gut getan, das insgesamt informativ und prägnant ist.

Kleber, Claus: „Rettet die Wahrheit!“ Ullstein, 96 Seiten, 8 Euro, ISBN: 9783550050336.

Von: Norbert Schäfer

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