Kretschmann drängt Kirche zu Reformen

Ministerpräsident Winfried Kretschmann fordert tiefgreifende Veränderungen in der katholischen Kirche, darunter die Öffnung des Priesteramtes für Frauen. Den Pflichtzölibat für Priester hält der Grünen-Politiker für unbiblisch.
Von Norbert Schäfer
Baden Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann

Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann fordert weitreichende Reformen in der katholischen Kirche. In einem Interview mit katholisch.de vom Montag begrüßte er den Gedanken, alle Ämter für Frauen zu öffnen. „Wenn die Kirche die theologische Emanzipation der Frau nicht durchsetzt, muss sie eine Kirche ohne die meisten Frauen sein“, erklärt Kretschmann in dem Interview.

Der Katholik Kretschmann sagt klar: Die Kirche wird im Alltag von Frauen getragen. Wenn sie ausgeschlossen blieben, drohe ein Bruch. „Die Kirche muss zurück zu den Quellen!“, sagt er, sonst verliere sie, was im Urchristentum begonnen habe. „Paulus schreibt in seinem Brief an die Galater: ‚Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr alle seid einer in Christus Jesus‘ (Galater 3,28). Also, dass sie bei Emanzipationsfragen vorne dran war und nicht hinten.“

Zugleich kritisiert er den Pflichtzölibat. Priester sollen frei über Ehe und Lebensform entscheiden können. Auf die Frage, ob die katholische Kirche den Pflichtzölibat abschaffen soll, antwortet Kretschmann: „Ja, ich glaube sogar, dass der Pflichtzölibat unbiblisch ist. (…) Wenn jemand sein Leben in den besonderen Dienst Gottes stellen und Priester werden will, warum muss die Kirche ihm dann noch zwangsmäßig aufbürden, dass er auch ehelos lebt?“, erklärt der Grünen-Politiker, und weiter: „Das ist ein klarer Verstoß gegen dieses Jesuswort. Das gilt für die Sexualmoral insgesamt. Warum macht die Kirche daraus ein Joch? Jesus hat sich für sexuelle Fragen offenkundig gar nicht besonders interessiert.“

Für kirchliche Reformen ist es nach Ansicht des Politikers nie zu spät. Das Heil der Kirche liege jedoch nicht in Reformen der Ämter. „Die sind schon wichtig, aber nicht die Lösung aller Fragen. Sonst müsste die evangelische Kirche ja in einem berauschend guten Zustand sein“, sagte er in dem Interview.

Der Ministerpräsident äußert sich nicht nur als Politiker, sondern als gläubiger Christ. Sein Glaube habe ihn im Amt getragen und von Angst befreit. Vertrauen und Gelassenheit seien für ihn entscheidend gewesen.

Kretschmann steht kurz vor dem Ende seiner Amtszeit. Rückblickend rät er in dem Gespräch zu Demut. Vieles im Leben lasse sich nicht planen. Auch der Erfolg hänge oft von äußeren Umständen ab.

Helfen Sie PRO mit einer Spende
Bei PRO sind alle Artikel frei zugänglich und kostenlos - und das soll auch so bleiben. PRO finanziert sich durch freiwillige Spenden. Unterstützen Sie jetzt PRO mit Ihrer Spende.

Ihre Nachricht an die Redaktion

Sie haben Fragen, Kritik, Lob oder Anregungen? Dann schreiben Sie gerne eine Nachricht direkt an die PRO-Redaktion.

PRO-App installieren
und nichts mehr verpassen

So geht's:

1.  Auf „Teilen“ tippen
2. „Zum Home-Bildschirm“ wählen