In extremen Situationen ist Besonnenheit ein Mittel der Wahl

In extremen Situationen ist Besonnenheit ein Mittel der Wahl

Kühler Kopf und Gottvertrauen

Angst schützt, aber wer aus Angst getrieben handelt, bringt sich mitunter selbst in Gefahr. Auch Wissen über Wahrscheinlichkeiten mildert die Angst nicht. Ein Kommentar von Norbert Schäfer

Angst schützt Menschen in bedrohlichen Situationen. Aber: „Aus Angst getriebene Menschen bringen sich oft zusätzlich in Gefahr.“ Das erklärte Gerd Gigerenzer, Forscher für Risikokompetenz am Max-Planck-Institut, in einem Interview der Wirtschaftszeitung Handelsblatt am Dienstag.

Es sei leicht, bei Menschen Angst vor Schockrisiken auszulösen. Situationen, in denen unvermittelt viele Menschen in kürzester Zeit ums Leben kommen. Wer die Medien aufmerksam beobachtet, bemerkt, dass dem Coronavirus und der gesteigerten Medienaufmerksamkeit dafür Potential für ein derartiges Schockrisiko innewohnt. Die Angst hat sich breit gemacht. An Stammtischen, Werkbänken, Banktresen, Börsen-, Frühstücks- und runden Tischen – überall herrscht Angst.

Dabei seien in Deutschland fast fünfmal mehr Menschen durch Stürze von Leitern oder bei Glatteis gestorben als durch das neuartige Virus auf der ganzen Welt, rechnet Gigerenzer vor und erkennt eine Mitschuld der Medien an der Panik. Es liege in der Verantwortung der Medien, sachlich und faktenbasiert zu berichten. Von Politikern fordert der Forscher, dass sie „Rückgrat“ beweisen und „sich von einer verunsicherten Bevölkerung nicht zu voreiligen Handlungen“ treiben lassen.

Die Menschen sollten sich anstatt an Angst zu leiden besser kundig machen, wo die wirklichen Risiken lägen. Gigerenzer sagt: „Nehmen Sie die Fernbedienung für Ihre Emotionen wieder selbst in die Hand.“

„Fürchtet euch nicht!"

1516 schrieb ein Professor der Wittenberger Universität an einen Kollegen: „ ... Die Pest bei uns rafft höchstens (doch noch nicht an jedem Tage) drei oder zwei hinweg. ... Was soll ich sagen? Sie ist da und beginnt gar rauh und plötzlich, besonders bei jüngeren Leuten. Und Du rätst mir, und mit Dir Magister Bartholomäus, zur Flucht! Wohin soll ich fliehen? Ich hoffe, daß die Welt nicht zusammenstürzen wird, wenn Bruder Martin stürzt. ... Nicht, daß ich den Tod nicht fürchte (denn ich bin nicht der Apostel Paulus, sondern nur jemand, der Vorlesungen über den Apostel Paulus hält). Aber ich hoffe, der Herr wird mich aus meiner Furcht herausreißen. ...“

Der Autor der Zeilen, seines Zeichens Professor für Theologie, Martin Luther, bewahrte trotz der brenzligen Lage in seiner Stadt einen durchaus kühlen Kopf - und Gottvertrauen. Davon kann man sich anstecken lassen und damit die Fernbedienung der eigenen Gefühle wieder unter die eigene Hoheit bringen.

In seinem aktuellen Buch „Einen Airbag für die Seele, bitte! Was tun gegen die Angst?“ geht der Journalist und Theologe Andreas Malessa unter anderem auf „kollektive Ängste" ein. Malessa verdeutlicht aber, dass das Wissen über Wahrscheinlichkeitprozente die Angst nur verstärkt und nicht lindert. „Fakten gegen die Angst – das kommt beim Geängstigten so an, als wolle man seine Angst zensieren“, schreibt Malessa.

Die Aufforderung „Fürchtet euch nicht!" kommt in der Bibel wohl mehr als 366 Mal vor. Das bedeutet mindestens eine für jeden Tag.

Handeln und verhalten Sie sich weise während der aktuellen Corona-Welle - auch was den Medienkonsum angeht. Nehmen Sie die Fernbedienung Ihres TV-Gerätes und jenes ihrer Emotionen wieder selbst in die Hand. Lassen Sie sich nicht von der Angst überwältigen. Und: Bleiben Sie gesund!

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