Andreas Malessa wehrt in seinem Buch der Angst und macht Mut

Andreas Malessa wehrt in seinem Buch der Angst und macht Mut

Text-Serum gegen „German Angst“

Der Journalist und Theologe Andreas Malessa nimmt in seinem aktuellen Buch keinen Bezug auf „Corona“. Dafür ist es zu früh erschienen. Aber der Autor übersetzt biblische Szenen „modern“ in die Gegenwart und wehrt so der Angst und Hysterie. Eine Rezension von Norbert Schäfer

„Schade, wenn Leute von Gott denken wie von ihrem Airbag im Auto“, schreibt Andreas Malessa in seinem neuen Buch. Ob es Gott gebe oder nicht, ließen viele Menschen offen, hofften aber, dass er nie gebraucht werde, „also schockartig zum Einsatz kommen müsste wie ein Airbag beim Crash“. In „Einen Airbag für die Seele, bitte! Was tun gegen die Angst?“ richtet sich der Hörfunkjournalist und Theologe Andreas Malessa gegen gesellschaftliche und private Ängste.

Malessa beschreibt zunächst „kollektive Ängste“ und „persönliche Ängste“. Etwa die kollektive Angst vor Gewalttaten. Die Kriminalität im Land sinke, das zeige die Statistik. Aber auch, dass die Angst vor Kriminalität steige. Der Autor setzt Fakten gegen dumpfe Gefühle. Er belegt die geschilderten Beispiele und führt die Quellen dazu im Anhang auf. Auch wenn es um persönliche Angst, etwa der Angst vor dem Fliegen, geht. Denn: „Unfallstatistisch ist das Gefährlichste am Fliegen die Fahrt zum Flughafen.“ Der Autor verdeutlicht anhand verschiedener Beispiele, dass das Wissen über Wahrscheinlichkeitprozente die Angst nur verstärkt und nicht lindert. „Fakten gegen die Angst – das kommt beim Geängstigten so an, als wolle man seine Angst zensieren“, schreibt der Journalist.

Wenn eine vegetarisch essende Leichtathletin mit siebenunddreißig elend an Brustkrebs stirbt und Kettenraucher Helmut Schmidt munter siebenundneunzig wurde – dann lässt die Unberechenbarkeit der Natur allen erhofften Seelenairbags die Luft raus.

Angst - Hass - Gewalt

Eine Spielart der „German Angst“, die Angst vor Migranten, beleuchtet der Theologe anhand der biblischen Geschichten von Josef, Mose und den Israeliten. Die waren als Asylsuchende und Hungerleidende nach Ägypten gekommen und hatten sich dort vermehrt. Den Pharao erfüllte die Menge der Fremden mit Angst. Deshalb ließ er sie verfolgen. Aus Angst vor der demografischen Entwicklung ließ der Pharao die israelitischen männlichen Kinder in den Fluss werfen. Malessa zeichnet ein warnendes Bild anhand des biblischen Berichtes und zeigt, wie politische Stimmung von diffuser Angst durchtränkt und geprägt, kippen kann.

Was damals galt, gilt auch heute, stellt der Autor fest. „Aus Angst um die innere Sicherheit wird Hass. Aus Hass wird Gewalt.“ Die Parallelen mit den aktuellen Entwicklungen in Deutschland liegen auf der Hand: Rechtspopulistische Kräfte schüren Hass und Gewalt durch das Bedienen der Ängste. „Seit Angst als Rechtfertigung für Hass und Rassismus herangezogen wird, ist es schwer, neutral von ihr zu sprechen“, schreibt Malessa.

Kollektive Angst ist politisch ungefähr das, wovon physikalisch alle Ingenieure träumen: ein „self sustaining system“, eine Maschine, die ihre benötigte Energie selbst herstellt und sich zuführt.

„Kissen aus Trost und Nähe“

Die Menschen lebten mit dem Wunsch, „in ein dickes weiches Kissen zu stürzen“, wenn ihnen ein Unglück widerfahre. Die einen, Malessa nennt sie „‚Unfallopfer‘ des Lebens“, machten die Erfahrung, dass der religiöse Airbag nicht aufgehe. In seinem Buch verdeutlicht der Theologe anhand der biblischen Geschichte des Mose, warum bei anderen „ein Kissen aus Trost und Nähe“ den Lebenscrash abgefedert hat und sie durch Gottvertrauen und Gebete „vor Bitterkeit, Depression und körperlichem Krankwerden“ bewahrt wurden.

Malessa setzt den Ängsten kurzweilig und charmant das Programm Gottes und Worte Jesu als Serum entgegen. „In der Welt habt ihr Angst", sagt Jesus seinen Jüngern. „Aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden." Malessa schreibt dazu: „Jesus hat Welt und Angst überwunden. Nicht der Mensch, nicht die Jünger, die mit ihm zogen.“ Und weil Jesus „der Prototyp des Menschlichen an sich“ ist, sollen wir ihn zum Maß nehmen, ihn zum Vorbild haben.

In seinem Buch - eigentlich eine Predigt - wehrt Malessa tief- und hintergründig der Angst. Bildhaft, mit hervorragendem Stil und eingängigen Vergleichen und Beispielen überträgt Malessa in dem kompakten Buch kurzweilig Passagen des biblischen Mose-Berichts in die Gegenwart und stellt sie der Angst entgegen. Das Buch macht Mut und gibt Hoffnung - über die Ängste des Tages hinaus.

Andreas Malessa: „Einen Airbag für die Seele, bitte! Was tun gegen die Angst?“, 112 Seiten, Brunnen Verlag, 10 Euro, ISBN 9783765520983

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