Kritisch hinterfragen, wenn Politiker etwas von sich geben – das ist eine wichtige Aufgabe von Jorunalisten

Kritisch hinterfragen, wenn Politiker etwas von sich geben – das ist eine wichtige Aufgabe von Jorunalisten

Wir brauchen die mehr denn je!

Politiker von heute brauchen Journalisten nicht mehr – über Soziale Medien können sie ihre Botschaften direkter an ihr Publikum vermitteln. Meint CDU-Mann Friedrich Merz. Doch da irrt er: Gerade wegen der Sozialen Medien und ihrer ungefilterten Informationsflut braucht es gute Journalisten umso dringender. Ein Kommentar von Stefanie Ramsperger

„Wir brauchen die nicht mehr.“ Der CDU-Politiker Friedrich Merz hält die Berichterstattung etablierter Medien für überflüssig, wie er bei einer Veranstaltung am 21. Januar in Aachen sagte. Stattdessen empfahl er Politikern, Social-Media-Kanäle zu nutzen, um im eigenen Interesse die Deutungshoheit über die verbreiteten Themen zu behalten.

Merz leitet seine Aussage wohl von zwei Entwicklungen ab: Erstens, dass viele Nutzer immer häufiger auf Social-Media-Kanäle zurückgreifen, um sich zu unterhalten und zu informieren. Zweitens, dass es für etablierte Medien immer schwieriger wird, an ein bestimmtes Publikum „heranzukommen“, weil die Vielfalt an möglichen Informationsquellen groß – wenn auch nicht immer seriös – ist.

Genau das ist das Problem an der Aussage von Merz: In Zeiten von Fake News, Hate Speech, Vertrauensverlust in Institutionen und Pöbeleien im Netz sind seriöse Medien gerade NICHT überflüssig, wie Merz schlussfolgert, sondern wichtiger denn je.

In einer jüngsten Äußerung stellte Merz klar, dass er nicht die „Bedeutung einer freien Presse infrage gestellt“ wissen wollte, sondern dass er lediglich die Verbreitung von Nachrichten über Social-Media-Kanäle gemeint habe. Sollte er tatsächlich nicht meinen, dass der Berufsstand seriöser Journalisten überflüssig ist: Umso besser.

Denn die Medien stellen eine unabhängige Säule des Gemeinwesens dar und sind in einem demokratischen Rechtsstaat deswegen unverzichtbar. So einfach. Journalisten, die sich in ihren Einschätzungen und Methoden auf ein stabiles Wertegerüst stützen, sind unentbehrlich.

Ende der Journalistenausbildung seitens der Evangelischen Kirche ist ein Verlust

Umso bedrückender ist, dass die Evangelische Journalistenschule (EJS) in Berlin keine neuen Volontäre mehr ausbilden will, wie diese Woche bekannt wurde. Dies kommt einer Abwicklung der journalistischen Ausbildung vor Ort gleich. Sparzwänge beim Träger, dem Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik, werden als Gründe für die Überlegung genannt. Zur Ausbildung an der EJS gehörten Veranstaltungen zur christlichen Publizistik und immer wieder gemeinsames Nachdenken über ethische Fragen: Wie sollten Berichterstatter mit ihren Protagonisten umgehen? Welche Dinge müssen Journalisten veröffentlichen und welche nicht? Welche Auswirkungen hat das eigene Tun? Welche Konsequenzen ein veröffentlichter Beitrag?

Die EJS hat einen Beitrag dazu geleistet, dass heute Journalisten bei renommierten Medien arbeiten, die im Rahmen ihrer Ausbildung nicht nur ein Handwerk gelernt haben, sondern sich intensiv mit diesen ethischen Fragen auseinandergesetzt haben. Menschen, die eben nicht unhinterfragt alles, was ihnen gerade nützt, in die Welt pusten, sondern die verantwortungsvoll abwägen, um ihrer Rolle als sogenannter vierten Gewalt im demokratischen System gerecht zu werden.

Was es wirklich nicht braucht: im Journalismus tätige Menschen, die den Job nur machen, weil es gerade passte oder er vor der Haustür lag, die ihr Handwerk nicht richtig gelernt haben, kleine Relotiusse, die für den Ruhm alles tun und ethische Standards bedenkenlos über Bord werfen. Aber diejenigen, die ihren Job und die Funktion des Journalismus ernst nehmen, und die darüber hinaus noch ein ethisches Fundament mitbringen, wie die EJS es ihren Schülern vermittelt hat, die brauchen wir mehr denn je!

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