Präses Michael Diener kandidiert nicht für eine weitere Amtszeit beim Gnadauer Verband

Präses Michael Diener kandidiert nicht für eine weitere Amtszeit beim Gnadauer Verband

Ruhe, lärmende Pauken!

Ein Vögelchen zwitschert Neuigkeiten über Michael Diener und ein Teil der Christen dreht auf; und erweist all denjenigen, die Menschen zu Christus führen möchten, einen Bärendienst. Wohl dem, der ein dickes Fell hat und über so manche Lieblosigkeit hinwegsehen kann. Ein Kommentar von Stefanie Ramsperger

Michael Diener kandidiert nicht für eine dritte Amtszeit als Präses des Gnadauer Verbandes. In einem vertraulichen Schreiben hatte Diener Mitglieder des Verbandes vor deren Mitgliederversammlung vom 13. bis 15. Februar über seine Entscheidung informiert. Zu früh offenbar, denn seit Dienstag diskutieren weit mehr Christen darüber als beabsichtigt. Die Information hat ihren Weg aus dem nicht ganz so vertrauenswürdigen Empfängerkreis wie Diener wohl gehofft hatte gefunden, direkt hin zur Nachrichtenagentur idea, die es als ihre journalistische Aufgabe interpretierte, ihre Leser über den Sachverhalt zu informieren. Und die in einem weiteren Beitrag eine Einordnung des Geschehens anbietet, falls beim Leser Zweifel hinsichtlich der Deutung offengeblieben sein sollten.

Die Nachricht ist korrekt: Verantwortliche des pietistischen Spitzenverbandes bestätigten am Dienstag, dass Diener nicht für eine erneute Kandidatur zur Verfügung stehe. Weitere Kommentare will der Verband nicht vor der Mitgliederversammlung im Februar abgeben. Im Netz wird schon jetzt fleißig bilanziert, gemutmaßt und beleidigt. Die Person Michael Diener erhitzt die Gemüter.

Auch bei Konflikten: als Leib Christi zusammenhalten

Diener ist seit 2009 Präses von Gnadau, dem Dachverband regionaler Verbände und Werke, diakonischer Einrichtungen, Missionen und zur Gemeinschaftsbewegung zählenden Ausbildungsstätten. Der Verband gilt als größte Laienbewegung in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Seit fünf Jahren sitzt Michael Diener im Rat der EKD. Ungefähr so lange liegen auch seine größten Verwerfungen mit einigen konservativen Christen zurück. In zwei Interviews hatte Diener seinerzeit evangelikale Christen dazu ermuntert, in Fragen der Sexualethik selbstkritischer zu sein und sich aufgeschlossen mit den kirchlichen Entwicklungen zu dieser Thematik auseinanderzusetzen. Später hatte sich Diener bei denjenigen entschuldigt, die seine Sichtweise als unangemessene und verletzende Kritik verstanden haben. Er habe niemals einer „subjektivistischen oder die Wahrheit der Heiligen Schrift relativierenden“ Bibelauslegung das Wort geredet und es läge ihm fern, Menschen durch seine Äußerungen zu verunsichern oder zu enttäuschen. Auch seine klar positive Haltung zur Zuwanderungspolitik fand ihre Kritiker, um nur ein weiteres Beispiel zu nennen. „Wenn wir uns von Notleidenden abwenden, verhalten wir uns nicht dem Evangelium gemäß“, sind Sätze, die einige Fromme nicht gern auf aktives Engagement in der Seenotrettung angewendet hören möchten.

Schädlich: Mangelnde Liebe

Klare Aussagen sind Dieners Ding. Und klar ist, dass solche starken Sätze provozieren, Diskussionen anfachen und auch nicht gefallen müssen. Gegen sachliche Debatten ist nichts einzuwenden. Man darf auch Dieners vermittelnde Fähigkeiten mehr oder weniger schätzen, seinen theologischen Ansichten zustimmen oder auch nicht.

Problematisch wird es, wenn das Christentum als solches unglaubwürdig durch zur Schau gestellte Lieblosigkeit wird. Im Hohenlied der Liebe heißt es in der Bibel (1. Korinther 13): „Wenn ich in den Sprachen der Menschen und Engel redete, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich dröhnendes Erz oder eine lärmende Pauke.“ Zu viele Menschen, die von sich sagen, dass sie Christus folgen, klingen im Netz wie lärmende Pauken. Man fragt sich: Was ist deren Anliegen? Andere Menschen zu Christus zu führen oder einzelne „Brüder“ verbal niederzumetzeln? Letzteres ist kein Aushängeschild für den christlichen Glauben. Es ist peinlich, beschämend und gänzlich unchristlich.

Kein Mensch ist perfekt, jeder sagt mal ein falsches Wort, ist vielleicht vorschnell oder ungerecht, kurz: sündigt. Als Dauerzustand ist Netzhass unter Christen aber inakzeptabel. Christus mahnt uns dazu, liebevoll miteinander umzugehen. „Ertragt einander in Liebe und bemüht euch, die Einheit des Geistes zu wahren durch den Frieden, der euch zusammenhält“, heißt es im Epheserbrief, und weiter hinten: „Seid untereinander freundlich und herzlich und vergebt einander, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus.“ Oder im 1. Petrusbrief 4, 10: „Fördert euch gegenseitig, jeder mit der Gabe, die ihm Gott geschenkt hat.“ Die Liste gleichbedeutender Bibelworte ist lang und die Aussage eindeutig.

Wer Menschen für den Glauben gewinnen möchte, kann nur inständig hoffen, dass kein Interessierter abfällige Äußerungen im Netz liest, getippt von jenen, deren Profilbild ein frommer Spruch ziert. Denn wenn es das ist, was den Leib Christi ausmacht, dann ist es unattraktiv. Wenn Anspruch und Wirklichkeit so weit auseinanderklaffen, verwundert es nicht, wenn Menschen in Glaubenskrisen ihren Glauben verlieren, wenn Interessierte abgeschreckt werden und selbst Glaubensriesen Zweifel kommen. Kommentatoren und Plaudertaschen tragen Verantwortung! Vorgelebte Rücksichtslosigkeit, Hass und Eifersucht haben noch niemanden für den christlichen Glauben begeistert.

Michael Diener bleibt zukünftig ein liebevolles Umfeld zu wünschen, auch wenn er nach einjähriger Auszeit auf neuer Bühne tätig wird.

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