Der Theologe Jürgen Mette leitete viele Jahre die Stiftung Marburger Medien. 2013 veröffentlichte er das Buch „Alles außer Mikado – Leben trotz Parkinson“, das es auf die Spiegel-Bestsellerliste schaffte. Für pro schreibt er eine regelmäßige Kolumne.

Der Theologe Jürgen Mette leitete viele Jahre die Stiftung Marburger Medien. 2013 veröffentlichte er das Buch „Alles außer Mikado – Leben trotz Parkinson“, das es auf die Spiegel-Bestsellerliste schaffte. Für pro schreibt er eine regelmäßige Kolumne.

Ich bin ein Klimasünder!

pro-Kolumnist Jürgen Mette fährt einen SUV. Einen kleinen zwar, aber immerhin einen, um dessentwillen er aus klimatischen Gründen ein etwas schlechtes Gewissen hat. Trotzdem will er sich nicht dafür schämen.

Ja, ich bin ein Sünder, da gibt es nichts zu beschönigen. Wir sind alle Sünder (Römer 3,23), das ist theologisch lutherisch korrekt – und mittlerweile in weiterem Sinne auch allerorts im Geschreib und Gespräch: Steuersünder, Verkehrssünder, Umweltsünder. Ein sonst aus der Mode gekommener Begriff „Sünde“ – griechisch: „hamartia“, Zielverfehlung – erlebt eine nie für möglich gehaltene Auferstehung.

Aber neuerdings plagt mich auch die Frage, ob ich ein Klimasünder bin. Ist mein KIA Sportage ein SUV, solch eine spritfressende und C02 spuckende Dreckschleuder? Muss ich damit rechnen, dass – wie kürzlich auf der Automesse IAA in Frankfurt passiert – demnächst Umweltaktivisten auf dem Dach meines Vehikels Stepptanz machen und mir mein Haus mit bösen Graffiti verunzieren?

Als ich mich vor fünf Jahren gesundheitlich bedingt aus allen Ämtern zurückziehen musste, musste ich mich nach vielen Jahren des Komforts eines Dienstwagens um den Kauf eines Privatwagens kümmern. Der sollte aus denselben gesundheitlichen Gründen höher gelegt sein, über ein Automatikgetriebe verfügen, umweltfreundlich und sparsam sein. Von „SUV“ war damals keine Rede. Nach dem ernüchternden Besuch bei einem Volvo-Händler – mir schwebte der Volvo XC 60 vor – musste ich erkennen, dass meine 35 Dienstjahre in einer Non-Profit-Organisation mir rentenmäßig keinen Volvo erlauben würden. So kam ich etwas deprimiert zu einer koreanischen Autovertretung, wurde dort aber schnell fündig. Endlich ein fernöstliches Produkt, das nicht so japanisch aussah, gut ausgestattet mit umweltfreundlichem Dieselmotor, Allrad und Automatik. Ein Vierzylinder halt. Nur hat man mich nicht darauf aufmerksam gemacht, dass dieses Modell zur heute verhassten SUV-Klasse gehört. Der Kraftstoffverbrauch liegt zwar über dem, was in der Werbung versprochen wurde, ansonsten bin ich sehr zufrieden. Vier Jahre später habe ich durch meine Vortragsreisen 200.000 Kilometer ohne Panne absolviert.

Doch neuerdings soll ich mich schämen. Ich soll mich für etwas schämen, was die Autoindustrie und die Verkehrspolitik vergeigt haben.

Nein, ich schäme mich nicht! Ich werde mein Auto nicht verstecken, es nicht nachts zum Schutz vor hysterischen Klimaaktivisten in eine Plane einwickeln. Ich werde wieder einen SUV fahren, weil ich in niedrige Limousinen weder rein noch rauskomme. Also, Obacht mit der pauschalen SUV-Verteufelung!

Gas geben fürs Klima

Die Aufregung im Kanzleramt um das Klimapaket wirkt auf mich so, wie es Gerhard Polt sagen würde: „Meine Damen und Herren, wir stehen wieder vor schwierigen Zeiten, die sehr schwierig sind!“ Recht hat er. Und wenn die Spitzen aus der umweltbewegten Partei, die gerade ihr bisher erfolgreiches grünes Alleinstellungsmerkmal verliert, zum Beispiel an die auf einmal dunkelgrüne CSU, der Kanzlerin vorwirft, sie hätte 14 Jahre Zeit gehabt, für ein gutes Klima zu sorgen, dann zitiere ich noch einmal den Polt: „Wenn es überhaupt eine gute Idee gibt, dann die Idee der Skepsis gegenüber allen guten Ideen.“ Dieses Zitat fiel mir ein, als am Sonntagabend Verkehrsminister Andie Scheuer bei Anne Will erklärt hat, was er alles tut und plant, um die CO2-Emission runterzufahren. Ich wünsche der GroKo ein gutes Klima bei der Arbeit am Klimapaket.

Liebe CSU/CDU und SPD, ihr seid zum Regieren gewählt. Und ihr von der Automobilindustrie, ihr habt eure Kundschaft getäuscht und enttäuscht. Nun gebt mal richtig Gas, bevor Donald Trump auf Grönland Rasen mäht und die eisige Insel ihrem eigentlichen Namen „Grünland“ wieder gerecht wird, Bangladesch endgültig absäuft und auf Sylt die Villen höher gelegt werden!

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