Wenn ein Staat mit einer Religion eins wird, haben andere Weltanschauungen das Nachsehen

Wenn ein Staat mit einer Religion eins wird, haben andere Weltanschauungen das Nachsehen

Politik und Religion sollten nicht heiraten

Wenn der Staat eine Religion zu seinen Zwecken vereinnahmt, werden ihre eigentlichen Werte darunter leiden. Wenn alle Religionen die gleichen Rechte haben, fördert das den inneren Frieden einer Gesellschaft. Aber das funktioniert nur, wenn das auch die Bürger wollen. Ein Kommentar von Jonathan Steinert

Die ägyptische Ministerin für Einwanderung, Nabila Makram, will das Image ihres Landes verbessern. Es gebe nach wie vor Probleme, aber immerhin sei die Muslimbruderschaft nicht mehr an der Macht, die Ägypter hätten ihr Land zurück. „Das neue Ägypten ist für alle da: für Frauen, für Christen, für Muslime, für alle“, sagte sie gegenüber pro. Für die Minderheit der Christen im Land sei das die beste Ära. Das sehe man daran, wie die Regierung diese religiöse Minderheit behandele, dass zum Beispiel Präsident Abdel Fattah al-Sisi den koptischen Weihnachtsgottesdienst besucht habe. „Wobei wir in unserem Land gar nicht so zwischen Christen und Muslimen unterscheiden, wie das die westlichen Medien tun“, sagte sie weiter. „Wir haben ein neues Image in Ägypten, dass wir als ein Volk und vereint unsere Probleme und Herausforderungen angehen.“

Es überrascht wenig, dass ein Regierungsmitglied derart überschwänglich ein positives Bild von seinem Land vermitteln will. Zumal Makram selbst koptische Christin ist und wohl kaum sagen würde, dass die Regierung, der sie angehört, ihre Religion nicht ausreichend respektiere. Auf der 10. Weltkonferenz der internationalen multireligiösen Organisation „Religions for Peace“, auf der sie gesprochen hat, ist dieses Anliegen ein Grundtenor: Dass die Religionszugehörigkeit nicht mehr das Trennende zwischen den Menschen ist, sondern dass man sich über die Religionsgrenzen hinweg für gemeinsame Ziele einsetzt. Für das friedliche Zusammenleben, für diplomatische Konfliktlösungen, für gleiche Rechte, für einen gerechten Zugang zu Ressourcen.

Wo Muslime Kirchen beschützen

Der Erzbischof von Abuja in Nigeria, John Kardinal Onaiyekan, warnte beispielsweise davor, dass sich der Staat auf die Seite einer bestimmten Religion schlägt: „Wo immer Religion und Politik heiraten, wird Politik der Ehemann sein.“ Das ist wohl nur vor dem Hintergrund einer patriarchal geprägten Kultur richtig zu verstehen. Gemeint ist: Die Werte der Religion werden darunter leiden. Wenn sich ein Staat eine Religion als Staatsreligion aussucht, drohe ein religiös aufgeladener Nationalismus.

Es ist das eine, wenn es sich der Staat auf die Fahne geschrieben hat „für alle“ da zu sein. Doch das funktioniert letztlich nur, wenn auch die Menschen im Land dahinterstehen. Hierbei sind vor allem zivilgesellschaftliche Organisationen und auch religiöse Leiter gefragt. Wie wichtig das ist, zeigt sich vor allem dort, wo sich an der Religion gewaltsame Konflikte entzünden oder wo sie für politische und ideologische Ziele missbraucht wird.

Auf der Konferenz berichteten ein muslimischer und ein katholischer Delegierter von „Religions for Peace“ aus Myanmar davon, wie es in ihrem Land gelang, durch den Dialog zwischen verschiedenen religiösen und ethnischen Vertretern und mit Militär und Regierung bewaffnete Konflikte zu lösen. In Nigeria gibt es Initiativen, um Muslime und Christen, die jeweils etwa die Häfte der Bevölkerung ausmachen, miteinander ins Gespräch zu bringen; Muslime, die Kirchen während des Gottesdienstes bewachen, und Christen, die Moscheen beschützen. Davon berichteten Redner aus dem westafrikanischen Land. Die Regierung sei oftmals zu schwach, das Land zusammenzuhalten. Deshalb müssten Imame und Pastoren mit ihrem Einfluss in den Gemeinden dazu beitragen.

Um die Bedeutung darin zu erkennen, müssen nicht erst offene Konflikte ausbrechen. Das gilt in einer Zeit der Polarisierung auch für säkulare westliche Gesellschaften.

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