Die Bedeutung der religiösen Eidesformel sollte nicht überbewertet werden, meint Jürgen Mette

Die Bedeutung der religiösen Eidesformel sollte nicht überbewertet werden, meint Jürgen Mette

„So wahr mir Gott helfe!“

Politiker sollten an ihren Taten gemessen werden, nicht an einer religiösen Eidesformel, meint pro-Kolumnist Jürgen Mette.

Die christlichen Medien frohlocken über die Mitglieder der neuen Bundesregierung, die sich beim Amtseid mehrheitlich der religiösen Formel „so wahr mir Gott helfe“ bedient haben. Aber was heißt das?

Wollen Angela Merkel und 12 Mitglieder ihres neuen Kabinetts damit zum Ausdruck bringen, dass sie noch um eine Instanz über sich wissen? Ein Zeichen der Demut und des Angewiesenseins auf Gottes Segen und Schutz? Das wäre ein gutes Signal. Das jedenfalls wünsche ich allen Mitgliedern der Bundesregierung, ob sie sich nun bekenntnistreu oder bekenntnisscheu geben.

Die Minister Scholz, Barley und Schulze haben auf den Gottesbezug verzichtet. Sind das nun die Schmuddelkinder der Regierung? Angesichts der Euphorie christlicher Medien könnte solch ein Verdacht aufkommen.

Und so lautet der Eid: „Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. So wahr mir Gott helfe.“ Nach der Paulskirchenverfassung von 1848 sollte der Kaiser schwören, „das Reich und die Rechte des deutschen Volkes zu schirmen, die Reichsverfassung aufrecht zu erhalten und sie gewissenhaft zu vollziehen. So wahr mir Gott helfe.“ Die Weimarer Reichsverfassung enthielt keine religiöse Beteuerung; sie konnte aber hinzugefügt werden.

Und ausgerechnet die Humanisten und Atheisten monieren mit Verweis auf Matthäus Evangelium Kapitel 5,33, man solle überhaupt nicht schwören.

Der erste auf der Liste der Verweigerer des Gottesbezugs war vorzeiten auch ein Niedersachse, nämlich Gerhard Schröder. Im Nachhinein ist man ihm irgendwie dankbar für diesen Verzicht. Das ist stimmig. 1998 verzichteten die Minister Fischer, Trittin, Künast, Bulmahn, Zypries und Innenminister Otto Schily ebenfalls auf das „So wahr mir Gott helfe“. Sie haben sich nicht verbogen, nur um religiöse Erwartungen zu bedienen, die sie gar nicht leben. Trittin soll seine Entscheidung damals so begründet haben: „Ich brauche keinen Gott und Gott braucht mich nicht.“ Das ist konsequent.

Der emotionslose Hanseat und neue Finanzminister Olaf Scholz ist Mitglied der evangelischen Kirche, aber er verzichtet bei der Vereidigung auf den Gottesbezug. Ich sehe darin allerdings keinen Grund zur Klage. Mir reicht es, wenn er wenigstens einen so guten Job macht, wie sein Vorgänger Schäuble, der sich immer zu seinem Gottvertrauen bekannt hat.

Auf die Ergebnisse der Politik kommt es an

Ich freue mich für jeden Politiker, der sich bei seiner Vereidigung zum christlichen Glauben bekennt. Ich meine aber, Politiker sollten an ihren Taten gemessen werden, nicht an einer religiösen Eidesformel. Es soll auch Politiker geben, die ohne christliches Glaubensbekenntnis saubere politische Arbeit leisten. Mir ist ein Politiker lieber, der ohne Glaubensbekenntnis seiner Verantwortung nachkommt und dem Volk dient, als einer, der öffentlich frömmelt und nichts bewegt. Der schneidige Markus Söder hat ja als neuer bayerischer Ministerpräsident gleich eine Kreuzkampagne ausgerufen. Das Kreuz gehöre in alle Schulzimmer und Gerichtssäle. Das freut nicht nur die Schreinerinnung, aber viel bedeutsamer wird es sein, dass er die Ethik des Gekreuzigten zur Maxime seines Handelns macht.

Donald Trump übrigens wurde, mit der Hand auf gleich zwei Bibeln, mit einem „So help me God!“ vereidigt. Inzwischen hat er die meisten seiner engsten Mitarbeiter gefeuert. Sie waren alle mit „Gottes Hilfe“ angetreten.

Grund genug, noch einmal über den Sinn des Gottesbezugs in der Eidesformel unser Regierenden nachzudenken. Jesus hat in diesem Zusammenhang gesagt: „Eure Rede sei Ja oder Nein, alles andere ist bösartig!“

Von: Jürgen Mette

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