Gott hat seine Gemeinde durch den weisen, geduldigen und beziehungsorientierten Dienst der Frauen beschenkt, meint Jürgen Mette

Gott hat seine Gemeinde durch den weisen, geduldigen und beziehungsorientierten Dienst der Frauen beschenkt, meint Jürgen Mette

Frauen leiten - auch ohne Mandat

Frauen pfeifen auf Gremien, meint pro-Kolumnist Jürgen Mette. Sie brauchen kein Mandat, um zu leiten. Sie tun es einfach.

Seit 35 Jahren „sitze“ ich in von Männern dominierten Leitungsgremien evangelikaler Einrichtungen, Verbände und Stiftungen. Es verging kaum eine Vorstandswahl ohne die inzwischen obligatorische Frage, warum sich so gut wie keine Frauen für Führungsaufgaben finden lassen. Und wenn dann der Fotograf fürs Gruppenbild kam, dann spätestens wurde uns wieder bewusst, dass da irgendetwas nicht stimmt. Gruppenbild ohne Dame.

Vor 30 Jahren haben wir beraten, ob uns Männern nicht auch Frauen für Leitungsaufgaben dienlich (!) sein könnten. Seit 25 Jahren suchen wir nach solchen Frauen. Nein, nicht für die erste Reihe, mehr beratend, still im Hintergrund, eben für Frauenthemen, als Single für Singles, oder als erfahrene Mütter und Ehefrauen.

Seit 20 Jahren suchen wir ernstlich. Und siehe da, einige wenige ließen sich finden und berufen. Bärbel Wilde, Margarete Hühnerbein, Monika Deitenbeck-Goseberg, Elke Werner und Astrid Eichler, nur um einige zu nennen. Christina Brudereck zum Beispiel, eine begabte Autorin und Predigerin, ist keine Gremienfrau – und erst recht keine Quotenfrau. Sie spricht lieber, statt zu reden.

Frauen pfeifen auf Gremien

Stundenlang rum sitzen und Statuten beraten, zwischendurch zu dick belegte Brötchen verzehren und überzuckerte Obstsäfte verköstigen, Bilanzen und Budgets zur Kenntnis nehmen und per Akklamation beschließen, das scheint für viele Frauen kein verlockender Traumjob zu sein. So blieben Mitgliederversammlungen, Vorstandsgremien, Stiftungsorgane weithin frauenfreie Domänen der Herren und Brüder. Frei nach dem Motto: Des Lebens beste Kraft wird in der Sitzung weggerafft.

Die wenigen Frauen, die wir gewinnen konnten, blieben oft nicht lange, es sei denn, es handelte sich um delegierte Hauptamtliche oder Diakonissen. Frauen arbeiten lieber, bringen Menschen zusammen, führen hinter den Kulissen erfolgreich Regie über ihre mittelständischen Familienunternehmen. Frauen, die Kinder durch die Pubertät gebracht haben, sind auf eine ganz eigene Weise für Führungsaufgaben qualifiziert, aber sie pfeifen auf Gremien.

Eine Kirche ohne Frauen wäre eine arme Kirche

Warum schreien Frauen nicht dauernd „Hier bin ich!“? Vielleicht, weil sie Gremienarbeit langweilig finden, weil Bruder A zum fünften Mal anhebt, um das, was Bruder B schon längst gesagt hat, noch einmal mit Nachdruck zu vertiefen. Oder wenn Bruder Kleinlich penetrant auf die Differenz von 11 Cent im Etat hinweist. Oder wenn die Altherren über die Frage in Wallung geraten, wie sich in der Apokalypse des Johannes die Posaunengerichte zu den Siegelgerichten verhalten. In der Zeit haben Frau längst ein leckeres Nudelgericht gezaubert, die nervig lieben Kleinen zur Kinderstunde gebracht und dem Gatten mit den zwei linken Händen gezeigt, wie man ein Hochbeet zimmert.

Während fromme Männer des exklusiven Milieus noch diskutieren, was Frauen in der Gemeinde dürfen, ob sie denn predigen, lehren und leiten dürfen, derweil füllen die Frauen schon längst die Kirchen und Gemeindezentren mit Liebe, Kreativität und Duft. Es wäre eine arme Kirche, wenn sie allein den Männern überlassen bliebe. Seit Beginn der Kirche Jesu werden wir gesegnet durch den Dienst von Ordensfrauen, Nonnen, Diakonissen und Missionarinnen, Theologinnen, Pfarrerinnen und sogenannte „Laiinnen“. Allein dieser Begriff ist schon ein Verbalverbrechen. Wie reich hat Gott seine Gemeinde beschenkt durch den weisen, geduldigen und beziehungsorientierten Dienst der Frauen. Wie viel zwischenmenschlicher Schaden wäre abgewendet worden, wenn wir mehr auf die Frauen gehört hätten. Wenn Frauen bei Entscheidungen mit am Tisch sitzen, würde mancher Wortbeitrag eines Mannes auf geheimnisvolle Weise kultiviert, bevor er sein Gebiss verlässt.

Von: Jürgen Mette

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