König Charles III. verzichtet auf den Titel „Verteidiger des Glaubens“

Der britische König Charles III. nennt sich in einem offiziellen Dokument „Beschützer des Raums für den Glauben in einer multireligiösen Nation“. Er bricht damit mit einer jahrhundertealten Tradition und sorgt für Unmut.
Von Christian Biefel
King Charles III. wird am 6. Mai mit einem ganz besonderen Öl gekrönt

In einem jährlichen Rechenschaftsbericht des britischen Königshauses hat König Charles III. erstmalig auf seinen Königstitel „Defender of the Faith“ (Verteidiger des Glaubens) verzichtet. Stattdessen nennt er sich in dem Dokument „Beschützer des Raums für den Glauben in einer multireligiösen Nation“. Dafür erntete der König scharfe Kritik.

Trotz der Empörung ist allerdings unklar, ob die Namensänderung in dem Dokument überhaupt als offizielle Titeländerung gilt. Die ist durch das „Gesetz über königliche Titel von 1953“ geregelt. Daraus geht hervor, dass mithilfe einer „königlichen Proklamation“ eine Titeländerung durch den König selbst vollzogen werden könne, solange diese dem königlichen Rollenverständnis angemessen sei.

Ob der selbstgewählte Titel von Charles III. angemessen ist oder parlamentarische Beschlüsse notwendig sind, um eine Änderung zu rechtfertigen, bleibt offen. Eine Stellungnahme des Königshauses sowie öffentliche Parlamentsbeschlüsse gibt es noch nicht.

Nur das Parlament kann Titel abändern

In einem Interview 2015 mit der BBC gab Charles III. an, dass er sich auch als König nicht allein für eine Titeländerung entscheiden könne: Eine solche Abänderung des Titels könne nämlich nur das Parlament beschließen.

Der erste englische König, der den Titel „Verteidiger des Glaubens“ trug, war Heinrich VIII. im Jahr 1521. Ursprünglich wurde dieser Titel vom Papst verliehen. Doch nach dem Bruch zwischen dem Königshaus und der katholischen Kirche verlieh fortan das englische Parlament die Würde. Der Monarch gilt seitdem als Verteidiger des anglikanischen Glaubens und als das weltliche Oberhaupt der Kirche. Das bedeutet konkret: Bei der Verabschiedung kirchlicher Gesetze bedarf es der Zustimmung des Königs. Außerdem zählt die Ernennung von Bischöfen und Erzbischöfen sowie anderen Geistlichen Ordensträgern auch zu seinen Aufgabengebieten. Eine Tradition, die mittlerweile mehrere hundert Jahre Bestand hat.

Gedanke bei Charles III. nicht neu

Die Entscheidung von Charles III., mit dieser Tradition zu brechen, sorgte für Unmut. Unter anderem kritisierte der ehemalige Kaplan und Vertraute von Queen Elisabeth II., Gavin Ashenden, den König scharf. Laut ihm stecke eine antichristliche Ideologie dahinter. Im Interview mit dem britischen Radiosender „Premier“ sprach Ashenden auch davon, dass Charles III. damit den königlichen Eid gebrochen habe.

Für Kritiker wie Ashenden ist die Nachricht schockierend, doch nicht überraschend. Bereits 1994 sprach Charles öffentlich davon, seinen Titel in „Defender of Faith“ (Verteidiger von Glauben) umzuändern. Er wollte durch das Weglassen des Artikels „the“ nicht mehr nur ein exklusiver Verteidiger des christlichen Glaubens sein, sondern im Allgemeinen ein Verteidiger aller Religionen. Damals stieß der Prinz auf starke Kritik. Bei seiner Vereidigung als König im Jahr 2023 nahm er den herkömmlichen Titel an.

Charles Spiritueller Guru

Die Offenheit des Königs gegenüber anderen Religionen ist kein Geheimnis. Mehrmals äußerte er sich in der Vergangenheit auch positiv über den Islam. Der bereits verstorbene südafrikanische Schriftsteller Laurens van der Post galt zudem als spiritueller Mentor des damaligen Prinzen. Die „Los Angeles Times“ nannte ihn Charles‘ „Guru“.

Van der Post war ein großer Befürworter der Theorien des Psychologen Carl Gustav Jung. Dieser ging von einer religionsübergreifenden Spiritualität aus. Religion sei dabei ein Weg zur Entwicklung der eigenen Persönlichkeit. Er nannte diesen Prozess Individuation. Dabei fände der Mensch den Weg zu sich selbst und dadurch zum Göttlichen im Menschen – zu Gott. Die Art der Religion ist dabei nicht entscheidend.

Multireligiöses Verständnis von Queen Elisabeth II.

Die Mutter von König Charles III., Queen Elisabeth II., galt als gläubige Christin. Selbst zu dem Evangelisten Billy Graham soll sie ein freundschaftliches Verhältnis gehabt haben. Dennoch zeichnete sich auch in ihrer Amtszeit bereits eine multireligiöse Interpretation der Rolle der Kirche und somit auch ihres Titels ab.

In ihrer Jubiläumsansprache im Lambeth-Palast 2012 sprach sie ein – aus ihrer Sicht – Missverständnis der Kirche an. Die Aufgabe der Kirche sei demnach nicht, den Anglikanismus unter Ausschluss anderer Religionen zu verteidigen. Vielmehr solle der Schutz gewährleistet werden, damit alle Glaubensrichtungen frei ausgeübt werden können.

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