Kirchenvertreter ausgesperrt: Streit um Zugang zur Grabeskirche

Der höchste katholische Vertreter in Israel wurde am Palmsonntag daran gehindert, die Grabeskirche zu besuchen. Die Empörung ist groß, doch ist sie auch gerechtfertigt?
Von Martin Schlorke
Der katholische Kardinal Pierbattista Pizzaballa

Der höchste Vertreter der katholischen Kirche in Israel, Kardinal Pierbattista Pizzaballa, ist von der israelischen Polizei am Zugang zur Grabeskirche in Jerusalem gehindert worden. Demnach wollte der Italiener Pizzaballa dort die traditionelle Messe zum Palmsonntag feiern. Wie das Lateinische Patriarchat von Jerusalem mitteilte, sei er aber von israelischen Polizisten abgehalten und zur Umkehr aufgefordert worden. In einer Pressemitteilung heißt es, der Kardinal sei gemeinsam mit dem Kustos des Heiligen Landes, Pater Francesco, „privat und ohne jegliche Merkmale einer Prozession“ unterwegs gewesen. Erstmals seit Jahrhunderten habe die katholische Kirche im Heiligen Land deshalb nicht die Palmsonntagsmesse in der Grabeskirche feiern können.

Weiter heißt es: Die Zutrittsverweigerung „stellt eine offenkundig unvernünftige und grob unverhältnismäßige Maßnahme dar.“ Damit sei eine Abkehr von der Religionsfreiheit gegeben.

Im Laufe des Sonntags kritisierten auch deutsche Politiker die israelischen Behörden. CDU-Außenpolitiker Armin Laschet nannte das Vorgehen „inakzeptabel“. Dabei handele es sich um „reine Schikane, ohne jedes Gespür und ohne jeden Verstand“. Der Beauftragte der Bundesregierung für Religionsfreiheit, Thomas Rachel, sprach von einem „schwerwiegenden Vorfall“.

Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni kritisierte Israel ebenso. Ihr Außenministerium ließ den israelischen Botschafter einbestellen. Der amerikanische Botschafter in Israel, Mike Huckabee, nannte den Vorfall eine „unverständliche Überreaktion“.

Einschränkungen wegen Raketenbeschuss

Wegen des anhaltenden Krieges und des Raketenbeschusses gelten in Israel besondere Schutzmaßnahmen. Im ganzen Land sind Versammlungen mit mehr als 50 Menschen verboten. Zudem hat das Heimatfront-Kommando alle heiligen Stätten in der Altstadt von Jerusalem gesperrt. Das gilt auch für die Grabeskirche, die über keine standardisierten Schutzräume verfügt, wie die Polizei mitteilte. In der Altstadt sei außerdem der Zugang für Rettungskräfte im Falle eines Raketentreffers aufgrund der engen Gassen nur eingeschränkt möglich.

Zudem erklärte die Polizei, dass sie bereits am Vortag einen Antrag auf Ausnahmeregelung für die Palmsonntagsmesse abgelehnt habe. Vom Verbot ist auch die Klagemauer betroffen. Über eine Webcam ist der leere Platz vor der alten Tempelmauer zu sehen.

Nach der heftigen Kritik aus dem Ausland reagierte Israels Präsident Jizchak Herzog. Er habe mit Pizzaballa telefoniert und sein Bedauern über den Vorfall ausgedrückt und klargestellt, dass das Vorgehen ausschließlich auf Sicherheitsbedenken beruht. Israels Premier Benjamin Netanjahu betonte ebenfalls, dass es keine böse Absicht gab. Zudem teilte er auf X mit, dass er die Behörden angewiesen habe, dem Patriarchen zu ermöglichen, seine Messen abzuhalten.

Pizzaballa selbst äußerte sich am Sonntag zurückhaltend. Er kenne die Bestimmungen und wollte eine „kleine private Zeremonie“ abhalten. Mit der Polizei habe es keine Zwischenfälle gegeben – alles sei sehr respektvoll verlaufen.

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