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Kirchenpräsident Jung: Mehr Regulation im Internet

Schneller, kürzer, aktueller – Journalisten stehen in der Beschleunigungsgesellschaft unter hohem Druck. Kirchenpräsident Volker Jung fordert von Medienmachern und -nutzern mehr digitale Kompetenz. Von der Kirche wünscht er sich Mut zur Entschleunigung.
Von PRO
Die dritten Südwestdeutschen Medientage im pfälzischen Landau standen unter dem Motto "Tempo! – Journalismus in der Beschleunigungsgesellschaft"

Foto: pro/Deborah Müller

Die dritten Südwestdeutschen Medientage im pfälzischen Landau standen unter dem Motto “Tempo! – Journalismus in der Beschleunigungsgesellschaft”

Das hohe Tempo unserer Gesellschaft nimmt mit der Digitalisierung immer weiter zu und stellt neue Herausforderungen an die öffentliche Kommunikation. „Die technischen Möglichkeiten haben es viel leichter gemacht, Fehlinformationen zu verbreiten und damit Politik zu machen.“ Das hat der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung am Freitag im Rahmen der Südwestdeutschen Medientage in Landau erklärt. Gerade jetzt brauche es deshalb guten Qualitätsjournalismus mit ethischen Grundsätzen und eine stärkere Regulierung im Internet. Dazu müsse es im Netz Plattformen nach dem Vorbild des öffentlich-rechtlichen Rundfunks geben.

Online verschwimme die Trennung zwischen Medienmachern und Mediennutzern, Kommunikation im Netz sei inzwischen Teil des Ereignisses selbst. Dem Journalismus komme daher in Zukunft verstärkt die Aufgabe der Nachrichtenbewertung zu. Jung nimmt aber auch die Nutzer in die Pflicht: „Jeder muss etwas wie eine ihm gemäße, eigene Kommunikationsstrategie entwickeln.“ Dazu gehöre, Medien kritisch und konstruktiv zu nutzen. Für die Kirche seien Glaubwürdigkeit und Wahrhaftigkeit die leitenden Maßstäbe. Ziel solle nicht die mediale Präsenz sein, sondern der Dienst an den Menschen. „Wir müssen uns als Kirche dem Beschleunigungsdruck entziehen“, betont der „Medienbischof“ der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Tempo und Qualität kein Widerspruch

Um angemessen mit den Mechanismen der digitalen Kommunikation umzugehen, sei mehr Transparenz und Dialog mit den Nutzern nötig, meint Dominic Hebestreit, der beim SWR1 Rheinland-Pfalz für Multimediale Aktualität verantwortlich ist. Tempo und Qualität seien kein Widerspruch: „Im besten Fall ergänzen sie sich“.

Auch Ilja Tüchter, Vorsitzender des Deutschen Journalisten-Verbandes, fürchtet die Geschwindigkeit nicht. Vielmehr sorge er sich um die Veränderungen von Arbeitsprozessen und Lohnsystemen in der journalistischen Arbeit. Gute Recherche benötige Freiräume und einen finanziellen Rahmen: „Es braucht eine gesamtgesellschaftliche Vergewisserung, dass Qualitätsjournalismus kostet und kosten darf.“

Erinnerungsarbeit via Snapchat

Einigkeit bestand bei den Medientagen darüber, dass Medienmacher sich dem neuen Zeitempfinden und technischen Möglichkeiten weder entziehen können noch sollen. „Was wir brauchen, ist eine hohe Aufmerksamkeit und die Bereitschaft, den Wandel nicht nur geschehen zu lassen, sondern zu gestalten“, bekräftigte Volker Jung, der auch Aufsichtsratsvorsitzender des Gemeinschaftswerks der Evangelischen Publizistik (GEP) ist.

Wie das aussehen kann, zeigt ein Snapchat-Projekt 16 junger Nachwuchs-Journalisten der Axel Springer Akademie. Mit „sachor jetzt!“ („Erinnere dich jetzt!“) möchten sie Jugendliche zum Nachdenken über den Holocaust anregen. Dazu besuchen sie weltweit Zeitzeugen und erzählen deren Geschichte in Form von 10-Sekunden-Videos über den sozialen Dienst Snapchat. „Wir verbinden das ernsteste Thema mit der lustigsten App, um einen Beitrag gegen das Vergessen zu leisten“, erklärt Sebastian Gubernator. Für dieses Wagnis ist das Team bereits mit mehreren Preisen ausgezeichnet worden, darunter der European Digital Media Award und der Nannen Preis.

Die dritten Südwestdeutschen Medientage im pfälzischen Landau standen unter dem Motto „Tempo! – Journalismus in der Beschleunigungsgesellschaft”. Veranstaltet wurden sie von der Evangelischen Akademie der Pfalz in Zusammenarbeit mit dem Südwestrundfunk, dem Saarländischen Rundfunk, dem Deutschen Journalistenverband, der Universität des Saarlandes und dem Frank-Loeb-Institut der Universität Koblenz-Landau.

Von: Deborah Müller

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