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Kirchenkritiker gesucht!

Religion und Berlinale – das passt selten gut zusammen. Kirchenkritik und Berlinale schon eher, aber auch was das angeht, sind die Internationalen Festspiele mit ihren rund 400 Filmen in diesem Jahr eher rar ausgestattet. Schade! Ein Kommentar von Anna Lutz
Von Anna Lutz
Die Internationalen Filmfestspiele in Berlin gehen noch bis zum kommenden Sonntag

Foto: Peter Kreibich © Berlinale

Die Internationalen Filmfestspiele in Berlin gehen noch bis zum kommenden Sonntag

Noch 2015 liefen im Programm der Berlinale Dutzende Filme, die den Glauben zum Thema hatten. Da war etwa die Kritik an religiöser Erziehung im Film „Kreuzweg“, der sogar mit einem Bären ausgezeichnet wurde. Da war die Geschichte von vier Priestern in „El Club“, die, weil sie sich im kirchlichen Dienst schwere Verfehlungen geleistet hatten, in eine WG in der Provinz verbannt worden waren und sich dort mit ihren Sünden konfrontiert sahen. Und da war mit „I am Michael“ die Geschichte eines Homo-Aktivisten, der sich bekehrte und schließlich eine Frau heiratete.

2017 findet sich eigentlich nur ein Film im Programm, der sich direkt mit dem christlichen Glauben auseinandersetzt – und das ist ausgerechnet ein Teenagermusical über einen Emo-Rocker, der sich in eine Christin verliebt. Kein tiefgründiges Kino also, kein Hinterfragen frommer Milieus, keine bissige Satire über Katholiken, Protestanten oder freikirchliche Gruppen. Nun mag der ein oder andere sagen: Gut so! Endlich wird nicht wieder auf die Christen eingedroschen! Endlich Ruhe vor diesen kritischen Künstlern, die ohnehin alle linkspolitisch und religionsfeindlich sind!

Der Film, die moralische Anstalt

Ja, Religionskritik und Kirchenkritik kann fehlschlagen, sie kann die Falschen treffen und sie kann auch verletztend sein. Dennoch brauchen wir sie und gerade deshalb ist es ein Verlust, dass die Berlinale das Thema Glaube in diesem Jahr quasi ausklammert.

Der Kulturbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland, Johann Hinrich Claussen, sagte beim Berlinale-Empfang der Kirchen am vergangenen Sonntag, der Film sei „keine moralische Anstalt“. Das stimmt nicht. Natürlich ist der Film, ist die Kunst, ein Ort, an dem moralische Fragen gestellt werden, der die Spielräume der Ethik austariert und der jeden Zuschauer auf seine eigenen Ansichten zurückwirft und ihn diese hinterfragen lässt.

Vorurteile – na und?

Und so dürfen wir uns freuen, wenn Künstler von außen in die Kirchen blicken, Missstände und Seltsamkeiten entdecken und sie uns Christen in Bildern und Dialogen spiegeln. Das weitet den Blick auf das, was sich außerhalb der eigenen Subkultur abspielt. Selbstverständlich haben Christen es außerhalb ihrer Komfortzone auch mit Vorurteilen und Halbwissen zu tun. Doch was wäre, wenn wir diese Missverständnisse als Dialoggrundlage verwendeten, anstatt uns darüber zu ärgern?

Am 2. März läuft in Deutschland Martin Scorseses Film „Silence“ über Jesuitenmissionare in Japan an. In brutalen Bildern erzählt der bekannte Regisseur darin die Geschichte katholischer Konvertiten. Nicht jeder mag Gewalt im Film. Nicht jeder stimmt den Grundsätzen jesuitischer Mission zu. Und nicht jeder mag es, wenn der Glaube zum Hollywoodthema stilisiert wird. Und dennoch wäre das die Gelegenheit für ein Gespräch über das Christsein mit Ihrem Kinobegleiter. (pro)

Von: al

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