Das Emo-Leben ist nicht leicht. Erst recht nicht, wenn man sich in eine Christin verliebt.

Das Emo-Leben ist nicht leicht. Erst recht nicht, wenn man sich in eine Christin verliebt.

„Jesus wäre ein Emo gewesen”

Mit „Emo the Musical” zeigt die diesjährige Berlinale eine gesungene Romanze zwischen einer Christin und einem Emo-Rocker. Das Thema ist federleicht, die zugrunde liegende Kritik am Gruppenzwang in jugendlichen Subkulturen hingegen wiegt schwer. Eine Filmkritik von Anna Lutz

Mit der Religion ist es so eine Sache bei der Berlinale. In manchen Jahren spielt sie eine wichtige Rolle, in manchen Jahren kommt das Thema kaum vor. Die 67. Berlinale hat den Glauben zur Nebensache erklärt. Filme, die sich thematisch der Religion oder der Religionskritik widmen, laufen nicht im Wettbewerb und sind in den Nebenkategorien ebenfalls schwerlich zu finden. Ausgerechnet in einem Teeniefilm, noch dazu einem Musical, ist das Christliche 2017 die Hauptsache.

„Emo the Musical“ zeigt die hauptsächlich gesungene Liebesgeschichte zweier Protagonisten, die auf den ersten Blick nichts gemeinsam haben. Da ist einerseits Ethan (Benson Jack Anthony), der immer depressive Emo, der sich nicht nur die Haare schwarz färbt, sondern auch mit Lidschatten die Stelle an den Handgelenken markiert, die bei einem Suizidversuch verletzt werden würde. Und da ist Trinity (Jordan Hare), die gläubige Christin, die in der „Hope Band“ ihrer Jugendgruppe singt und einen derartigen missionarischen Drang verspürt, dass sie Mitschüler heimlich tauft, indem sie sie etwa in Simmingpools schubst.

Christen und Emos – völlig überzeichnet

Dennoch finden die beiden zueinander – eine Liebesgeschichte, die nicht sein soll, das fordern Ethans Emo-Musikerkollegen ebenso wie Trinitys Jugendgruppenleiter. Und so singen sich die beiden Teenager durch ihr Leid, durch Liebes- und Missverständnisse, um am Ende, wie sollte es anders sein, doch zusammenzufinden. Der Clou an Neil Triffetts Musikfilm ist keineswegs die leichtgängige Romanze. Tatsächlich ist sein Musical eine völlig überzeichnete Darstellung zweier Subkulturen mitsamt ihrer jeweiligen Eigen- und Verlogenheiten.

Denn weder bei den Emos noch bei den Christen ist die Welt heil. Ethan muss ebenso ins Korsett seiner Clique passen wie Trinity. Das beginnt bei der Kleidung und endet bei den Hobbys. Für die Emos verbietet sich der Sport, auch wenn sie ihn heimlich noch so sehr lieben. Für die Christen ist die sexuelle Enthaltsamkeit oberstes Gebot, und mögen da noch so viele Teenager-Hormone im Spiel sein. So dribbelt sich Ethans Bandkollegin heimlich durch ihre Basketballspiele und als Ursache der Schwangerschaft einer bekehrten Einwanderin wird die unbefleckten Empfängnis herangezogen. Jugendgruppenleiter Isaac (Jon Prasida) warnt Trinity an einer Stelle vor einem Treffen mit Ethan: „Im nächsten Moment hast du sieben Kinder!”

Elektroschocks gegen das Schwulsein

Dass die Kirchenkritik im Film überwiegt, zeigt das Liebesproblem eines schwulen Christen. Als die MItchristen spitz kriegen, dass sich der junge Mann in seinen Collegekollegen verguckt hat, schicken sie ihn zur Konversionstherapie inklusive Elektroschockbehandlung. Eine Hilfe ist ihm das freilich nicht, stattdessen bleibt er mit der Frage zurück, ob Jesus ihn denn nicht liebe.

Man mag das alles für abgedroschen, langweilig und einseitig halten, dennoch ist bemerkenswert, wie zuckersüß und luftigleicht Regisseur Triffett solch schwere Themen in einem 94-minütigen Jugendfilm verpackt. „Emo the Musical” wird an keiner Stelle wirklich ernst, indem er die Schwere mancher auch real existierender Probleme einfach wegmusiziert und den Zuschauer schlussendlich doch wieder schmunzeln lässt. Etwa wenn Trinity ihren Freund gegenüber einer Nonne verteidigt: „Jesus would have been an Emo/He felt the pain of all mankind/Emos do that all the time.” (Jesus wäre wohl ein Emo gewesen. Er fühlte den Schmerz der ganzen Menschheit. Emos tun das die ganze Zeit.) (pro)

Von: al

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