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Kirchenaustritte berühren die Substanz

Weil die Hoffnung auf Veränderung schwindet, treten immer mehr Aktive aus der katholischen Kirche aus. Der Religionssoziologe Gert Pickel rät den Kirchen, sich demokratisch-pluralistisch zu strukturieren.
Von Norbert Schäfer
Gert Pickel ist Professor für Religions- und Kirchensoziologie an der Universität Leipzig

Foto: Universität Leipzig

Der Religionssoziologe Gert Pickel hat in einem Interview mit der Welt den Kirchen geraten, „demokratisch-pluralistische Strukturen“ zu schaffen, um dem Mitgliederschwund entgegen zu treten

Mehr als 600.000 Kirchenmitglieder haben 2021 katholischer und evangelischer Kirche eine Absage erteilt und sind ausgetreten. Als einen schwerwiegenden Grund für die Flut der Kirchenaustritte hat der Religionssoziologe Gert Pickel in einem Interview mit der Tageszeitung Die Welt vom Mittwoch den erlittenen Vertrauensverlust der katholischen Kirche infolge der Missbrauchsskandale genannt. Dort wisse man offenbar nicht mehr, was noch getan werden könne.

Pickel hat aber auch Veränderungen bei den Motiven beobachtet, die zum Austritt aus der Katholischen Kirchen führen. Bislang hätten Kirchenmitglieder wegen „religiöser Gleichgültigkeit und Distanz zu Kirche und Glauben“ den Austritt vollzogen. Jetzt würden Gläubige ihrer Kirche den Rücken kehren, die „bisher zu den Stützen der Gemeinden zählten“. Diese Personengruppe habe „offenbar keine Hoffnung mehr“, dass sich in der Katholischen Kirche noch etwas zum Guten wenden könne.

Katholische Gruppen ohne Klerus denkbar

Wer als religiöser Mensch aus der Kirche ausgetreten sei, müsse überlegen, wie der Glaube anders gelebt werden könne, um soziale Bestätigung zu erhalten. Pickel hält es für denkbar, „dass sich katholische Gruppen bilden, die die Riten dieser Kirche pflegen, aber weder Papst noch Hierarchie haben“. Dies werde mit steigender Zahl der Kirchenaustritte immer wahrscheinlicher, sei aber bislang noch nicht absehbar.

Katholische und evangelische Kirche sieht der Religionssoziologe gleichermaßen in einer Art Zwickmühle. „Wird auf Reformen gesetzt, wenden sich Reformgegner ab, werden Reformen blockiert, wenden sich Reformbefürworter ab“, erklärte Pickel. Er rät den Kirchen, „ihr großes Potenzial an Freiwilligen“ stärker einzubinden, um den Mitgliederschwund zu bremsen. Die Kirchen müssten sich darauf einstellen, dass „die Quasi-Monopole der Volkskirchen“ langsam zu Ende gingen. Dem könne durch Kooperationen mit anderen Religionsgemeinschaften begegnet werden.

Der Religions- und Kirchensoziologe rät den Kirchen zudem, bei sich selbst „demokratisch-pluralistische Strukturen“ zu schaffen und sich dem „demokratischen Pluralismus“ nicht zu verschließen. Nur so könne Kirche weiter bestehen.

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5 Antworten

  1. Ich glaube, dass die Kirchen wieder zurück, zur biblischen Wahrheit finden müssen. Die großen Kirchen haben den “schmalen” Weg verlassen und haben “heidnische Elemente” (Marienkult, Zölibat, Heilige u.v.m) zugeführt und die evangelische Kirche, passt die biblische Wahrheit ständig dem Zeitgeist an. Dadurch verlieren die Kirchen ihre göttliche Authoriät und vor allem auch die Kraft.
    L.G. Martin

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  2. Es gibt nur ein Evangelium und das ist das Evangelium der Gnade Gottes, dass alle gerechtfertigt sind, die dem vollendeten Erlösungswerk seines Sohnes Jesus Christus glauben und ihr Leben dann danach ausrichten. Paulus warnt ausdrücklich vor der Predigt von Philosophie und leeren Trug nach der Menschenlehre, sondern will, dass allein Christus, der Gekreuzigte, verkündigt wird, den Griechen ein Ärgernis und den Juden eine Torheit, aber allen, die glauben Gottes Kraft zum ewigen Leben.
    Wenn dies nicht gepredigt wird, ist es nur recht und billig, dass sich die Mitglieder dann abmelden.
    Wer wieder neue Gemeindeglieder haben will und noch vorhandene behalten will, muss das alleinige Heil in Jesus Christus predigen und sich von der religiösen Vielfalt der Beliebigkeiten trennen.
    Von den ganzen “sogenannten Göttern” hat sich nur der lebendige Gott, JAHWE offenbart und seinen Sohn in die Welt gesandt zu unserer Erlösung. Alle andern können sich nicht offenbaren, weil sie Nichtse sind.

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  3. Ich bin Mitglied der Evangelischen Landeskirche, meine Devise lautet
    “Auftreten und nicht austreten”, aber wie lange noch???

    Preußentalar mit Bartschutz (Beffchen), in welchem Jahrhundert lebt denn die Kirche?
    Die Liturgie erinnert mich an das Abfragen in der Schule und wer will sich beherrschen lassen?

    Nicht jeder, der ein geistliches Amt ausübt, ist von Jesus Christus berufen.
    Manch einer wollte Medizin, Jura usw. studieren und hat keinen Studienplatz bekommen und dann Theologie studiert.
    Bei anderen war das Motiv, dass man als Pfarrer ja nicht einer Aufsicht und den Anforderungen wie in einem Wirtschaftsunternehmen unterliegt…
    Andere wollten ein sicheres Einkommen und nichts für ihre Altersvorsorge einzahlen.

    Wie viele Pfarrer glauben überhaupt an die wesentlichen Aussagen der Bibel?
    Es ist eben sehr bequem, den Glauben nur ein bisschen zu verwalten. Aber laue Christen wird Jesus aus Seinem Mund ausspucken (Offenbarung 3,14-22)

    Haben Sie sich mal über Mobbing in der Kirche Informiert?

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  4. A ja, der Religionssoziologe Gert Pickel will mir Katholiken also erklären,
    warum aktive Chrst*nnen aus der katholischen Kirche austreten.
    Ist also sein spezielles Forschungsfeld, zu untersuchen, warum Katholik*nnen sich raus machen aus der kath. Kirche….
    Ehrliche Frage von der Seitenlinie: Gehts noch Herr Professor? In deinem Laden sind so viele Atheist*nnen als Hauptamtliche unterwegs, so viele Heiden hatte die SED selbst zu ihren besten Zeiten nie gesehen.
    Und der Herr Professor will mir vertellen, dass so viele Aktive der kath. Kirche den Rücken kehren….
    Einfach nur bedeutsam lächerlich.

    Womit manche Herr ihre Monatseinnahmen einspielen ist schon erstaunlich.

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