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„Kirchen sind wichtige Verbündete im Kampf gegen Antisemitismus“

Der richtige Umgang mit antijüdischer Kirchenkunst, wie der Judensau an der Wittenberger Schlosskirche, wird seit Jahren sehr kontrovers diskutiert. Vertreter aus Politik, Kirche und Wissenschaft haben am Dienstag überlegt, wie mit diesem schwierigen Erbe umzugehen ist.
Von Martin Schlorke
Felix Klein

Foto: PRO/Martin Schlorke

Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, macht sich für eine enge Zusammenarbeit zwischen Kirche und jüdischer Gemeinde stark

Der Umgang mit antijüdischen Darstellungen und Schmähplastiken ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Das sagte der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, im Rahmen einer öffentlichen Podiumsdiskussion in Berlin. Das könne allerdings nur gelingen, „wenn wir uns unserer schmerzhaften Geschichte bewusst sind“. Erst dann könne verhindert werden, dass „sich Gleiches immerfort wiederholt“.

Judenfeindliche Darstellungen gibt es auch an und in Kirchengebäuden. Anstatt gerichtliche Lösungen anzustreben, plädierte Klein für einen engen Austausch zwischen Kirchen und der jüdischen Gemeinschaft, um eine Lösung im Umgang mit antijüdischen Skulpturen zu finden. In der Debatte gebe es kein richtig oder falsch. Ein Fehler sei es jedoch, sich der Debatte nicht zu stellen oder Dinge widerspruchslos stehen zu lassen. Dafür und im Kampf gegen Antisemitismus sei die Kirche ein „wichtiger Verbündeter“.

Mehr Selbstreflektion der Kirchen forderte der Antisemitismusbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Christian Staffa. Er machte sich für die Entwicklung einer anderen Bildsprache stark. Beispielsweise könne man den Jünger Judas Jesus aus Liebe und nicht aus Verrat küssen lassen. Eine andere Möglichkeit bestünde darin, die Abendmahlformel „in der Nacht, als er verraten wurde“ wegzulassen.

Theologische Lösung finden

Die Literaturwissenschaftlerin Yael Kupferberg betonte, dass die antijüdischen Bildnisse politische, gesellschaftliche und theologische Statements seien. Deswegen würde eine künstlerische Lösung zu kurz greifen. Gelöst werden könne die Herausforderung nur auf diesen Ebenen. Zudem greife das einfache Entfernen der entsprechenden Skulpturen zu kurz. Dies würde den trügerischen Eindruck vermitteln, dass das Problem aus der Welt sei. Aus dem Köpfen der Menschen könne Judenhass so aber nicht verschwinden.

Für eine Stilllegung von liturgisch genutzten Gegenständen mit antijüdischen oder nationalsozialistischen Darstellungen plädierte die Antisemitismusbeauftragte der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO), Marion Gardei. Als Beispiel nannte sie mit Hakenkreuzen verzierte Orgelpfeifen oder Kirchenglocken. Hilfreich für den Umgang mit solchen Gegenständen seien Strukturen und Gesetze, die Gemeinden vor Ort einbezögen.

Die Podiumsdiskussion war die Abschlussveranstaltung der interdisziplinären Fachtagung „Bilderverbot?! Zum Umgang mit antisemitischen Bildern und Schmähskulpturen an und in Kirchen“. Organisiert wurde die dreitägige Konferenz von der Bildungsarbeit im Zentralrat der Juden, dem Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ) und der Evangelischen Akademie zu Berlin.

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