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Kirche hilft, schweigt aber beim Thema Christenverfolgung

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) soll noch stärker auf das Schicksal verfolgter Christen hinweisen. Das hat der württembergische Synodale Friedemann Kuttler gefordert. Evangelikale könnten sich dagegen ein Vorbild an der EKD beim sozial-diakonischen Engagement nehmen.
Von Norbert Schäfer
Der württembergische Pfarrer Friedemann Kuttler sieht bei Evangelikalen und Pietisten Nachholbedarf im sozial-missionarischen Bereich

Foto: pro/Norbert Schäfer

Der württembergische Pfarrer Friedemann Kuttler sieht bei Evangelikalen und Pietisten Nachholbedarf im sozial-missionarischen Bereich

Der Synodale Friedemann Kuttler, Pfarrer der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, hat die knappen Ausführungen des EKD-Ratsvorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm zur Lage der verfolgten Christen weltweit bemängelt. Im schriftlichen Bericht des Rates komme dieses Thema zu kurz. „Wegen der Wichtigkeit des Themas und auch darum, weil es um viele Christen geht, die verfolgt werden, hätte es mehr sein müssen“, erklärte Kuttler am Sonntag gegenüber pro.

Unter dem Punkt „Religionsfreiheit und Einsatz für bedrängte Christen“ heißt es im schriftlichen Bericht des Rates an die Synode: „Zum 2. Sonntag der Passionszeit, Reminiszere, ruft die EKD ihre Gliedkirchen zur Fürbitte für bedrängte und verfolgte Christen auf. Die dazugehörige Publikation mit Gottesdienstmaterialien und Hintergrundinformationen nimmt jedes Jahr eine andere Region in den Fokus; das aktuelle Heft behandelt die Situation von Christinnen und Christen in Syrien. Die Nachfrage nach solchen Materialien für Gemeinden steigt ebenso wie das Interesse am Thema Religionsfreiheit insgesamt und dem damit verbundenen Engagement der EKD.“

Der Rat der EKD engagiere sich für die Belange verfolgter Glaubensgeschwister, bestätigte Kuttler. Seiner Ansicht nach müsse aus dem Bericht deutlicher hervorgehen, dass in vielen Ländern Christen massiv verfolgt würden. „Weil Deutschland mit manchen dieser Länder in teilweise engen wirtschaftlichen Beziehungen steht, ist es Aufgabe der EKD, sich für die Anliegen der Glaubensgeschwister in diesen Ländern bei der Bundesregierung massiv einzusetzen“, erklärte Kuttler. Auch müssten die Gemeinden und Synodalen viel stärker dafür sensibilisiert werden, dass sie für die Verfolgten beten sollen. „Als evangelische Kirche müssen wir für die verfolgten Christen weltweit einstehen!“, sagte Kuttler.

Evangelikale und Pietisten haben Nachholbedarf

Der Württemberger sieht bei Evangelikalen und Pietisten Nachholbedarf im sozial-missionarischen Bereich. Zum Engagement der EKD bei der Seenotrettung erklärte Kuttler, dass es gut sei, wenn die Finanzierung der Seenotrettung nicht aus Kirchensteuermitteln, sondern stattdessen durch Spenden erfolgen solle. Pietisten und Evangelikale sollten sich seiner Meinung nach jedoch an dem sozialen Engagement der EKD ein Beispiel nehmen und im Sinne August Hermann Franckes und Friedrich von Bodelschwinghs Glauben noch mehr im sozialen Bereich in die Tat umsetzen. Kuttler hat die Erwartung, dass sich die Synode in Dresden noch einmal intensiv mit den Zukunftsthemen der Kirche auseinandersetzt „und in eine Spur findet, die zu einer geistlichen Erneuerung führt“.

Die Ausführungen des Ratsvorsitzenden zum Thema Frieden haben Kuttler erstaunt. „Dass der Ratsvorsitzende in seinem Bericht das Dilemma zwischen militärischer Gewalt und Pazifismus so deutlich dargestellt hat und dabei militärische Gewalt als eine Art ‚Ultima Ratio‘ in den Blick nimmt, überrascht mich.“ Wenn Bedford-Strohm erkläre, dass sich die Friedensethik an der Realität messen lasse müsse, empfinde er dies als ungewohnte Töne innerhalb der EKD.

Von: Norbert Schäfer

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