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Käßmann: Verzicht auf Gottesformel in Amtseid „schade“

Dass Kanzler Olaf Scholz und andere Minister beim Amtseid auf die Gottesformel verzichtet haben, wertet die Theologin Margot Käßmann als schwindenden Einfluss der Kirchen. Diese seien jetzt besonders gefordert, sich in die Gesellschaft einzubringen.
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Die ehemalige EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann

Foto: Uwe Birnstein

Die Theologin und ehemalige EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann

Die evangelische Theologin Margot Käßmann findet es „schade“, dass Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und viele Minister der neuen Regierung bei ihrem Amtseid auf die Formel „So wahr mir Gott helfe“ verzichtet haben. „Denn wer sich auf Gott beruft, sieht sich ja in Verantwortung vor einer größeren Instanz“, schrieb die frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in der Bild am Sonntag. Andererseits sei es ein Zeichen für den schwindenden Einfluss der Kirchen: „Und der ist schlicht Realität.“

Dem Bundeskanzler und seinen Kabinettsmitgliedern ist es vom Grundgesetz freigestellt, ob sie den Amtseid mit religiöser Beteuerung leisten. Am 8. Dezember sprachen neun der 17 Kabinettsmitglieder den Eid mit den Worten „So wahr mir Gott helfe“. Die anderen, darunter Scholz, ließen den Satz weg.

Es sei gut, dass die Kirchen dem neuen Bundeskanzler gratuliert und Gottes Segen gewünscht haben, so Käßmann weiter. Gut sei auch, dass viele Gemeinden in Deutschland die neuen Verantwortlichen in ihre Fürbitte in den Gottesdiensten aufnehmen: „Menschen in der Politik, die sich christlich verankert wissen, dürfen gewiss sein, dass ihr Glaube und ihre Glaubensgemeinschaft sie tragen.“ Und wer sich nicht religiös gebunden fühle, „darf dennoch der Fürbitte der anderen gewiss sein.“

„Wir leben nicht mehr in einer Zeit, in der fast alle Deutschen Mitglied einer Kirche sind“, räumte Käßmann ein: „Der Koalitionsvertrag zeigt: Die Kirchen werden zwar gewürdigt, aber schlicht als Teil der Zivilgesellschaft.“ Daher seien die Kirchen jetzt gefordert, sich mit ihren Überzeugungen in die Gesellschaft einzubringen. „Denn als Christin bin ich überzeugt, dass unsere Grundüberzeugungen wertvoll sind für dieses Land“, erklärte die frühere hannoversche Landesbischöfin.

„Es geht um Nächstenliebe, die in Solidarität umgesetzt wird. Es geht um den Blick auf die Menschen am Rande und den Blick über den Tellerrand, den uns das Evangelium aufträgt“, so Käßmann weiter: Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung seien ein biblischer Auftrag.

epd
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5 Antworten

  1. Toll, die Kirchen müssen sich nicht an 2G oder 3G halten, es darf sogar gesungen werden. Aber die politisch Verantwortlichen verzichten auf die religiöse Formel. Schade…

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  2. Eigentlich geht es primär um die Erlösung, nicht um die Nächstenliebe. Gutes tun kann man in jeder Religion. “Denn aus Gnade seid ihr selig geworden […] Gottes Gabe ist es, nicht aus den Werken, auf dass sich nicht jemand rühme.” Das ist ganz simpel, das sollten sogar unsere Kirchenvertreter schaffen zu verkünden.
    Wozu sagt sonst der Engel: “Ich verkündige Euch große Freude.”? Weil wir gutes tun dürfen? Dürfen wir auch so. Nein, “Euch ist heute der Heiland geboren.” Das gibt es sonst in keiner “Religion”. Keiner kapiert mehr die ungeheure Tragweite dieser Aussage.
    Die Kirchen evangelisieren nicht mehr. Da ist es kein Wunder, dass ihr Einfluss schwindet.

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  3. Es ist schade, aber keine Überraschung und nur ehrlich, dass so viele Mitglieder der Bundesregierung bei ihrer Vereidigung die Formel “So wahr mir Gott helfe” weggelassen haben und damit offenbar auf Gottes Hilfe verzichten.
    Bemerkenswerter finde ich, dass z.B. ein Christian Linder, der offenbar keiner Kirche angehört, die Formel mitgesprochen hat.

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  4. Frau Käßmann bedauert, den sinkenden Einfluss der „Kirchen“- hier sollte sie besser sagen „der Einfluss von Kirchenleitungen geht zurück“. Sie selbst hat dazu beigetragen, als sie behauptete, dass JESUS nicht von der Jungfrau Maria geboren sei.
    Hinsichtlich des Islam haben alle Kirchenleiter (fast alle Mitglieder SPD) in den letzten Jahrzehnten diese dem jüdischen und christlichen Glauben äußerst feindlich gesonnene „Religion“ als „Geschwisterreligion“ bezeichnet. Regelmäßig wurden zum Ramadan Glück- und Segenswünsche (!) übermittelt oder Kronleuchter bei Moscheeeinweihungen geschenkt. Nikolaus Schneider nannte berechtigte Kritik am Islam „krank“. Bedford-Strom ließ sich sogar von Bajrambejamin Idriz, Imam der Penzberger Moscheegemeinde, in das Kuratorium des geplanten größten islamischen Missionszentrums berufen. In Jerusalem legte er beim Besuch des Tempelplatzes folgerichtig sein Bischofskreuz ab.
    Solche und viele andere Beispiele sind für treue Hirten ihrer Gemeinden, die noch GOTTES WORT verkündigen, ein Schlag ins Gesicht.
    Die Folge ist auch, dass z.B. in Norddeutschland kaum noch das Evangelium verkündigt wird. Auf allen Ebenen der Gemeindearbeit stehen zunehmend „Klimaschutz/Klimahysterie“, Umweltschutz, gesunde Lebensweise, Anerkennung homosexueller Gemeinschaften (auch von Pastoren), Feminismus, Gender und andere Themen auf dem Programm, die doch genugsam von LINKS-GRÜN beackert werden.

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