Käßmann kritisiert Friedensdenkschrift der evangelischen Kirche

Die Theologin Margot Käßmann bleibt auch vor dem Hintergrund des russischen Angriffskriegs bei ihrer pazifistischen Grundhaltung. Über die neue Friedensdenkschrift ihrer Kirche ist sie „enttäuscht“.
Margot Käßmann war Gast bei einer Tagung der SPD-Bundestagsfraktion

Die frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Margot Käßmann, hat die neue Friedensdenkschrift ihrer Kirche kritisiert. Für sie sei damit „eine große Chance verpasst“ worden, „in Zeiten massiver Aufrüstung glasklar für Abrüstung zu plädieren“, schreibt Käßmann in einem am Mittwoch veröffentlichten Gastbeitrag des Mitgliedermagazins der „Deutschen Friedensgesellschaft“ mit Sitz in Stuttgart.

Die ehemalige hannoversche Bischöfin schreibt in dem Beitrag, sie sei „enttäuscht“ von dem Grundsatzpapier, das die EKD im November veröffentlicht hatte. Nach der kontroversen Debatte innerhalb der evangelischen Kirche über Waffenlieferungen an die von Russland angegriffene Ukraine wurde die alte Friedensdenkschrift der EKD überarbeitet. Das neue Papier rechtfertigt den Einsatz militärischer Gewalt, indem es dem Schutz vor Gewalt Priorität einräumt. Verständnis äußert das Papier auch für die aktuellen Aufrüstungsbemühungen, die Wehrpflicht und die Abschreckung mit Atomwaffen.

Keine Ermutigung für Friedensbewegung

Käßmann, die sich bereits in der Vergangenheit kritisch über jegliche Form von Aufrüstung und Waffenlieferungen geäußert hatte, schreibt in ihrem Beitrag, als Ermutigung der Friedensbewegung lasse sich die Denkschrift „nicht wirklich lesen“. Sie bezeichnet dies als „traurig“. „Gerade in diesen Zeiten könnte die evangelische Kirche eine starke, klare Stimme für den Frieden und den Abbau von Feindbildern sein, wie sie es in den 80er-Jahren in Deutschland Ost und West war“, schreibt Käßmann, die bis 2010 Bischöfin in Hannover und EKD-Ratsvorsitzende war.

Konkret kritisiert sie in dem Beitrag unter anderem eine Passage, wonach aus ethischer wie völkerrechtlicher Perspektive sogar „eine präventive militärische Reaktion gerechtfertigt sein“ könne. „Das öffnet meines Erachtens Willkür Tür und Tor“, schreibt die Theologin.

epd
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