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Jugendfilm „Mission Ulja Funk“: Kirche skurril

Ein neunmalkluges Mädchen, eine Freikirche als Horror-Kabinett, skurrile Personen in 80er-Jahre-Kleidern, ein Huhn und ein Leichenwagen. Das sind die Zutaten für den Film „Mission Ulja Funk“. Am 12. Januar kommt er in die deutschen Kinos.
Von Jörn Schumacher
Stellen im Berlinale-Film „Mission Ulja Funk“ Mitglieder einer bekloppten Freikirche dar: Hildegard Schroedter (li.) und Romy Lou Janinhoff (re.)

Foto: Ricardo Vaz Palma

Stellen im Film „Mission Ulja Funk“ Mitglieder einer bekloppten Freikirche dar: Hildegard Schroedter (links) und Romy Lou Janinhoff (rechts)

„Freikirche Lemheim, mitten in Deutschland.“ Damit beginnt der Spielfilm „Mission Ulja Funk“, der 2021 auf der Berlinale lief und jetzt in die deutschen Kinos kommt. Beziehungsweise eigentlich beginnt der Film damit, dass eine Kirche von einem Meteoriten zerstört wird. Das hat zwar nichts mit dem weiteren Erzählverlauf zu tun, aber damit ist zumindest schon einmal geklärt, welche Rolle die Kirche in diesem Film spielt.

Zu sehen bekommt man eine Christengemeinde, die mit „skurril“ noch milde beschrieben ist. Der gezeigte Kindergottesdienst gleicht eher einer Talent-Show, bei der auf der Bühne jeder machen kann, was er will – ob Zauberkunststücke, Gesang oder Ballett. Die Mitglieder hassen, schlagen und übervorteilen sich. Der Pastor stiehlt aus der Gemeindekasse. Auch wenn dieser ja zwar eigentlich Pastor einer Freikirche sein soll, hinderte dies die Filmemacherin Barbara Kronenberg nicht daran, ihm eine Marienstatue auf den Schreibtisch zu stellen. Die Frömmste der Gemeinde, die permanent streng ermahnt und die Hände über dem Kopf zusammenschlägt, ist die Oma der zwölfjährigen Ulja. Ihr gehört das Haus der Familie, und sie erpresst ihre Enkelin. Hier musste eventuell jemand viel persönlichen Frust gegenüber Kirche oder Freikirchen verarbeiten.

Bach-Pop-Musik

Der Film von Barbara Kronenberg will eine Mischung aus „Little Miss Sunshine“ und „Die Royal Tenenbaums“ sein, permanent dudelt Bach als Popmusik im Hintergrund, alle Personen haben Kleidung aus den 80er Jahren, es geht um einen Chor-Wettbewerb, zu dem die Personen in einem alten Kleinbus durch Polen fahren, immer wieder tauchen (Achtung, lustig!) ein Huhn auf, ein Leichenwagen und viele Wollmützen. Nur leider erreicht Kronenberg nicht einmal entfernt den Stil des amerikanischen Regisseurs Wes Anderson oder die Herzlichkeit des Road Movies von 2006.

Inhaltlich verbindet die Regisseurin allerlei Vorurteile gegenüber Freikirchen mit Kinderwünschen wie: einmal schlauer als die Eltern sein, Autofahren, ins Ausland abhauen. Die aufgeweckte Ulja ist sehr an Wissenschaft interessiert, sie hat herausgefunden, dass die Bibel „unlogisch“ ist (geht aber weiterhin in die Gemeinde), und steckt mit diesem Wissen sogar andere Kinder in der Kirche an. „Für die Wissenschaft ist hier kein Platz“, klagt sie über ihre Freikirche. Außerdem: Frauen dürfen hier auf keinen Fall schlauer sein als ihre Männer.

Ulja entdeckt einen Meteoriten. Anders als in der Realität ist das im Film eine Sensation für die Wissenschaft. Ein russischer Wissenschaftler lobt die „Forschungsarbeit“ von Ulja, und dass natürlich sowohl die ESA als auch die NASA beeindruckt sein werden. Na gut, ein Kinderfilm, da geht es nicht um wissenschaftliche Korrektheit. Seltsam nur, dass diese realitätsfremde Darstellung von Wissenschaft der schrägen Kirchengemeinde im Film widerspricht.

Ulja macht sich mit einem Klassenkameraden auf den Weg nach Weißrussland, um sich dem Aufprall des Meteoriten anzusehen. Da es sich um einen Kinderfilm handelt, darf nicht nur die strenge Oma mal wie eine Verbrecherin festgenommen, durchsucht und eingesperrt werden, sondern Kinder dürfen auch Autofahren. Die Gemeindemitglieder fahren den beiden hinterher. Dabei giften sie sich alle permanent untereinander an. Am Ende fahren alle erschöpft wieder nach Hause.

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18 Antworten

  1. Liebes Pro Team,
    Warum muss offensichtlichen Blödsinn hier noch eine Plattform gegeben werden?

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    1. Hallo Matze, ein Magazin hilft ja immer dabei zu erfahren, was in der Welt so los ist. Ich lese jedenfalls gerne Zeitung, um mitzubekommen, was passiert. Und wenn so ein Film wie hier ein christliches Thema behandelt (hier wird eine deutsche freikirchliche Gemeinde persifliert) und der Film auf der Berlinale einem internationalen Publikum gezeigt wird und an einem Wettbewerb teilnimmt und er nun auch im Kino läuft, wo er theroetisch Millionen Menschen erreicht, ist das in meinen Augen ein gesellschaftliches Thema. Und ein Thema für ein christliches Medienmagazin.

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  2. Sehr traurig.
    Andererseits aber auch wieder beruhigend, dass man „diesen Christen“ nur durch Verzerrung, Entstellung und Verdrehung der Tatsachen beikommen möchte. Letztendlich also durch Diffamierung und Lüge.
    Mit diesen Methoden haben sich allerdings die Christenhasser selbst am deutlichsten entlarvt …

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  3. Ich finde es schlimm und zeitraubend, dass man sich mit einem solchen Mist hier noch beschäftigen muss oder kann. Haben wir nicht bessere Themen mit mehr Tiefgang anstatt diesen „Stuss“?

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    1. @Eckard
      Es wird mW niemand gezwungen, alle PRO Artikel zu lesen. Oder sie zu kommentieren. Es liegt in Ihrer Hand, womit Sie sich befassen wollen.

      Zum Artikel:
      Ich kann nicht verstehen, weshalb man die erwähnten Themen des Films als skurril bezeichnet oder lächerlich macht. Sowohl die beschriebene Wissenschaftsfeindlichkeit als auch die Misogynie und Heuchelei sind ganz real Bestandteile vieler fundamentalistischer Freikirchen. Man immunisiert sich zwar dagegen mit einem „böse Welt – heile Christengemeinschaft“-Dualismus, aber dieser entspricht weder der Realität noch ist er gesund.
      Auch ist es in diesem Milieu nicht unüblich, dass gerade junge Leute, die feststellen, dass die Bibel unlogisch ist, auf Gegenwind stoßen (sie gelten dann als „vom rechten Weg abgekommen“). Ich weiß nicht Recht, was die Bemerkung zu bedeuten hat, dass das Mädchen weiterhin in die Gemeinde geht, trotz ihrer Erkenntnisse. Es ist für viele junge Leute, die in Freikirchen aufgewachsen sind, nicht leicht, die Gemeinde zu verlassen, da sie meist dadurch ihre gesamtes soziales Netz, Familie/ Freundeskreis, verlieren würden.

      Mich wundern die empfindlichen Aufschreie bestimmter Kommentatoren zum Artikel hier nicht, treffen die sogenannten „Klischees“ doch genau die wunden Punkte des eigenen Weltverständnisses.
      Komödien sind im Übrigen meistens überzogene Darstellungen, das macht sie ja aus. Aber dahinter stecken eben oft ein oder mehrere Körnchen Wahrheit. Und ja, vielleicht musste hier tatsächlich jemand seinen Frust verarbeiten, was ist daran so verwerflich oder ins Lächerliche zu ziehen?

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      1. @Kaja: Ich habe genau das Gegenteil erlebt: Dass ich die Evolutionstherorie unlogisch finde und in der Schule Gegenwind bekam; dass ich als Akademiker von der Logik der Bibel begeistert war und im Theologiestudium Gegenwind bekam usw. Trotzdem würde ich nicht meinen Lehrern und Professoren Diebstahl und böse Absichten unterstellen. Und wenn ich meinem Frust in einem Film verarbeiten wollte (was meistens zu Gegenfrust führt), würde ich auch zeigen, dass es auch andere Lehrer/Professoren gibt, die meinen negativen Erfahrungen nicht entsprechen.

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        1. @Manni
          Das sei Ihnen unbenommen. Und wenn Sie gerne so einen Film produzieren möchten: frohes Schaffen!

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      2. Hallo Kaja,
        ich hatte damals einen Kommentar geschrieben, als auf der Berlinale auffallend viele Filme christliche Gemeinden darstellten – und das fast ausschließlich verzerrend, ja, bösartig, oder zumindest skurril.
        https://www.pro-medienmagazin.de/berlinale-freikirchen-im-film/
        Natürlich kann man in diesern filmischenDarstellungen auch das „Körnchen Wahrheit“ suchen und sich fragen, warum freikirchliche Christen so abstoßend dargestellt werden. Das hab ich in dem Text auch ein wenig getan. Aber in meiner Rezension zu „Mission Ulja Funk“ stelle ich ja auch Punkte dar, die ganz offensichtlich seltsam verzerrt dargestellt werden und mit der Realität freikirchlicher Gemeinden eigentlich nicht mehr viel zu tun haben können.

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        1. @Jörn Schumacher
          Danke für die Rückmeldung.
          Meine sehr reale Erfahrung mit Freikirchen und die Biographien zahlreicher ehemaliger Freikirchler sowie die Kommentare von Freikirchlern hier bei PRO (auch ganz real), geben mir, wie ich es hier geschildert habe, Verständnis dafür, dass solche Bilder von Freikirchen gezeichnet werden.
          Natürlich ist das bitter für alle Freikirchen, die dem nicht entsprechen.
          Allerdings haben sich ja gerade hier in den Kommentaren gerade jene Personen so echauffiert und sich verleumdet gefühlt, die mit ihren Äußerungen immer wieder besagtes negatives Bild auf Freikirchler bestätigen und dem schlechten Image damit jedesmal Futter liefern.

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  4. Die Strategie dahinter ist ja die, man zerrt die „schrägen Vögel“ und die Auswüchse einer religiösen Bewegung ins Rampenlicht, impliziert, dass dies die Normalität dieser Kreise ist und diskreditiert somit eine ganze Bewegung. Man arbeitet mit Halbwahrheiten und Überspitzungen und bekommt so die gewünschte Reaktion. Eine Abscheu gegen alles christlich, religiöse, besonders außerhalb der Volkskirchen.
    Dies betreibt man über sogenannte Dokumentationen sein oder wie hier über fiktive Geschichten.
    Ziel ist es, die Leute vom Glauben abzubringen bzw. zu „bewahren“.
    Nun hat der Jesus-Glauben schon immer Wiederstände hervorgerufen und der Sektenvorwurf war schon immer eine Waffe gegen freikirchliche Umtriebe, aber was wir seid wenigen Jahren erleben ist ein regelrechter Feldzug der Medien gegen das Evangelium !
    Jetzt könnte man sagen, selber schuld, es finden ja tatsächlich seltsame Dinge statt, ja richtig, man täte gut daran, soweit möglich korrigierend einzuwirken.
    Tatsache ist aber, unsere Gesellschaft hat sich in wenigen Jahrzehnten abgekoppelt vom Glauben, bekennende Christen sind zu Aliens geworden.
    Daran wird sich vermutlich nicht mehr viel ändern, die Christen sollten aber ihren Glauben authentisch und „gesund“ leben, alternative Medien wie Bibel-TV fördern und auf die Kraft des Evangeliums hoffen !

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  5. Vielleicht sollten diejenigen, die sich immer wieder verleumdet, falsch dargestellt und absichtsvoll verunglimpft finden – und dabei die finsteren Mächte einer anti-christlichen Welt am Werke wähnen, einfach einmal einen Schritt zurücktreten und sich vergegenwärtigen, was denn ein religiös unmusikalischer Komödiant auf Spurensuche findet, wenn er:
    in die Kommentarteile von PRO, die Facebookseiten von PRO und/oder IDEA, einen Internet-Gottesdienst aus Oberursel oder Pforzheim (Kenner wissen, wer dort am Werke ist), bei „Christen im Widerstand“ und…. und…. und …
    hinein oder vorbei schaut. Da braucht man keine Skurrilitäten mehr zu erfinden, die springen einen regelrecht an, in Pforzheim und Oberursel ist sogar der „Look“ so klischeehaft, dass man das als filmische Erfindung glatt für übertrieben halten könnte. Von den Themen die dort gesetzt werden (Homophobie, Misogynie, Corona-Verharmlosung, Verschwörungsnarrative etc. pp) ganz zu schweigen.
    Aber in der Tat: mit der Realität der allermeisten Freikirchen hat das ganz wenig zu tun. Aber diejenigen, die das Zerrbild willfährig anbieten, drängen sich eben – entgegen ihrer tatsächlichen Bedeutung – ungemein in den Vordergrund… kann man ja hier im Kommentarteil ständig beobachten.
    MfG Carvalho

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    1. Den „Look“ kenne ich beispielsweise ganz real aus Freikirchen von Russlanddeutschen oder einem pietistischen Zentrum in Baden-Württemberg (dort dürfen bis heute Frauen nur Röcke tragen und es ist alles ungemein verklemmt zwischen den Geschlechtern). Auch von ehemaligen Mitgliedern mehrerer Brüdergemeinden ist mir der Look (Frauen mit Kopftüchlein und Röcken) als Gemeinde-Dresscode geschildert worden.
      Und in einer mir bekannten neu gegründeten kreationischtischen Brüdergemeinde setzt man, wie es im fundamentalistisch-freikirchlichen Milieu häufig Usus ist, bewusst auf ältlich anmutende Schriften bei Handzettel-Layouts, was ich wirklich skurril finde.

      Freilich sind mir auch andere Freikirchen bekannt, die sowohl äußerlich als auch von ihrer Herzenshaltung frei und offen, nicht fundamentalistisch und bis zu einem gewissen Punkt auch wissenschaftsfreundlich sind, aber man kommt in der Tat bei einer Reise durch das freikirchliche Milieu nicht umhin, die im Film gezeigten Merkmale deutlich wahrzunehmen.

      Und, ja, wenn man hier die Kommentare liest oder auf Facebook, zumal bei IDEA, kann man schwer glauben, dass es auch Menschen aus frei-Kirchen gibt, die nicht homophob, misogyn, wissenschaftsfeindlich und verschwörungsaffin sind.

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      1. Anstatt über die herzuziehen und zu richten, die Ihrem Verständnis eines modernen „Look“ nicht entsprechen, sollten Sie Buße tun hinsichtlich Ihres Richtgeistes. Und nicht Anderen Buße predigen und selbst verwerflich sein.

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  6. „Aber diejenigen, die das Zerrbild willfährig anbieten, drängen sich eben – entgegen ihrer tatsächlichen Bedeutung – ungemein in den Vordergrund…“ Und wer gibt Ihnen das Recht, Deutungshoheit zu beanspruchen?? Sehen Sie, so definieren Sie Toleranz.. Der Toleranzanspruch der Toleranzlosen…

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  7. Joh 15, 18.19 zeigt mir und Anderen hier immer wieder, dass wir genau auf dem richtigen Weg sind.

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    1. @Eckard
      Diese Verse kann ich für mich genauso in Anspruch nehmen. Ich erfahre hier u.a. von Ihnen regelmäßig Gehässigkeit, respektlose Bewertungen und unbegründete Unterstellungen wegen meines Glaubens. Und es gibt viele, die meine Kommentare, in denen ich für die frohe Botschaft Jesu von Nazareth einstehe und mich als Jesusnachfolgerin oute, disliken.
      Und dabei bin ja nach Ihrem Urteil von neulich eine von jenen, die Sie, den wahren Christen, hasst und auch Kritik an manchen Eigenschaften von Freikirchen äußert, wie die Filmemacher.
      Was sagen Sie dazu?

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Kommentare sind geschlossen.

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