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Jugendfilm „Mission Ulja Funk“: Kirche skurril

Ein neunmalkluges Mädchen, eine Freikirche als Horror-Kabinett aus eigensüchtigen Idioten, skurrile Personen in Kleidern aus den 80er Jahren, ein Huhn und ein Leichenwagen. Das sind die Zutaten für den polnisch-deutschen Beitrag „Mission Ulja Funk“, der in der Kinder- und Jugend-Sektion der Berlinale läuft.
Von PRO
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Stellen im Berlinale-Film „Mission Ulja Funk“ Mitglieder einer bekloppten Freikirche dar: Hildegard Schroedter (li.) und Romy Lou Janinhoff (re.)
Stellen im Berlinale-Film „Mission Ulja Funk“ Mitglieder einer bekloppten Freikirche dar: Hildegard Schroedter (li.) und Romy Lou Janinhoff (re.)

„Freikirche Lemheim, mitten in Deutschland.“ Damit beginnt der Spielfilm „Mission Ulja Funk“, der in der Sektion „Generation Kplus“ auf der Berlinale läuft. Beziehungsweise eigentlich beginnt der Film damit, dass eine Kirche von einem Meteoriten zerstört wird. Das hat zwar nichts mit dem weiteren Erzählverlauf zu tun, aber damit ist zumindest schon einmal geklärt, welche Rolle die Kirche in diesem Film spielt.

Zu sehen bekommt man eine Christengemeinde, die mit „skurril“ noch milde beschrieben ist. Der gezeigte Kindergottesdienst gleicht eher einer Talent-Show, bei der auf der Bühne jeder machen kann, was er will – ob Zauberkunststücke, Gesang oder Ballett. Die Mitglieder hassen sich, schlagen sich, übervorteilen sich. Der Pastor stiehlt aus der Gemeindekasse. Auch wenn dieser ja zwar eigentlich Pastor einer Freikirche sein soll, hinderte dies die Filmemacherin Barbara Kronenberg nicht daran, ihm eine Marienstatue auf den Schreibtisch zu stellen. Die Frömmste der Gemeinde, die permanent streng ermahnt und die Hände über dem Kopf zusammenschlägt, ist die Oma der zwölfjährigen Ulja, ihr gehört das Haus der Familie, und sie erpresst ihre Enkelin. Hier musste eventuell jemand viel persönlichen Frust gegenüber Kirche oder Freikirchen verarbeiten.

Bach-Pop-Musik

Der Film von Barbara Kronenberg will eine Mischung aus „Little Miss Sunshine“ und Die Royal Tenenbaums“ sein, permanent dudelt Bach als Popmusik im Hintergrund, alle Personen haben Kleidung aus den 80er Jahren, es geht um einen Chor-Wettbewerb, zu dem die Personen in einem alten Kleinbus durch Polen fahren, immer wieder tauchen (Achtung, lustig!) ein Huhn auf, ein Leichenwagen und viele Wollmützen. Nur leider erreicht Kronenberg nicht einmal entfernt den Stil des amerikanischen Regisseurs Wes Anderson oder die Herzlichkeit des Road Movies von 2006.

Inhaltlich verbindet die Regisseurin allerlei Vorurteile gegenüber Freikirchen mit Kinderwünschen wie: einmal schlauer als die Eltern sein, Autofahren, ins Ausland abhauen. Die aufgeweckte Ulja ist sehr an Wissenschaft interessiert, sie hat herausgefunden, dass die Bibel „unlogisch“ ist (geht aber weiterhin in die Gemeinde), und steckt mit diesem Wissen sogar andere Kinder in der Kirche an. „Für die Wissenschaft ist hier kein Platz“, klagt sie über ihre Freikirche. Außerdem: Frauen dürfen hier auf keinen Fall schlauer sein als ihre Männer.

Ulja entdeckt einen Meteoriten. Anders als in der Realität ist das im Film eine Sensation für die Wissenschaft. Ein russischer Wissenschaftler lobt die „Forschungsarbeit“ von Ulja, und dass natürlich sowohl die ESA als auch die NASA beeindruckt sein werden. Na gut, ein Kinderfilm, da geht es nicht um wissenschaftliche Korrektheit. Seltsam nur, dass diese realitätsfremde Darstellung von Wissenschaft der schrägen Kirchengemeinde im Film widerspricht.

Ulja macht sich mit einem Klassenkameraden auf den Weg nach Weißrussland, um sich dem Aufprall des Meteoriten anzusehen. Da es sich um einen Kinderfilm handelt, darf nicht nur die strenge Oma mal wie eine Verbrecherin festgenommen, durchsucht und eingesperrt werden, sondern Kinder dürfen auch Autofahren. Die Gemeindemitglieder fahren den beiden hinterher. Dabei giften sie sich alle permanent untereinander an. Am Ende fahren alle erschöpft wieder nach Hause.

Die Berlinale findet in diesem Jahr vom 1. bis 5. März zunächst nur für ein Fachpublikum statt, die Filme werden statt in Kinos über das Internet gezeigt. Die Preisträger werden am 4. und 5. März bekanntgeben. Die Preisverleihung der 71. Berlinale findet in Anwesenheit des Publikums beim „Summer Special“ im Juni vom 9. bis zum 20. Juni statt.

von: Jörn Schumacher

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