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„Jesus würde nicht teilnehmen“

Am Mittwochabend ehrt die Bundeswehr Soldaten, die im Afghanistaneinsatz waren, mit einem Großen Zapfenstreich. Auch der evangelische Militärbischof ist dabei. Mehrere Theologen haben nun scharfe Kritik daran geübt.
Von Anna Lutz
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Foto: MSGT Patrick Nugent

Sollte die Kirche an der militärischen Ehrung der Afghanistan-Soldaten teilnehmen? Kritik kommt von Theologen.

Es ist die größte Veranstaltung zu Ehren von Soldaten, die die Bundeswehr zu bieten hat: Am Mittwochabend um 19 Uhr, wenn die Sonne untergegangen ist, ertönt vor dem Reichstagsgebäude Militärmusik und es werden Fackeln entzündet. Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer werden zugegen sein, wenn der Staat jenen Männer und Frauen, die für Deutschland im Afghanistaneinsatz waren, für ihr Engagement dankt.

Doch nicht nur Vertreter der Regierung nehmen teil, sondern auch der Militärbischof der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bernhard Felmberg. Im Programm ist ein gemeinsames Gebet und ein Kirchenlied vorgesehen. Daran stören sich Theologen. Ihren Protest haben sie in einem offenen Brief erklärt.

Laut einem Artikel der Zeitung Die Welt heißt es darin: Die Zeremonie überhöhe und weihe militärische Einsätze und sie grenze Menschen ohne Religions- oder Kirchenzugehörigkeit aus, weshalb sie unvereinbar mit dem religiösen Neutralitätsgebot der Verfassung sei. Statt sich am Zapfenstreich zu beteiligen, solle die Kirche Afghanistan-Soldaten seelsorgerlich begleiten und sich kritisch mit dem Afghanistan-Einsatz auseinandersetzen.

Unterzeichnet wurde der Brief laut der Zeitung unter anderem von Propst Thomas Drope (Pinneberg), Hans-Martin-Gutmann, Ulrich Hentschel, Theo Christiansen, Jörg Herrmann (alle Hamburg), Uwe-Karsten Plisch (Berlin), Andreas Seiverth (Ruhpolding), Klara Butting (Uelzen) und Hans-Gerd Klatt (Bremen).

„Würdeloser Zynismus gegenüber den Opfern“

Der Unterzeichner und Pastor im Ruhestand, Ulrich Hentschel, schreibt zudem in einem Artikel der Hamburger Morgenpost: „Ist dieses Ritual geeignet, den tausenden an Leib und Seele verletzten deutschen Soldaten, denen, die getötet wurden und die getötet haben, wie es der grausame Zweck jedes Krieges ist, gerecht zu werden? Und wie würden die afghanischen Mitarbeiter der Bundeswehr, die von der deutschen Regierung als zweitrangig alleingelassen wurden und um ihr Leben bangen müssen, den Zapfenstreich erleben?“

In der Zeremonie und den in ihr enthaltenen kirchlichen Elementen sieht er einen „würdelosen Zynismus gegenüber den Opfern einer gescheiterten Politik“. Hentschel ist sich sicher: „Wenn Jesus heute an einem Großen Zapfenstreich teilnehmen würde, dann als Störenfried.“ Der Theologe plädiert für die Abschaffung des Zapfenstreichs.

Der Große Zapfenstreich war zunächst für den August geplant, wurde dann aber aufgrund der Unruhen nach dem Truppenabzug aus Afghanistan verschoben. Gegen die Veranstaltung am Mittwoch sind auch Proteste aus dem linken und antimilitaristischen Spektrum angekündigt. Die EKD hat die Kritik an ihrer Teilnahme an den militärischen Ehren bisher nicht kommentiert. Es hieß lediglich, der Militärbischof Bernhard Felmberg werde teilnehmen.

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9 Antworten

  1. Vieleicht wäre es an der Zeit das Amt des Militärbischofs abzuschaffen. Dessen einzige Aufgabe wäre sowieso nur die ständige Wiederholung eines einzigen Satzes: “Du sollst nicht töten”.

  2. Ich finde die Anmerkungen der Theologen nicht ganz passend. Man kann nicht so tun als hätten Soldaten ihr Leben in Afghanistan nicht aufs Spiel gesetzt. Gebet und Anwesenheit eines Militär-Seelsorgers finde ich auch normal. Dass die Politik in Afghanistan versagt hat dafür können weder Soldaten noch Militär-Seelsorge etwas. Man sollte allerdings auf der anderen Seite auf Seiten der Politik natürlich alles tun, um möglichst verantwortungsvoll mit den Menschen umzugehen, die drohen im neuen System unter die Räder zu kommen. Im übrigen hat Ministerin Kramp-Karrenbauer ursprünglich für eine kleinere Veranstaltung plädiert. Auf sie wurde nicht gehört. Im Nachhinein finde ich diese Kritik etwas sinnlos.

    1. “Dass die Politik in Afghanistan versagt hat dafür können weder Soldaten noch Militär-Seelsorge etwas”

      Zumindest die Soldaten können es sich nicht so einfach machen.

      Zitat: “Niemand darf sich darauf herausreden, er habe „nur Befehle befolgt“! Jeder mündige Staatsbürger in Uniform muss seine Mitverantwortung für sein militärisches Tun oder Unterlassen erkennen!”
      https://www.bundestag.de/parlament/wehrbeauftragter/amtstraeger/bartels/kompass/20-05-695260

      Als Soldat hätte man sehr wohl bereits zu Beginn erkennen können, das von Afghanistan aus keine wirkliche Gefahr für die Sicherheit Deutschlands oder der USA ausging. Weder das afghanische Militär noch die Taliban waren dazu in der Lage, Deutschland oder die USA militärisch anzugreifen.

      1. Kriegsdienstverweigerung als Soldat, weil der Einsatz einem als Individuum nicht gefällt? So einfach kann man es sich nicht machen!

  3. Christen sollen sich von allen militärischen Bereichen klar und deutlich distanzieren. Uns gilt das Gebot der Feindesliebe und der Gewaltlosigkeit. Auch wenn wir die Völker nicht von Gewalt und militärischen Konflikten befreien können, wir dürfen dabei nicht mitmachen. In den ersten drei Jahrhunderten nach Christi Geburt war das allgemeiner Konsens. Inzwischen ist es leider zu einer Minderheitsmeinung geworden. Weitgehend vergessen sind die Christen, die umgebracht wurden, weil sie sich geweigert haben, im 2. WK Militärdienst zu leisten. Denen sollten wir ein Denkmal setzen.

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