Rezension

Im ZDF nichts Neues

In einer Doku gehen zwei ZDF-Reporter christlichen Influencern nach und decken deren Verbindungen in die rechte Szene auf. Viel Neues kommt dabei nicht heraus. Zeit für einen neuen Dreh?
Von Anna Lutz
Die Spur Christliche Influencer mit rechter Agenda

Christfluencer sind derzeit in aller Munde. Erst vor wenigen Wochen brachte „Spiegel-TV“ eine Dokumentation, in der die Influencer Jasmin Friesen (Liebe zur Bibel) und Leonard Jäger (Ketzer der Neuzeit) kritisch beleuchtet wurden (und die berechtigte Kritik des ICF nach sich zog). Nun folgt ein weiteres Stück mit ganzen 28 Minuten Sendezeit auf ZDF und dem Titel: „Die Spur: Christliche Influencer mit rechter Agenda?“ Zu sehen ist die Reportage in der Mediathek. 

Das Fragezeichen, soviel sei schonmal vorweggenommen, hätten sie sich sparen können. Niemand muss so tun, als sei es eine neue Erkenntnis, dass Leonard Jäger mit seinen knapp 350.000 Followern auf Instagram, Kontakte in die AfD hat. In einem Interview mit Alice Weidel wünschte er ihr vor der letzten Bundestagswahl in einem öffentlich einsehbaren Video: „Ich drücke die Daumen, dass das was wird, mit der Wahl.“ Und Gottes Segen.  

Der ZDF-Beitrag zeigt nicht nur diesen Ausschnitt, sondern einen weiteren, ebenso bekannten, in dem Jäger Migranten mit Kakerlaken vergleicht. Und er zeigt die Verbindungen zwischen ihm und Jasmin Friesen mit ihrerseits knapp 100.000 Insta-Followern auf. Erkenntnisgewinn bis hierher: Friesen und Jäger sind Freunde. Er steht weiter rechts als sie. Sie verlinken und promoten sich aber gegenseitig. 

Rechte Christfluencer in Dauerschleife

Gut, dass zwischendurch so wichtig daherkommende Sätze fallen wie: „Nicht jede Person, die Schwangerschaftsabbrüche problematisch sieht, ist rechtspopulistisch.“ Oder: „Freikirche ist nicht gleich Freikirche.“ Letztere holen die Macher der Sendung nämlich auch gleich mit ins Boot, wenn auch nur kurz und in Person von Daniela-Marlin Jacobi, jener „Aussteigerin“, die ebenfalls schon bei „Spiegel TV“ (und nicht nur dort) zu sehen war und viel berichten kann über schlechte Erfahrungen, die sie gemacht hat. 

Um es deutlich zu schreiben: Ja, es ist ärgerlich, wenn ausgerechnet ein Mensch, der sich als evangelikal und freikirchlich versteht und seine Bekehrung groß und öffentlich gefeiert hat, gemeinsame Sache mit der AfD macht wie Jäger das tut. Ja, es ist auch ärgerlich, wenn ein weiterer Mensch ihn darin unterstützt. Ja, diese beiden sind öffentlichkeitswirksam und vermutlich ein schlechtes Vorbild für andere.

Nun kommt das Unausweichliche: Aber nichts davon ist strafbar. In einem Land, in dem aktuell jeder Vierte angibt, die AfD wählen zu wollen, ist es noch nicht mal sehr überraschend, dass das auch auf Influencer aus dem christlichen Raum zutrifft. Es mag dennoch eine journalistische Recherche wert sein, denn natürlich gibt es einen Konflikt zwischen christlichem Glauben und rechtem Gedankengut. Und darüber darf und soll Journalismus auch aufklären. Aber in Dauerschleife? 

Wer mag, google einmal „Christfluencer“. Von Deutschlandfunk bis ARD über Spiegel, Schweizer Fernsehen, Arte oder Chrismon – kaum eine Redaktion, die das Thema noch nicht beackert hätte. Und immer mit den üblichen Verdächtigen: Friesen und Jäger, mancher nimmt noch Jana Hochhalter alias Highholder hinzu, wobei deren Aussagen eher als antifeministisch denn als rechtspopulistisch verstanden werden. Es ist schwer zu glauben, dass diese drei die Demokratie in Deutschland quasi im Alleingang unterminieren.

Wie erfrischend wäre es doch, führten die Reporter auch mal andere Beispiele an. Kira Geiss etwa, die auch einen erheblichen Bekanntheitsgrad aufweist und den für gediegene christliche und zum Teil auch knallfromme Posts nutzt. Unpolitisch ist sie auch nicht, immerhin arbeitet sie regelmäßig für Projekte mit verschiedenen Parteien und Ministerien zusammen. Im landeskirchlichen Raum gibt es einige, die sich um Kirche im Netz bemühen. In Sozialen Medien wird gesegnet, gebetet, gehofft und geliebt, was das Zeug hält. Es reicht nun mit dem ewigen Alarmismus in Sachen netzaffiner Christen. Es gibt allerhand freundliche Angebote, die es ebenfalls wert sind, gesehen zu werden.

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