Hirschhausen: Radikal gegen Deepfakes vorgehen

Wissenschaftsjournalist und Protestant Eckardt von Hirschhausen hat bei der „Republica“ vor Deepfakes gewarnt. Er sprach von einer „Komplizenschaft“ der Social-Media-Konzerne mit Verbrechern und forderte „radikale Maßnahmen“ dagegen.
Von Anna Lutz

„Ich bin hier, weil ich gerne meine Identität zurückhätte“, sagte Eckart von Hirschhausen am Dienstag bei der Netzkonferenz „Republica“ in Berlin. Er selbst ist Opfer von gefälschten Videos und Fotos von seiner Person geworden. Im Netz gebe es ihnen tausende Male – dank Deepfakes, KI-generierter Bilder und Videos, die seine Person zeigten und in seinem Namen für Produkte werben, etwa Abnehmpulver oder Potenzmittel.

„Social Media hat gerade so etwas wie einen Tabak-Moment“, sagte er und meinte damit, dass die Gesellschaft endlich anfange, über deren Toxizität zu sprechen. „Was über Jahrtausende galt, nämlich, ich habe es mit eigenen Augen gesehen, das gilt im Digitalen nicht.“

„Ich lebe noch, aber ich lebe nicht mehr gut“, sagte er und sprach von millionenfachem Rufmord. „Ich möchte in einem Land leben, wo sowas aus dem Netz verschwindet oder gar nicht erst da hinkommt.“ „Zynisch“ nannte er Tools wie Elon Musks „Grok“, die es möglich machen, Nacktfakes von Menschen zu erstellen. 

„Kulturkampf“ und kein Aufschrei

Die Mechanik der Netzkonzerne spiele dem in die Hände, denn sie laute: Wertvoll ist, wer sich vor dem Handy krümme und auf Anzeigen klicke, um Dinge zu kaufen, die er scheinbar brauche. „Wo ist der europäische Aufschrei?“, fragte Hirschhausen und sprach von einem „Kulturkampf“ zwischen denen, die noch an die Menschlichkeit glaubten, und denen, die sie nur noch im Digitalen verorteten.

Mit auf der Bühne waren die Juristen Jessica Flint und Chan-Jo Jun, die gemeinsam mit der Grünen-Politikerin Renate Künast wegen Hassposts vor Gericht zogen. „Das Problem sind nicht die Nutzer, das Problem sind die Plattformen“, sagte Flint. Ein Konzern wie „Meta“ hole Prozesskosten in Sekunden durch Gewinne wieder rein. Es sei geradezu „billlig“, Gesetze zu verletzen, sagte Jun. Die Konzerne verdienten mehr an Fakes und Irreführungen als sie durch Rechtskosten verlören. Hirschhausen sprach von „Komplizenschaften“ der Konzerne mit denen, die Bilder zu Werbezwecken fälschten, und forderte „radikalere Maßnahmen“ der Politik dagegen. „Wir müssen laut sagen: Mein Gesicht gehört mir.“

Der Arzt und Wissenschaftsjournalist Eckart von Hirschhausen ist evangelisch und der Kirche eng verbunden. 2016 trat er als Botschafter der Evangelischen Kirche in Deutschland für das Reformationsjubiläum auf und erklärte seine Bewunderung für den Reformator Martin Luther. Jüngst machte er Schlagzeilen mit einer ausführlichen Dokumentation über „Deepfakes“.

Die Netzkonferenz „Republica“ steht in diesem Jahr unter dem Motto „Never gonna give you up“. Im Vorjahr zählte sie 30.000 Besucher. Dieses Jahr sind rund 1.000 Speaker eingeladen zu Technikthemen wie KI oder Deep Fakes, aber auch Gesellschaft und Politik. 

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