Er stand an der Spitze der größten europäischen Schuheinzelhandelskette. Bekanntheit erlangte Heinz-Horst Deichmann vor allem durch sein diakonisches und christliches Engagement, für das er zahlreiche Auszeichnungen erhielt. Heute vor 100 Jahren kam er in Essen zur Welt.
Deichmann ist eines von fünf Kindern des gläubigen Ehepaars Heinrich und Julie Deichmann. Heinrich Deichmann hatte 1913 in Essen ein Schuhgeschäft gegründet. Der junge Heinz-Horst musste als Jugendlicher im Zweiten Weltkrieg kämpfen. Er überlebte einen Halsdurchschuss nur knapp und schwer verwundet.
Nach seinem Abitur in Essen studierte er in Bonn Theologie, auch bei Karl Barth, und anschließend Medizin in Düsseldorf. Eigentlich wollte Deichmann Missionsarzt werden. Nach Ende des Studiums und erfolgreicher Promotion arbeitete er zunächst als Orthopäde. 1956 übernahm er die Leitung des Familienunternehmens und setzte vor allem auf preiswerte Schuhe. Der Erfolg gab ihm recht. Die Umsätze und der Gewinn stiegen rasant und er übernahm einige Konkurrenten.
Ein großer Gönner
Der bekennende Christ war Mitglied einer freikirchlichen Brüdergemeinde. 1977 gründete Deichmann die sozial-missionarische Organisation „Wort und Tat“, die Notleidende in Indien, Moldawien und Griechenland unterstützt. Er beteiligte sich aber auch an zahlreichen anderen weltweiten Hilfsprojekten.
2005 stellte Deichmann 15 Millionen Euro für die Opfer der Tsunami-Katastrophe in Südasien und andere Hilfsprojekte in Indien und Afrika zur Verfügung. Zusätzlich war er Gönner der Ben-Gurion-Universität im Negev in Beʾer Scheva (Israel) sowie des evangelikalen Albrecht-Bengel-Hauses in Tübingen. Außerdem saß er im Kuratorium der evangelikalen Organisation „ProChrist“.
Bei seinen unternehmerischen Tätigkeiten hatte er auch das Wohl der Mitarbeiter im Blick. Das Unternehmen wurde 2012 als „Familienunternehmer des Jahres“ ausgezeichnet. Die Leitung hatte er 1999 bereits an seinen Sohn Heinrich Otto Deichmann abgegeben. Im PRO-Interview kurz vor seinem Tod, sagte Deichmann, dass sich alle seine Lebensträume erfüllt hätten: „Ich habe versucht, Gottes Willen Raum zu geben in meinem Umfeld. Wo es nicht gelungen ist, da durfte und darf ich mit seiner Vergebung rechnen.“
Das Fundament des christlichen Glaubens habe ihm in Kriegszeiten, als Unternehmer und auch im Alter geholfen. 2006 erhielt Deichmann den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland. Der damalige Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) betonte, dass Deichmann mit seinem Tun bezeuge, dass es verbindliche Werte gebe und man sie mit Leben füllen muss.
Gott wird fragen, ob ich das Evangelium verkündet habe
Der Unternehmer selbst sagte gegenüber PRO: „Am Ende meines Lebens wird Gott mich nicht fragen, wie viele Schuhe ich verkauft habe. Er wird wissen wollen, ob ich wie ein wahrer Christ gelebt und das Evangelium verkündet habe.“ Deichmann starb am 2. Oktober 2014 im Alter von 88 Jahren in Essen. Er war bis zu deren Tod 2008 58 Jahre mit seiner Frau Ruth verheiratet. Das Ehepaar hatte vier Kinder.