Das Jahr 2026 könnte aus theologischer Sicht ein besonderes sein. Denn die Ereignisse um Jesus im Neuen Testament begannen ziemlich genau vor 2.000 Jahren. Die genauen Daten rund um das Wirken Jesu sind nicht bekannt, doch es gibt einige Hinweise. Die Fans der christlichen Serie „The Chosen“ jedenfalls können in diesem Jahr feiern: Die Serie beginnt mit der Handlung im Jahr 26 n. Chr.
Die ersten drei Staffeln der Serie liefern wichtige chronologische Fixpunkte in Bezug auf die Handlung. Die Fans der Serie wie etwa der Blogger und Filmkritiker Peter Chattaway heben hervor, wie akkurat die Macher auf den Zeitverlauf geachtet haben. Tatsächlich werden in der Serie immer wieder zeitliche Angaben eingeblendet. „Magdala, 2. n. Christus“ steht etwa zu Beginn der ersten Folge der ersten Staffel in einer Texttafel; es geht im Folgenden um Maria Magdalena, die zu der Zeit noch ein Kind ist. Selbst bei nachgestellten Ereignissen aus dem Alten Testament blenden die Serienmacher exakte Jahreszahlen ein, auch wenn die tatsächliche Jahresangabe meistens unbekannt ist. Ein Fan der Serie hat den serieninternen Zeitverlauf exakt analysiert und darüber ein 45-minütiges Video gemacht; ein anderer hat versucht, die Chronologie für jede Staffel auszurechnen.
Matthäus, der penible Chronist
Die Haupterzählung der Serie beginnt im Jahr 26 n. Chr. Anhand eines Datums, das ein Charakter recht früh nennt, rekonstruieren die Fans auch die restlichen Ereignisse. In Staffel 2, Folge 1 („Donner“) gibt Matthäus gegenüber Johannes, der die Geschichte Jesu aufschreiben möchte, zu Protokoll, wann er Jesus zum ersten Mal getroffen hatte: „Es war der vierte Morgen der dritten Woche des Monats Adar, irgendwann zur zweiten Stunde.“ Hier wollten die Serienmacher offenbar vor allem einen Charakterzug des Matthäus betonen: Der ehemalige Steuereinnehmer wird als mathematisch hochbegabt, strukturiert und zwanghaft präzise dargestellt. In Wirklichkeit hat der echte Matthäus keine solch genaue Datumsangabe hinterlassen, ebenso wie die anderen Evangelisten.
Die Serie „The Chosen“ nutzt jedoch den echten jüdischen Kalender und hält sich einigermaßen an den intern verwendeten Zeitstrahl. Matthäus trifft Jesus zum ersten Mal am Ende von Folge 7 der ersten Staffel. Adar ist ein Freudenmonat, in dem das Purimfest gefeiert wird, wie im Buch Esther (9, 20–32) beschrieben. „Der vierte Morgen der dritten Woche des Monats Adar“ impliziert, dass ein Zeitpunkt zwischen dem 15. und dem 21. Tag gemeint ist. „Der vierte Tag der Woche“ ist nach jüdischem Zählsystem der Mittwoch – denn die Woche beginnt mit dem Sonntag. Es handelt sich also um Mittwoch, den 18. Adar 26 n. Chr. Im modernen Gregorianischen Kalender fällt dieser Monat in den Februar/März. Im Jahr 2026 erstreckt er sich vom 18. Februar bis zum 18. März. Nach der Zeitleiste von „The Chosen“ spielt die erste Staffel also im kommenden Februar oder März genau vor zweitausend Jahren.
Als weiterer Zeitanker tritt in der Serie der regelmäßig thematisierte und wöchentliche Sabbat in Erscheinung. Ebenso kommt das Laubhüttenfest (Sukkot) vor: In Staffel 2 zeigt Folge 4 („Die perfekte Gelegenheit“), wie Jesus und die Jünger nach Jerusalem reisen, um das Laubhüttenfest zu feiern. Die Serie thematisiert allerdings nicht den Geburtstag von Jesus. Auch einzelne Wunder wie die Bergpredigt, werden nicht konkret zeitlich zugeordnet.
War Jesu Kreuzigung am 3. April 33 n. Chr.?
Die genauen historischen Daten zu Jesu Leben sind nicht eindeutig; allerdings gibt es Hinweise, die eine ungefähre Einordnung zulassen. So herrscht etwa Konsens, dass Jesus zwischen den Jahren 7 und 4 v. Chr. geboren sein müsste. König Herodes der Große starb vermutlich 4 v. Chr. Jesus wird laut Matthäus und Lukas vor Herodes’ Tod geboren. Der Evangelist Matthäus berichtet, dass Weise aus dem Morgenland einem Stern folgten und so zu Jesu Stall fanden. In der bildlichen Darstellung wird oft ein Komet gemalt, doch über einen Kometen in jenem Zeitraum ist bislang nichts bekannt. Der Halleysche Komet tauchte ein wenig früher – im Jahr 12 vor Christi Geburt – auf. Wahrscheinlicher ist nach Ansicht von Experten, dass es sich um die Zusammenkunft der beiden großen und hellen Planeten Jupiter und Saturn gehandelt haben könnte. Schon der Astronom Johannes Kepler errechnete, dass es sie auch im Jahre 7 v. Chr. gegeben haben musste.
Johannes der Täufer beginnt sein Wirken laut Lukas 3,1 im 15. Jahr des Kaisers Tiberius. Das entspricht 28/29 n. Chr. Da Jesus nach Johannes auftrat, liegt der Beginn von Jesu öffentlichem Wirken bei etwa 28 n. Chr. Die Kreuzigung und der Tod Jesu wiederum lassen sich so einordnen: Pilatus war Statthalter 26–36 n. Chr. Der Tod fand an einem Freitag vor Pessach statt. Daher herrscht allgemeine Übereinstimmung, dass Jesus zwischen 30 und 36 n. Chr. gekreuzigt wurde. Schon Isaac Newton berechnete astronomisch die möglichen Pessach-Termine, denen unmittelbar ein Freitag vorausging. Demnach bleiben zwei mögliche Termine übrig: Freitag, der 7. April 30 n. Chr. und Freitag, der 3. April 33 n. Chr.
Die drei Evangelisten Matthäus, Markus und Lukas schreiben über den Zeitpunkt des Todes Jesu: „Von der sechsten Stunde an kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde.“ Eine Sonnenfinsternis wäre zu diesem Zeitpunkt aber unwahrscheinlich, denn Sonnenfinsternisse finden nur bei Neumond statt. Pessach wird aber stets bei Vollmond gefeiert. Das spricht für eine Mondfinsternis. Und die gab es tatsächlich, und zwar am 3. April 33 n. Chr., und sie dauerte zwei Stunden und 50 Minuten.
Matthäus berichtet weiter, dass die Erde bebte. Mit paläoseismologischen und historischen Studien ließ sich in Einklang bringen, dass es rund um das Jahr 33 ein großes Erdbeben gegeben zu haben scheint – auch wenn dies nicht das größte der Region zu dieser Zeit war.
Weltweites großes Osterfest 2033
Ob das genaue Jahr für Jesu Kreuzigung und Auferstehung nun feststeht oder nicht – bereits im Jahr 2030 werden Christen weltweit zu Ostern 2030 viele Veranstaltungen feiern. Wer das wahrscheinlichere Todesdatum ernster nimmt, wird allerdings eher den April 2033 ins Auge fassen. Papst Leo XIV. hat angekündigt, dass 2033 ein außerordentliches Heiliges Jahr sein wird. Dieses besondere Jubiläumsjahr in der römisch-katholischen Kirche steht für einen Ablass des Papstes; das letzte Heilige Jahr war 2025. Der Papst hat angekündigt, dass aufgrund des 2.000-jährigen Jubiläums die Feierlichkeiten dieses Mal nicht nur in Rom, sondern auch in Jerusalem stattfinden sollen.
Eine der größten privaten Initiativen zum christlichen Jubiläum heißt „JC2033“. Diese weltweite Bewegung arbeitet seit Jahren darauf hin, das Jahr 2033 zum „größten Fest der Geschichte“ zu machen. Ziel ist es, Christen aller Konfessionen weltweit am Ostermorgen 2033 gleichzeitig die Auferstehung feiern zu lassen. Geplant sind Stadion-Events, öffentliche Prozessionen und große Feste in über 100 Ländern.
„ChosenCon“ genau 2.000 Jahre nach Beginn der Serienhandlung
Das Besondere am jüdischen Kalender, der auf Neumondsichtung beruht, ist, dass er eng verwoben ist mit der Bibel. Gott selbst sagt laut 1. Mose 1,14, er habe die Lichter am Himmel erschaffen, damit daran die Zeit abgelesen werden könne. Demnach ist Gott selbst sozusagen der Begründer des jüdischen Kalenders. Der beginnt nach jüdischer Überlieferung im Jahr 3761 v. Chr. Gelehrte sind rückwärts rechnend beim Moment der Schöpfung auf den 6. September (nach gregorianischem Kalender) im Jahr 3761 v. Chr. um 23:11:20 Uhr gekommen.
Übrigens: Die „ChosenCon“ ein jährliches Treffen zwischen Fans der Serie „The Chosen“ und deren Schauspielern und Produzenten – findet in diesem Jahr vom 19. bis 21. Februar im Charlotte Convention Center in den USA statt. Damit fällt dieses Datum in diesem Jahr auf den jüdischen Monat Adar im Jahr 2026, also genau 2.000 Jahre nach dem Beginn der Handlung der ersten Staffel von „The Chosen“.