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Meinung

Gute Vorsätze von Elf bis Mittag

Während sich die Nadel der Waage bedrohlich dem dreistelligen Bereich nähert, macht sich Jürgen Mette Gedanken über das nötige Gegenprogramm.
Von Jürgen Mette

Foto: Sven Lorenz

Vorsätze – und wie lange sie halten: Jürgen Mette

Ja, ich weiß es: Parkinson-Patienten sollten sich viel bewegen, damit die zu erwartenden Symptome zunehmender Bewegungseinschränkung früh aufgefangen werden. Mein Sport besteht darin, dass ich morgens vom Bett zur Dusche zu Fuß gehe. Ich fahre seit meiner zunehmenden Sturzgefährdung Dreirad, aber doch nicht bei Sturm, Regen und Kälte. Es gibt immer tausend Argumente dagegen, besonders im ersten Wetter-Halbjahr 2022. „No sports!“

Ich gebe es ja zu: Zehn Kilo weniger würden mir gut tun. Ich pendle seit 50 Jahren zwischen 85 und 95 Kilogramm, und das bei 184 Zentimetern Körperlänge und kräftigem Knochenbau – wahrscheinlich ist meine neue künstliche Hüfte aus Schwermetall. Nach der heimischen Spritzgebäckproduktion für meine sechs Enkelkinder zum Christfest – ich verwende nur den unverzichtbaren Geschmacksträger Butter – bewegt sich mein Gewicht in Richtung Dreistellig. Auch das knusprig gebackene Geflügel pandemiekorrekt vom Lieferservice aufgetischt, hat sich auf den Hüften abgelagert.

Und das geht mir an die Eitelkeit. Meine Frau sagt es täglich, meine Ärzte sagen es quartalsweise: Hintern hoch! Gewicht runter! Sie sagen es charmanter, aber die derbe Variante ist wirkungsvoller.

Morgen fange ich an. 

Parkinson mit Disziplinlosigkeit im Gepäck

Morgen! Nicht heute. Heute regnet es oder es ist zu kalt oder zu warm oder zu dunkel: 

Nordic Walking, Biking, Jumping, Spinning, Stretching, Climbing, Hiking, Lifting, Swimming, Jogging, Rafting, Canyoning, Paragliding. Früher haben sich die Leute bewegt, heute wird denglisch „gemoved“! Mein Opa hat vor 60 Jahren schon Nordic-Walking gemacht, der ging auch am Stock. Und der war mit Plaketten benagelt – der Stock. Wie wäre es mit „Fresh-air-snapping“ oder „Mushroom-Searching“? Ich habe für mich endlich die passende Sportart gefunden: das Relaxing. Wetterunabhängiges Homeoffice, im Sitzen, trocken und warm.

Aber im Ernst, meine Parkinson-Medikamente haben eine gewisse Disziplinlosigkeit im Gepäck: Nicht mit der Arbeit aufhören zu können, nicht mit dem Essen aufhören zu können, nicht aus dem Online-Modus raus zu kommen. 

Ja, auch das muss ich bekennen: Ich esse gern. Aber ich kann auch vielen Versuchungen widerstehen: Zum Beispiel Rohkost, Magerquark und Tee, Zwieback und Reiskeksen. Da bin ich total diszipliniert! Nur, Gebratenes und Süßes, auch mal einen gut temperierten Rotwein oder den „Hopfenblütentee“ aus einer fränkischen Privatbrauerei, da verzehrt sich meine Widerstandskraft. Für ein großzügig geschnittenes Stück „Ahle Worscht“ aus meiner nordhessischen Heimat lasse ich jedes Wirsing-Soufflé an Bio-Karöttchen in Fenchelsud stehen. Nein, drei mit Soja gefüllte Erbsen müssen nicht sein.

Morgen geht es los – versprochen!

Wenn sich dann das Hüftgold da etabliert, wo wir gern den Gürtel enger schnallen würden, dann sprechen wir verlegen vom „erweiterten Speck-drum“. Ich ertappe mich immer mal wieder, dass ich beim Einkauf tatsächlich eine Tüte feuriger Chips in den Warenkorb ganz unten deponiert habe. Es muss ja nicht jeder sehen. Aber nach dem Scannen liegt die Tüte wieder oben auf. Einmal angefangen mit dem fettigen Salzscheibchen und du bist verloren. Disziplin – wo bist du? Es sind wohl die Parkinson-Medikamente, die meine Ernährungsgewohnheiten verändern. So täusche ich mich selbst.

Aber ich kann es ändern, nur ich selbst: Mein Therapeuten verstehen es, mich mit immer neuen Übungen herauszufordern. Denn meine Körperhaltung lässt zunehmend den Verdacht aufkommen, die Evolutionstheorie hätte doch recht. Ich soll zuhause eifrig üben! Und so beginnt jede Übungseinheit mit dem verlegenen Bekenntnis, dass es ab morgen so richtig losgeht. 

Früher habe ich zuweilen etwas verächtlich auf Kettenraucher und Quartalssäufer geschaut. Meine Kontrollstörung im Blick auf meine Essgewohnheiten stimmen mich gnädig und barmherzig. Dass unser Leib ein Tempel des Heiligen Geistes sein soll, fordert mich „heute“ heraus, nicht erst morgen. In diesem Sinne meinen Lesern und Kritikern ein gesegnetes neues Jahr. 

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7 Antworten

  1. Sehr guter und ehrlicher Beitrag. Ja es ist schon ein Kampf mit den überflüssigen Pfunden und dem Vorsatz, seine Essgewohnheiten zu ändern und auf gewisse Dinge zu verzichten. Ich selbst bin Diabetikerin und soll auch auf vieles verzichten, um meinen Blutzuckerspiegel nicht zu gefärden, was mir auch öfter schwer fällt. Diszipliniert zu sein ist schon eine Herausforderung, aber mit Gottes Hilfe gehe ich doch voll Zuversicht in das Neue Jahr.

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  2. Sehr geehrter Herr Mette,

    danke für diesen erfrischenden Kommentar. Ich weis, Diäten beginnen immer morgen!
    Ich nehme immer ab – wenn das Telefon läutet. Nein, ich genieße Essen und ich weiß, daß ich mich mehr bewegen sollte. Aber ich glaube, daß es dicke und dünne Menschen gibt und geben soll und darf. Ich habe zu meinem besten Freund schon mal gesagt – er isst mehr als ich – “Du bist zu blöd zum Essen”.
    Er sollte anstandshalber soviel wiegen, wie ich (tut er aber nicht – 184 cm/ 79 kg; ich: 173 cm/ 94 kg).
    Und wegen dem Tempel für den Heiligen Geist: bei uns kann er sich doch wohler fühlen, hat er doch einfach mehr Platz.
    Herzliche Grüße und ein gesegnetes Jahr 2022

    Peter Mende

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  3. Ohhh Jürgen Mette !!! Meine liebe Frau und ich haben uns „schlapp gelacht“ , um nicht zu sagen: „ fast in die Hose gep…“!
    Aber ich muss doch nun ernstlich bitten ( das „gehört“ sich doch so in diesen Kommentaren): wo bleibt denn da diesmal das „geistliche Nivea“ ? ? Jetzt habe ich von Ihnen einen guten Tipp nebenbei mit bekommen: auch ich habe voriges Jahr rechtseitig eine neueHüfte reingedonnert bekommen. Dass die eventuell doch auch aus SCHWERMETALL sein kann ? ?
    Vielen Dank und liebe Grüße an Sie und alle, die Sie immer wieder liebevoll ermahnen .

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  4. ” und in der Erkenntnis Mäßigkeit ” bis das greift empfehle ich die Sauerkrautdiät.
    Wir essen alles außer Sauerkraut ! In diesem Sinne alles Gute ( auch von oben )

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  5. Danke, lieber Herr Mette, für diese erfrischenden Zeilen!
    Ich finde allerdings, dass Sie das ganze zu einseitig darstellen. Ich hab vielleicht leicht reden, da ich mich mit 71 Jahren körperlich noch einigermaßen fit fühle und so auch genügend Bewegungsmöglichkeiten an der frischen Luft genießen kann. (Geistig läßt es leider schon ein bißchen nach.) Jedenfalls genieße ich gesunde Vollwertkost mit viel Gemüse und Salat und merke, dass mir das alles gut tut. Auf Fleisch und Wurst kann ich gut verzichten, nur bei Süßigkeiten werde ich zugegebenermaßen schwach.
    Herzlichen Gruß, Josef Günther

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  6. Lieber Jürgen Mette, als ebenfalls jung erkrankter Parki kann ich deinen Ausführungen zu 100% zustimmen. Ein ergänzender Gedanke: Kann es vielleicht sein, dass Sport und Bewegung überbewertet werden? 🤔😂LG und die besten Wünsche für ein bewegtes und gesegnetes Neues Jahr 2022.

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  7. Lieber Jürgen Mette,
    danke für den trockenen Humor ,der aber leider nicht über die Folgen von Übergewicht hinweghilft.
    Ich nasche auch sehr gern ,habe bei 169 cm weder Überlänge noch Übergewicht ,allerdings ein paar Jahre mehr auf dem Buckel (16 an der Zahl)und z.T aus der Jugendzeit eine böse Krankheit ,die Dank neuer Medikamente und natürlich mit Gottes Hilfe z.Zt weg ist ,Herzkranzgefäße machen durch Verengung auch oft Probleme und neuerdings haben Schlafprobleme sich hinzu gesellt. will damit sagen ,es hat wohl jeder früher oder später sein Päckchen zu tragen. Aber wir haben EINEN, der tragen hilft. Liebe Grüße und gute Wünsche für ein gesundes und gesegnetes Jahr 2022, Ihr Klaus Brack aus L.E. in Sachsen Anhalt.-

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