Die Jahreslosung 2026 passte selten so ins weltpolitische Geschehen wie in diesen Tagen. Die Welt ist in Unruhe. Supermächte streiten um die Vorherrschaft auf dem Planeten. Teilen die Welt in Machtsphären ein. Scheren sich nicht um Regeln. Der Stärkere gewinnt.
Ist das wirklich so?
Zumindest kann man das so sehen, wenn man mit offenem Mund die Berichte über die Entführung des venezolanischen (nun Ex-)Diktators Nicolás Maduro verfolgt. Eine Supermacht setzt sich über das Völkerrecht hinweg, schickt ihr hochmodernes und allem überlegenes Militär los und holt sich, was es kriegen kann. So kommentierten es gerade hierzulande viele. Und natürlich ist das formal richtig.
Doch viele Venezolaner dürften das anders sehen: Denn wo war denn der wertebasierte Westen in den Jahrzehnten der Unterdrückung und Unfreiheit? Regimekritiker wurden nicht selten ermordet, Korruption regierte, und wer sich auf eine Demonstration traute, musste mit der Brutalität der paramilitärischen „Colectivos“ rechnen.
Was ist die bessere Haltung?
Natürlich bringt die amerikanische Kommandoaktion vor wenigen Tagen nicht Demokratie und Freiheit nach Caracas. Und dass der amerikanische Präsident persönlich über die künftigen venezolanischen Ölgewinne entscheiden will, ist unerträglich. Wie so oft sind die Ziele Donald Trumps widersprüchlich und unklar, etwa ob er wirklich einen Regime Change oder demokratische Wahlen will.
Doch ist es wirklich die ethisch bessere Haltung, der Unterdrückung des venezolanischen Volkes tatenlos zuzuschauen, statt das Völkerrecht zu brechen? Die häufig zu vernehmende deutsche Sicht darauf ist wohlfeil: Unser Land hätte nämlich gar nicht erst die Fähigkeit zu einem solchen Angriff. Damit stellt sich auch die Frage nicht, ob Deutschland eine irgendwie geartete Verantwortung zukommt. Ohne Macht keine Verantwortung.
Macht haben die USA ohne Zweifel, im Vergleich zu den Ländern Lateinamerikas ist sie schier grenzenlos. Und damit sind sie auch in der Lage, ihre Macht zu missbrauchen. Das offenbart das wahre Problem: Es geht nicht ums Völkerrecht. Es geht darum, was passiert, wenn es keine übergeordnete Instanz gibt, die für Recht und Ordnung sorgt. In einer Demokratie gibt es die Gewalten, die sich gegenseitig kontrollieren und in ihrer Macht begrenzen.
Streit um die Macht
Als die Vereinten Nationen gegründet wurden, sehnte man sich danach, dass auch international Recht und Gesetz regieren. Die Charta der Menschenrechte, das Völkerrecht und deren Vorläufer sollten dafür sorgen, dass Macht nicht missbraucht wird, um Menschen zu unterdrücken oder mit Gewalt Grenzen zu verschieben. Wer dagegen verstößt, wird sanktioniert. Soweit die Theorie.
Die Sache hatte nur einen Haken: Denn gerade die mächtigsten Staaten wollen ihre Macht nicht freiwillig abgeben. Die Veto-Mächte im UN-Sicherheitsrat können spürbare Sanktionen oder gar Militäreinsätze gegen sie selbst – oder gegen Verbündete – mit einer Armbewegung abwenden.
Überspitzt formulieren manche Experten: Die Vereinten Nationen funktionieren dann, wenn man sie nicht braucht, und wenn man sie braucht, funktionieren sie nicht.
Dass die Menschheit sich nach einem Recht der Völker sehnt, zeigt den Wunsch nach einer obersten Autorität. Einer, die auch die Ambitionen der Supermächte einhegen kann. Die gibt es aber nicht. Zumindest nicht in unseren irdischen Institutionen.
Aber in der himmlischen Institution.
„Siehe, ich mache alles neu“, sagt Jesus in Offenbarung 21,5. Der Kontext ist das Ende der Zeiten, wenn alle Mächte und Gewalten vergangen sind, egal wie groß sie zuvor erschienen. Jesus bezeichnet sich als das „A und O“, den Anfang und das Ende. Er sitzt auf dem Thron.
Am Ende sorgen nicht die mit den besten Waffen oder dem meisten Geld für Gerechtigkeit. Sondern Jesus Christus, der richtet und rettet zugleich.