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„Gott setzt ein, Gott setzt ab“

Frank Heinrich war einer von zwei Freikirchlern im Deutschen Bundestag, am Sonntag ist er abgewählt worden. Nun hat der CDU-Politiker PRO erzählt, wie es ihm damit geht und welche Spuren er in Berlin hinterlassen hat.
Von Anna Lutz

Foto: Büro Heinrich

Frank Heinrich muss nach zwölf Jahren den Deutschen Bundestag verlassen

PRO: Seit einigen Tagen steht fest: Nach zwölf Jahren geht Ihre Zeit im Deutschen Bundestag zu Ende. Wie geht es Ihnen damit?

Frank Heinrich: Wenn ich es in Noten ausdrücken müsste: Zwei Plus. Ich habe mit einem tollen Team ein zwölf Jahre dauerndes Abenteuer erlebt. Ich bin zwei Mal wiedergewählt worden, das erlebt nur ein Drittel der Abgeordneten. Und nun freue ich mich, dass mich zum Beispiel Hermann Gröhe angerufen und gesagt hat, dass er meinen Abschied bedauert, der Fraktionsvorsitzende Ralph Brinkhaus ebenfalls. Thomas de Maizière – der ja wie ich in Sachsen lebt – kam in mein Büro und drückte mich herzlich. Die Niederlage schmerzt mich natürlich dennoch und ich bin auch enttäuscht. Ich habe mir vorgenommen, eine mehrmonatige Trauerphase zu begehen, in der ich alles noch einmal durchdenke und Revue passieren lasse. Aber vorgestern habe ich mit meinem Team zunächst auf all das Tolle angestoßen, das wir erlebt haben und was noch kommt.

Haben Sie für einen Wahlsieg gebetet?

Nein. Ich habe für Gottes Gunst gebetet. Also dafür, dass ich mich nicht verbiege, dass ich die richtigen Dinge kommuniziere. Und ich habe für einen guten, fairen Wahlkampf gebetet. Das habe ich auch erlebt – zumindest mit allen Kollegen außer dem der AfD. Gott setzt ein und Gott setzt ab. Dem stelle ich mich gerne.

Sie hinterlassen offene Baustellen: Etwa den Kampf für ein Nordisches Modell, also die Freierbestrafung bei der Prostitution. Wer kämpft da nun an Ihrer Stelle und wie wird es mit dem Thema weitergehen?

Ich werde mich selbst weiter engagieren. Dazu muss ich ja nicht im Bundestag sitzen. Ich bin weiterhin Vorsitzender des Vereins Gemeinsam gegen Menschenhandel und wir haben nach wie vor das Ziel einer Gesetzesänderung. Es gibt weiterhin unsere interfraktionelle Runde dazu im Bundestag. Leni Breymaier von der SPD wird die Arbeit weiterführen und ich werde die Unionskollegen, die dort hingehen, mit Informationen ausstatten. Das kann ich auch von außen. Die sind mich da im Bundestag nicht los, auch wenn sich meine Arbeit künftig anders gestaltet.

2009 hat PRO Sie zum ersten Mal zu einem Interview getroffen. Damals waren Sie noch nicht im Bundestag, aber im Wahlkampf und auf dem Weg dahin. Sie sagten damals, Ihr Grundprinzip sei: „Es wird nicht gegen meine Gegner gekämpft.“ Sie meinten damit: Keine persönlichen Angriffe. Ist Ihnen das gelungen?

Ja, das glaube ich. Wenn es einmal unbewusst nicht so war, dann bitte ich Gott, mir diese Fehler zu vergeben. Niemanden persönlich anzugreifen, bleibt mein wichtigstes Prinzip und war es auch in der Zeit im Bundestag. Die ehemalige CDU-Ministerin Rita Süssmuth hat einmal gesagt, sie erkenne in manchen Bundestagsdebatten, wenn die Abgeordneten zuvor beim Gebetsfrühstück waren. Dann nämlich argumentierten sie nicht gegen Menschen, sondern nur gegen deren Anliegen. Ich hoffe, ich habe mich auch immer so verhalten.

„Politiker brauchen Zuspruch und Gebet“

Frank Heinrich

Sind Ihre politischen Gegner auch so fair mit Ihnen umgegangen?

Als ich in die Politik ging, sagten viele, der Bundestag sei ein Haifischbecken. Das hat sich nicht bestätigt. Ich habe freundschaftliche Begegnungen mit Politikern aus allen Parteien gehabt. Es gibt immer Einzelne, die einen auch mal unfair angreifen – in meinem Fall geschah das gelegentlich im Menschenrechtsausschuss und da von Rechtsaußen. Das hat mich in die Magengrube getroffen. Aber ich habe es auch umgekehrt erlebt. Wenn etwa Volker Beck von den Grünen, Kritiker der Evangelikalen, mir wohlwollend und konstruktiv begegnet ist.

Sie haben sich unter anderem zum Ziel gesetzt, als Evangelikaler Brücken zu bauen. Wo ist das gelungen, an wem haben Sie sich die Zähne ausgebissen?

Es ist sicher nicht immer gelungen. Aber es haben sich auf jeden Fall freundliche Beziehungen mit Abgeordneten entwickelt, bei denen ich das nicht erwartet hätte. Mein Vorsatz war in all der Zeit, Vorurteile zu entkräften, die mit meiner evangelikalen Herkunft zu tun haben. Es ist oft passiert, dass der Begriff „evangelikal“ im Bundestag falsch, undifferenziert oder als Anklage benutzt wurde – auch von Volker Beck. Ich habe deshalb in meiner Fraktion einmal einen Vortrag zur Wortherkunft gehalten. Für mich persönlich kann ich sagen: Kaum einer hatte ein Problem mit mir als Evangelikalem. Vielleicht aber auch, weil ich aus der Heilsarmee komme, die wiederum ein hohes Ansehen genießt.

Wie sieht es mit den Kritikern jenseits der Politik aus? Christen, die Sie kritisiert haben zum Beispiel? Waren die überwiegend fair?

Seit bekannt ist, dass ich den Bundestag verlasse, bekomme ich viele viele positive Rückmeldungen. Um ehrlich zu sein: Diese vielen Rückmeldungen hätte ich schon in den vergangenen zwölf Jahren gebraucht. Es ist ein bisschen wie bei einer Beerdigung: Plötzlich fällt jedem etwas Schönes zu sagen ein, aber zu Lebzeiten des Verstorbenen waren alle still. Ich habe stattdessen aus der christlichen Welt viele unreflektierte Angriffe erlebt, bis hin zu Shitstorms. Am schlimmsten war das im Zusammenhang mit dem Infektionsschutzgesetz, also Corona. Da gab es sehr viel harte Kritik unter der Gürtellinie aus dem frommen Bereich. Ich kann nach diesen zwölf Jahren sagen: Ich habe auch Freunde verloren. Wir Politiker brauchen Zuspruch und Gebet – sonst geht uns der Sprit aus.

Was haben Sie nun vor? Lokalpolitik, Landespolitik oder nichts von alledem und zurück zur Heilsarmee?

Es ist unwahrscheinlich, dass ich zur Heilsarmee zurückkehre, weil die politisch neutral ist und ich ja nun den CDU-Stempel mit mir trage. Ich kann derzeit nicht sagen, was kommt. Ich muss mich erst sortieren. Fest steht: Ich werde meine Themen weitermachen: Afrika und Einsatz gegen Menschenhandel. Ob das in der Vereinsarbeit ist, bei einer Menschenrechtsorganisation oder in einem politischen Amt, das wird sich zeigen.

Eine Frage muss noch erlaubt sein: Wird es Jamaika oder die Ampel?

Vermutlich Jamaika. Weil die Differenz zwischen FDP und SPD größer ist als die zwischen Union und Grünen.

Herr Heinrich, vielen Dank für das Gespräch!

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16 Antworten

  1. Naja, „Jamaika“… träumen darf ja erlaubt sein 😉. Obwohl ich weit weg von den sogen. Evangelikalen und noch weiter von den Parteien mit dem „C“ im Namen unterwegs bin, imponiert mir diese Einstellung – ob er sich nun evangelikal oder sonstwie nennt. Als Jesusnachfolger im Bundestag für christliche Werte zu kämpfen ist aller Ehren wert. Schade, dass er nicht mehr im BT ist, wenn auch in einer – aus meiner Sicht – falschen Partei.

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  2. Ich finde es gut, dass Gott den Herrn Heinrich endlich abgesetzt hat. Das war wirklich überfällig, schon allein wegen seines Umgangs mit den Corona-Maßnahmenkritikern.

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    1. Schade, liebes Pro-Team, beim Fußball gibt es bei Nachtreten meines Wissens die rote Karte. Die wäre meiner Ansicht nach bei dieser Aussage von Maik fällig gewesen. Es geht nicht darum, keine Meinungsäußerungen zu erlauben. Aber man sollte auch als Kommentator, zumal auf einer Seite von Christen, zwischen Sache und Person unterscheiden können. Deshalb kann man Maiks Statement auch als Gegenbeispiel für das nehmen, was Herrn Heinrich wichtig war: “Es wird nicht gegen meine Gegner gekämpft”, sondern gegen ihr Anliegen.
      Und wenn Herr Heinrich für sich sagen kann: ich sehe auch im Abgewählt werden Gottes Wirken, dann ist das tröstlich und gut für ihn. Wenn wir bei allem, wirklich allem, was passiert, direkt Gottes Eingreifen sehen und uns vielleicht noch anmaßen, das zu beurteilen, dann tun sich meiner Ansicht nach viele Fragen auf, die am Ende ein ziemlich seltsames Gottes- und ebenso seltsames Menschenbild ergeben.

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    2. Und genau aufrgund von Reaktionen wie der Ihren halte ich es für gefährlich, alles, was passiert, zu vergeistlichen. Nein, nicht Gott hat ihn abgesetzt, sondern Menschen haben mehrheitlich eine/n andere/n Vertreterin gewählt. Punkt. Wir leben nicht in einer Theokratie, sondern in einer Demokratie. Nicht Gott setzt ein und ab, sondern Menschen wählen und die Mehrheit entscheidet.
      Sachlich bleiben, nüchtern und nicht immer Gott vor den Karren des eigenen Weltbildes spannen.

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  3. Hallo lieber Frank, vielen lieben Dank für deinen Dienst in der Politik. Ja, wir Christen haben eine Pflicht für unsere Obrigkeit zu beten. Mir war es eine Pflicht, dies auch für dich zu tun. Und ja, es ist wichtig, damit der Sprit, wie du schreibst, nicht ausgeht und es mehr Christen unter unseren Leitern gibt. Viel zu wenige von uns erkennen eine Pflicht darin, politische Verantwortung zu übernehmen. Somit brauchen wir uns auch nicht zu wundern, wenn andere das Feld der Politik bearbeiten. Deshalb möchte ich dir und deiner Familie hier gleich noch einmal einen herzlichen Dank für die vielen Opfer und die Hingabe aussprechen.

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    1. Ich denke, es ist ein Problem, dass gläubige Menschen in der Politik überrepräsentiert sind. Die Bevölkerung wird nicht korrekt in der Regierung abgebildet. Die “Pflicht, politisch Verantwortung zu übernehmen” rührt ja aus dem Gedanken, dass Christentum zu “pushen”. Gläubige und Konservative sind da immer besonders eifrig, ihren Willen, ihre religiöse Ideologie den anderen Menschen aufzwingen zu wollen.
      Die Ergebnisse stellen sich dann so dar: Frauen waren bis in die 60er Jahre nicht geschäftsfähig, bis in die 90er Jahre war Vergewaltigung in der Ehe keine Straftat, Homosexuelle werden immer noch attackiert und diskriminiert, Kirchen erhalten Privilegien, wie zum Beispiel ein eigenes Arbeitsrecht (das deutlich schlechter ist, als das staatliche), Kirchenvertreter bestimmen über die Programmgestaltung des ÖR mit und und und.

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  4. @Kaja @Maik – da habt ihr, denke ich die Veronika gründlich missverstanden. Sie hat sich wohl nicht klar genug ausgedrückt. Sie schreibt, „wenn er für sich sagen kann, ich sehe auch im Abgewähltsein Gottes Wirken, ist es für IHN gut und tröstlich.“ Dann hat sie das kleine Wörtchen „aber“ vergessen, dass vor dem „Wenn“ stehen müsste. Ihre Ansicht bringt sie anschließend klar zum Ausdruck: Dann tun sich viele Fragen auf, die am Ende ein ziemlich seltsames Gottes- und ebenso Menschenbild ergeben. Sie positioniert sich also eindeutig dagegen, alles als Gottes Wirken anzusehen, lässt aber die Meinung des Herrn Heinrich als für ihn richtig stehen.
    Das ist heutzutage das Problem, das wir mit den sozialen Medien haben, die schnelle Reaktion auf den anderen, ohne ihn wirklich verstanden zu haben, sowie den persönlichen Angriff, der so viel leichter ist, weil wir dem Gegner ja nicht ins Gesicht schauen. Aber auch im analogen Bereich haben viele Menschen das genaue Zuhören verlernt, so dass es zu unnötigen Reibereien kommt.

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    1. Vielen Dank Edgar, du hast genau wieder gegeben, was ich ausdrücken wollte! Und das “aber” wäre wichtig gewesen.
      Ich denke, die von Pro gewählte Form des Kommentieres ist verwirrend: ich habe zuerst kommentiert, Kaja hat danach kommentiert, aber mein Kommentar war da noch gar nicht veröffentlicht, sie bezieht sich also auf Maiks Kommentar ohne meinen zu kennen – trotzdem steht Kajas Kommentar unter meinem, weil sich eben beide auf Maik beziehen – liebes Pro-Team, das ist manchmal echt verwirrend, und man muss dann nach Uhrzeit und so schauen – könnt ihr eine übersichtlichere Lösung finden? Ich hab zwar keine Idee wie, aber vielleicht jemand anders.

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      1. @Veronika,
        Danke für die Klarstellung.
        Es wäre sicher weniger verwirrend gewesen, hätte ich zu Beginn meines Kommentars gleich ein @Maik verwendet.
        Ich fand Ihren Kommentar übrigens sehr gut und stimme Ihren Überlegungen zu.

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  5. Hallo,
    ich frage mich ob jemand hier Frank Heinrich wirklich, zumindest etwas persönlich gekannt hatt oder kennt.
    Ich bin Frank mehrfach begegnet, wir haben auf verschiedenen Ebenen zusammen gearbeitet.
    Und ja ich teile seine Zustimmung zu dem einen oder andenren Gestzt nicht. Aber das muss er mit Gott und seinem Gewissen ausmachen.
    Trotzalledem dass ich seine Entscheidungen hier nicht alle mittrage4n kann, hat Frank immer gefragt was möchte Papa und dem war er verantwortlich und ist es auch. Danke Frank für deinen Einsatz gerade im Thema Stop von Menschenhandel.

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  6. Gott? Nein, es waren unbestreitbar die Wähler. Sie hatten genug von der CDU-Regierung. Da ist nichts Magisches dabei. Ursache -> Wirkung.

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  7. Lieber Frank,
    jetzt nach meinem zweiwöchigen Urlaub lese ich das Interview mit Dir – aus dem Ausland via Internet hatte ich schon mitgekriegt, dass es für die Wiederwahl nicht ganz gereicht hat, wie schade! Danke an die Pro für das gute Interview – vor allem aber Dir von Herzen Dank für Deinen engagierten Einsatz in Chemnit und für unser Land im Bundestag! Du hast das mit Bravour und Rückgrat getan und uns alle als Fromme der etwas bunteren Art sehr gut vertreten! Danke auch für alle persönliche Zusammenarbeit – und Dir nun eine fruchtbare Zeit des Trauerns (absolut verständlich und richtig!) und der kreativen Ideen-Bildung für die Zukunft: Du hast so einen Reichtum an Erfahrunge und Beziehungen und Gedanken erworben in den letzten 12 Jahren, dass dieser große Schatz wichtig bleibt und wertvoll werden wird: Neue Ideen und Wege warten um die Ecke. So oder so: Großer Dank von uns allen an Dich! Well done!

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