Die Organisation „Samaritan’s Purse“ ist mit rund 70 Katastrophenhelfern in Italien im Einsatz

Die Organisation „Samaritan’s Purse“ ist mit rund 70 Katastrophenhelfern in Italien im Einsatz

„Das Krankenhaus ist von Gebet umhüllt“

Die christliche Hilfsorganisation „Samaritan’s Purse“ unterstützt seit einer Woche das Krankenhaus im italienischen Cremona mit einer mobilen Notfallklinik und Personal im Kampf gegen das Coronavirus. Bei aller Verzweiflung wollen die Helfer auch geistlich Hoffnung geben. Eine Mitarbeiterin berichtet im Interview davon.

pro: Wie kam es dazu, dass „Samaritan’s Purse“ in Cremona ein Notfallkrankenhaus eingerichtet hat?

Alyssa Benson: „Samaritan’s Purse“ beobachtet immer, wo Seuchen oder Naturkatastrophen ausbrechen. Wir haben auch ein Team von Spezialisten für Infektionskrankheiten und Erfahrung im Umgang mit Seuchen. Unser mobiles Notfallkrankenhaus ist immer einsatzbereit. Bei der Ebola-Epidemie in Afrika waren wir auch vor Ort. Als die Lage durch das Coronavirus jetzt in Italien immer schlimmer wurde, hat uns die Regierung um Hilfe gebeten. Wir unterstützen hier das örtliche Krankenhaus.

Wer gehört zu Ihrem Team?

Zu unserem Team gehören rund 70 Personen aus den USA, Kanada und Großbritannien. Es sind Logistiker dabei, die unter anderem die Abstimmungen mit dem Krankenhaus organisieren; und Ärzte, Pfleger, Krankenschwestern, die sich um die medizinische Versorgung kümmern. Zum Teil sind das Angestellte unserer Organisation, die meisten haben aber für den Einsatz befristete Verträge.

Sie sind seit einer Woche vor Ort. Wie erleben Sie die Situation?

Vorigen Freitag haben wir unsere Notfallklinik aufgebaut und hatten auch gleich die ersten Patienten. Es ist eine verzweifelte Situation. Die Krankenhäuser sind überlaufen, die Menschen sind voller Angst. Deshalb wollen wir auch Hoffnung geben im Namen von Jesus. Das geht über die medizinische Hilfe für das örtliche Krankenhaus hinaus. Viele Menschen in den USA unterstützen unseren Einsatz, indem sie dafür beten. Das ganze Krankenhaus ist von Gebet umhüllt. Wir erleben, wie Menschen darum kämpfen, zu leben, und wie sie Hilfe im Gebet finden. Gott tut auch hier Wunder.

Wie geht es den italienischen Ärzten und Pflegern?

Leider ist das eine Seuche, die sich sehr schnell ausbreitet. Deshalb waren die Krankenhäuser bald überlaufen. Das Krankenhaus hier in Cremona hat 600 Betten, 500 davon sind allein von Corona-Patienten belegt. Von ihnen gehört ein Teil selbst zum medizinischen Personal. Diese Menschen fehlen dann bei der Betreuung der anderen Patienten. Wer hier im Gesundheitswesen arbeitet, ist gerade rund um die Uhr beschäftigt, um diejenigen zu versorgen, die mit dem Virus infiziert sind. Unsere eigenen Mitarbeiter arbeiten auch so gut wie ohne Pause.

Es gibt Berichte davon, dass Ärzte Menschen mit geringen Überlebenschancen sterben lassen müssen, weil es nicht genügend Beatmungsgeräte gibt. Sind Ihre Ärzte auch schon in so eine Situation gekommen?

So eine harte Entscheidung mussten wir bisher noch nicht treffen. Dafür sind wir sehr dankbar.

In der mobilen Notfallklinik auf dem Parkplatz des Krankenhauses von Cremona ist Platz für 68 Patienten

In der mobilen Notfallklinik auf dem Parkplatz des Krankenhauses von Cremona ist Platz für 68 Patienten

20 Tonnen mit medizinischer Ausrüstung hat „Samaritan’s Purse“ nach Italien gebracht. Der deutsche Zweig der Organisation arbeitet im Inland mit diakonischen und Jugendhilfeeinrichtungen zusammen, um Bedürftige in der Coronakrise etwa mit Lebensmitteln und Hygieneartikeln zu unterstützen.

20 Tonnen mit medizinischer Ausrüstung hat „Samaritan’s Purse“ nach Italien gebracht. Der deutsche Zweig der Organisation arbeitet im Inland mit diakonischen und Jugendhilfeeinrichtungen zusammen, um Bedürftige in der Coronakrise etwa mit Lebensmitteln und Hygieneartikeln zu unterstützen.

Wie zeigt „Samaritan’s Purse“ vor Ort, dass es eine christliche Organisation ist?

Wir verstecken nicht, wer wir sind. Auf den Zelten für das Notfallkrankenhaus ist unser Logo zu sehen mit einem Kreuz. Wenn uns Menschen darauf ansprechen, sagen wir ihnen, dass wir nicht nur da sind, um medizinisch im Kampf gegen das Virus zu helfen, sondern auch um auf ihre geistlichen Bedürfnisse einzugehen und die Hoffnung von Jesus Christus weiterzugeben. Wenn Patienten kommen, will unser Team auch menschlich für sie da sein, nachfragen, wie es ihnen geht, mit ihnen erzählen, auch miteinander lachen oder zusammen beten. Viele wollen auch einfach mit jemandem über das reden, was sie gerade durchmachen müssen. Manche haben Familienmitglieder verloren oder fragen sich, was jetzt kommt, wo sie hingehen, wenn sie sterben. Auch Mitarbeiter des Krankenhauses brauchen ein offenes Ohr für ihre Sorgen. So wollen wir die Liebe von Jesus weitergeben, auch wenn wir nicht dieselbe Sprache sprechen.

Wie arbeiten Sie mit den örtlichen Kirchen zusammen?

Vor allem in dem Sinne, dass wir von ihnen italienische Bibeln bekommen. Und dass wir sie bitten, für uns und die Patienten zu beten. Aber auch wenn Beter weit weg von uns sind – wir spüren, dass für uns gebetet wird.

Wie lang plant Ihre Organisation, im Land zu bleiben?

Unser Einsatz und die Zusammenarbeit mit dem Krankenhaus ist erst einmal für 90 Tage geplant. Wir hoffen natürlich, dass wir nicht so lange gebraucht werden und sich die Lage bis dahin gebessert hat. Aber die Epidemie entwickelt sich sehr schnell, die Situation ändert sich laufend. Daher müssen wir zu gegebener Zeit prüfen, wie wir den Einsatz an die Situation anpassen und ob wir ihn ausweiten.

Ihre Organisation hat ihren Sitz in North Carolina in den USA, viele Ihrer Mitarbeiter kommen aus den Vereinigten Staaten. Auch dort breitet sich das Virus gerade sehr schnell aus. Was bedetet das für Sie?

Es tut im Herzen weh, zu sehen, was das Virus hier in Italien anrichtet, und gleichzeitig zu wissen, dass unsere Freunde und Familien zu Hause von demselben Virus betroffen sind. Eine unserer Krankenschwestern sagte: „Es ist hart, ein Desaster zu verlassen und in ein anderes zu kommen.“ Für uns als „Samaritan’s Purse“ ist es auch eine neue Situation, dass wir es mit einer globalen Pandemie zu tun haben, die unsere Heimatländer genauso betrifft wie die Länder in Übersee, wo wir helfen, sie zu bekämpfen. Wir sehen, welche Verwüstung das Virus in Italien hinterlässt und beten täglich, stündlich dafür, dass es in unserem Land nicht so schlimm wird. Diese Seuche ist resistent gegen Antibiotika und andere Medikamente, die wir derzeit haben. Deshalb müssen wir dafür beten, dass schnell ein Mittel gefunden wird, um die Krankheit heilen und die Ausbreitung des Virus eindämmen zu können.

Vielen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellte Jonathan Steinert

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