Das Absperrband der Polizei bei einem Tatort (Symbolbild)

Das Absperrband der Polizei bei einem Tatort (Symbolbild)

US-Pastoren fordern Kampf gegen Rassismus

Bei zwei Amokläufen in den USA sind 29 Menschen am Wochenende getötet worden. Evangelikale Pastoren stellen sich klar gegen die rassistischen Motive von einem der Täter. Es sei eine Ideologie, die sich viel zu lange im Land ausgebreitet habe.

Evangelikale Pastoren treten nach den zwei Amokläufen in El Paso und Dayton am Wochenende entschieden gegen Rassismus und „White Supremacy“ („Überlegenheit der Weißen“) ein. In El Paso, Texas hatte am Samstag ein Mann in einem Walmart-Supermarkt 20 Menschen erschossen und 26 Menschen verletzt. Am Sonntag tötete ein bewaffneter Mann in Dayton, Ohio, neun Menschen. Der Killer aus El Paso hinterließ im Internet ein Manifest, in dem er von einer „hispanischen Invasion in Texas“ schrieb, welche die USA bedrohe. Die Motive des Mörders in Dayton blieben vorerst unklar.

„Als Präsident des theologischen Seminars der Baptisten im Südwesten will ich klarstellen, dass wir auf die stärkste mögliche Weise jegliche Form von rassistischer und Überlegenheits-Ideologie verurteilen, die offensichtlich einen Hass wie den des El-Paso-Schützen zu einem so grausamen Gewaltakt in unserem Staat befördert hat“, schrieb Adam Greenway auf Twitter. Weitere Präsidenten anderer theologischer Seminare im Süden der USA äußerten sich ähnlich.

Die evangelikalen Pastoren Denny Burk und Andrew Walker schrieben in ihrem gemeinsamen Editorial der Zeitung National Review zu den Amokläufen: „Die gezeigten Muster der vergangenen Jahre haben offen gelegt, dass wir es hier nicht mit einem weiteren ‚Lone Wolf‘-Phänomen zu tun haben. Das sind die Früchte einer mörderischen und wiederauflebenden Ideologie der weißen Überlegenheit, mit der die Autoritäten auf die selbe Weise umgehen müssen wie mit dem militanten Islam.“

Der Amoklauf in El Paso ist bereits der zweite Vorfall in den USA, bei dem ein jüngerer weißer Mann als Vorbild den Amoklauf im neuseeländischen Christchurch auf eine Moschee genannt hat. Auch der Amokläufer im April bei seinem Blutbad in der Synagoge im kalifornischen Poway verwies darauf. In seinem sonntäglichen Gottesdienst rief der Pastor der Apostelkirche in Uptown, New York, John Starke, deshalb zu einer „christlichen Überlegenheit gegenüber einer weißen Überlegenheit“ auf, um dem Hass der Amokläufer die christliche Nächstenliebe entgegenzustellen.

„Wenn diese Manifeste die Motive der weißen Überlegenheit zeigen, kann die Kirche nicht dazu schweigen“, schrieb Pastor D. A. Horton, der auch Professor an der Baptistenuniversität von Kalifornien ist. „Das bedeutet nicht, dass jeder, der eine europäische Herkunft besitzt, ein weißer Rassist ist. Aber es zeigt das System des Hasses, das im Bösen verwurzelt ist.“

Die Zeitung Christianity Today hat anlässlich der beiden Amokläufe nochmal ein Editorial veröffentlicht, das der Chefredakteur Mark Galli im vergangenen Jahr schrieb. Darin verweist er anhand von Bibelstellen darauf, wie sehr Gott Gewalt hasst. „Wenn wir auf die Bibel vertrauen, dann ist der Grund für Gottes Zerstörung der Menschen die Gewalt, die diese ausüben und gutheißen“, schreibt Galli etwa über die Sintflut im 1. Buch Mose.

Von: Michael Müller

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