Der Generalsekretär der Asiatischen Evangelischen Allianz, Richard Howell, berichtete von der Lage der Christen in Indien

Der Generalsekretär der Asiatischen Evangelischen Allianz, Richard Howell, berichtete von der Lage der Christen in Indien

„Christen und Muslime sind Außenseiter“

In Indien hält eine neue Art des Nationalismus Einzug, der keine anderen Religionen außer der des Hinduismus duldet. Davon berichtete der Generalsekretär der Asiatischen Evangelischen Allianz, Richard Howell, in Schwäbisch Gmünd. Neue Gesetze machten auch christlichen Hilfsorganisationen das Arbeiten teilweise unmöglich.

In Indien geraten Christen und Muslime immer mehr unter Druck. Eine neue Art des Hinduismus, ein religiöser Nationalismus – genannt „Hindutva“ –, sei auf dem Vormarsch, sagte der Generalsekretär der Asiatischen Evangelischen Allianz, Richard Howell, beim Kongress „Christenverfolgung heute“ in Schwäbisch Gmünd. Hindus, die dieser Art des Nationalismus folgten, seien sehr patriotisch und sähen sich als „Wächter der Nation“. Alle anderen Religionen würden abgelehnt und Menschen, die der Agenda des Hindutva nicht folgten, würden als „Anti-Nationalisten“ gesehen.

Obwohl der Verfassung nach in Indien eigentlich Religionsfreiheit herrsche, habe diese Entwicklung zur Folge, dass Christen und auch Muslime immer stärker Gewalt, Übergriffen und Drohungen ausgesetzt seien, sagte Howell. Viele hochrangige Politiker gehörten dem hinduistischen Nationalismus an. Die rechtskonservative, hindu-nationalistische Partei Bharatiya Janata Party (BJP) stellt derzeit die Regierung Indiens. In diesem Jahr habe es bereits über 200 Angriffe auf Christen gegeben. Außer durch Übergriffe werde Andersgläubigen auch das alltägliche Leben erschwert. So müsse man sich zum Beispiel im Vorfeld bei der Polizei melden, wenn man öffentlich beten oder sich taufen lassen wolle.

Praktisch keine Religionsfreiheit

Neue Gesetze hätten außerdem dazu geführt, dass viele Hilfsorganisationen nicht mehr im Land aktiv sein können. Unter anderem traf es das Kinderhilfswerk Compassion International. Das Werk berichtete im Frühjahr dieses Jahres, dass es die Arbeit in Indien habe einstellen müssen. Die neuen Gesetze regelten die Einfuhr von Geldern ausländischer Hilfswerke neu. Der Regierung werde dadurch ermöglicht, die Arbeit von Hilfswerken einzuschränken, deren Ziele sich nicht mit ihrer Ideologie deckten. Compassion habe keine Möglichkeit mehr gehabt, finanzielle Mittel an die Gemeinden vor Ort zu überweisen, und habe deshalb die Kinderzentren schließen müssen.

„Christen und auch Muslime sind Außenseiter", sagte Howell. Deshalb seien sie auf die Gnade der lokal zuständigen Hindus angewiesen. Etwa 2,3 Prozent der indischen Bevölkerung seien Christen. Dann folge ein größerer Anteil Muslime, die meisten Inder seien Hinduisten. Der Leitspruch der neuen Hindutva-Ideologie laute: Eine Nation, ein Volk, eine Kultur. Damit sei ein Hinduismus gemeint, neben dem keine anderen Religionen existieren dürften, erklärte Howell.

Glaube gibt Hoffnung

Auch moderate Hindus würden von den Nationalisten verfolgt. Howell nannte als Beispiel die Journalistin Gauri Lankesh. Die Regimekritikerin, die sich vor allem gegen die rechtskonservative Regierungspartei stark machte, wurde im September dieses Jahres vor ihrem Haus erschossen. Zuvor erhielt sie mehrfach Morddrohungen.

Trotz der zunehmend schwierigen Lage kämen immer mehr Menschen zum christlichen Glauben. Vor allem viele Dalits würden Christen. Dalits machen die unterste Kaste des hinduistischen Kastensystems aus, das die gesellschaftliche Struktur Indiens prägt. Sie gelten als die „Unberührbaren", leben in großer Armut und sind in der Gesellschaft nichts wert. Jesus Christus zu entdecken bedeute für sie, zum ersten Mal in ihrem Leben Wertschätzung zu erfahren, der Glaube gebe ihnen Hoffnung, sagte Howell.

„Trotz allem steht die Gemeinde fest und wächst“, sagte Howell. „Wir müssen für die Kirchen und Gemeinden beten, dass sie weiterhin ein Zeugnis sein können“, forderte er die Zuhörer auf. Im Gegensatz zum Hinduismus, wo Leben und Sterben ein ewiger Kreislauf seien, gebe das Evangelium die Hoffnung auf ein ewiges Leben. Howell forderte deshalb auch die Kirchen in Deutschland auf, missionarischer aktiv zu sein und deutlich von Jesus Christus zu sprechen.

Von: Swanhild Zacharias

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