Arne Kopfermann hat sich von der charismatischen Bewegung losgesagt

Arne Kopfermann hat sich von der charismatischen Bewegung losgesagt

Künstler kehrt charismatischer Bewegung den Rücken

Der christliche Musiker Arne Kopfermann möchte kein Charismatiker mehr sein. Für die Januar-Ausgabe der Zeitschrift Aufatmen verfasste er einen Artikel, in dem er diesen Schritt begründet. Im sozialen Netzwerk LinkedIn veröffentlichte Kopfermann vor wenigen Tagen eine Vorab-Version des Artikels.

Arne Kopfermann ist nach eigener Aussage ein „Kind der charismatischen Bewegung“. Sein Vater Wolfram prägte die Bewegung in Deutschland nachhaltig. Er war unter anderem zehn Jahre Vorsitzender der Geistlichen Gemeinde-Erneuerung in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). 1988 verließ er die EKD wegen ihres „unerträglichen Pluralismus“ und gründete die Anskar-Kirche.

Jetzt möchte sein Sohn Arne die charismatischen Wurzeln hinter sich lassen. Dies meldet die Evangelische Nachrichtenagentur idea. Sie beruft sich auf einen Beitrag Kopfermanns im sozialen Netzwerk LinkedIn. Gegenüber idea erklärt der Künstler, der „christliche Glaube brauche Weite. Eine Engführung, die dem Leben nicht gerecht wird, würde verletzend wirken“.

Gottesbild hinterfragt

Kopfermann geht in seinem Beitrag auch auf die Schattenseiten der charismatischen Bewegung ein. Der 52-Jährige hat infolge eines Autounfalls vor fünf Jahren seine zehnjährige Tochter Sara verloren. Kopfermann saß selbst am Steuer. Die Geräte im Krankenhaus wurden erst nach zehn Tagen abgestellt. Dieser Einschnitt habe ihn sein Gottesbild hinterfragen lassen.

Gott habe trotz zahlreicher Gebete kein Wunder getan. Die charismatische Theologie gehe aber davon aus, dass Gott jeden heilen wolle, der im Glauben darum bitte. Wenn dies nicht geschehe, werde es oft mit mangelndem Glauben begründet. Der Leidende verspüre eine doppelte Last. Er müsse sich fragen, warum Gottes Zusagen nicht bei ihm griffen, zitiert idea den Künstler.

Mit Gott in Krisensituationen im Vorteil

Im Gespräch mit pro hatte Kopfermann erklärt, dass er demgegenüber kritischer geworden sei, „was zu vollmundig daher kommt“. In dem Aufatmen-Beitrag kritisiert der Künstler „die Autoritätshörigkeit mancher charismatischer Gemeinden“, schreibt idea. Etliche Pastoren pflegten ein „mitunter recht gebieterischen Umgangsstil“. Wer dies hinterfrage, gelte es als Rebell. Geistliche Mündigkeit werde so nicht gefördert, finde er. Geistliche Leiter bräuchten aber das Korrektiv der Gemeinschaft.

Gegenüber pro hatte Kopfermann erklärt, dass er trotz des Unfalls nicht bereit sei, „zukünftig voller Angst zu leben“. Ein eingeübter Glaube erweise sich in Krisensituationen als Vorteil: „Ich halte viel von der Kraft des Gebets. Aber ich glaube nicht an ein Reiz-Reaktions-Schema, nach dem Muster ‚Wenn du betest, dann bekommst du ...‘. So funktioniert Gebet nicht.“ Der Satz „Wer bittet, dem wird gegeben“ gelte aus seiner Sicht nicht im Sinne einer Verfügbarkeit.

Gottes Vollkommenheit steht nicht infrage

Kopfermann ist mit zwölf Jahren zum Glauben gekommen. Damals sei Jesus für ihn ein verlässlicher Freund gewesen. Nach dem Unfall habe er sich an einem Gott gerieben, der den Tod seiner Tochter nicht verhindert hat. Andererseits sei Gott das einzige Bindeglied zu ihr. Dieses Bewusstsein habe ihm die vertrauensvolle Seite seiner eigenen Gottesbeziehung wieder neu vor Augen geführt. Gottes Vollkommenheit stellt er nicht in Frage: „Ich hatte niemals Zweifel daran, dass es Sara gut geht.“

Er fühle sich heute, genau wie seit seinem zwölften Lebensjahr, als Kind eines barmherzigen und liebevollen Gottes. Als Künstler achte er aufmerksamer auf seine und fremde Liedtexte. Er wolle differenzierte Texte schreiben, die dem Unsicheren, Unvollkommenen und Nicht-Perfekten mehr Raum geben. „Ich ertrage Orte nicht gut, an denen Glaube als leicht dargestellt wird“, bekennt er.

Der Künstler ging im Gegensatz zu seiner Frau offen mit seiner Trauer um. Er hat diese in Liedern und einem Buch verarbeitet. Auch therapeutische Hilfe hat er in Anspruch genommen: „Meine Verarbeitung dieses Verlustes ist nicht abgeschlossen. Er ist wie eine Amputation – die Lücke wird immer bleiben“, erklärte er gegenüber pro.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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