Kofi Annan war 2015 zu Gast auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag in Stuttgart. Er lobte die Flüchtlingspolitik und bat Deutschland, „diesen Weg der Menschlichkeit weiterzugehen“.

Kofi Annan war 2015 zu Gast auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag in Stuttgart. Er lobte die Flüchtlingspolitik und bat Deutschland, „diesen Weg der Menschlichkeit weiterzugehen“.

„Weltlicher Papst“ Kofi Annan gestorben

Der Friedensnobelpreisträger und frühere UN-Generalsekretär Kofi Annan ist am Samstag gestorben. Als moralische Autorität genoss er weltweit hohes Ansehen, weshalb er auch als „weltlicher Papst“ bezeichnet wurde.

Kofi Annan ist tot. Im Alter von 80 Jahren starb er am Samstag in der Schweiz. Der gebürtige Ghanaer war von 1997 bis 2006 Generalsekretär der UNO. Gemeinsam mit der Organisation bekam er 2001 den Friedensnobelpreis für seinen „Einsatz für eine besser organisierte und friedlichere Welt“. Er war international als moralische Autorität anerkannt und wurde daher mitunter als „weltlicher Papst“ bezeichnet.

Noch im vergangenen November besuchte er Papst Franziskus und sprach mit ihm unter anderem über Flüchtlinge und Migration, Atomwaffen und die Rolle von Frauen. Auch mit Papst Johannes Paul II. hatte sich Annan getroffen. Annan besuchte als Kind ein methodistisches Internat. Dort habe er die Werte gelernt, die sein späteres Wirken prägten, sagte er später laut Medienberichten. Zudem soll er sich zu verschiedenen protestantischen Kirchen gehalten haben. 2015 war er zu Gast auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag in Stuttgart.

Weltkirchenrat: „Ikone für gerechten Frieden“

Der Weltkirchenrat würdigte Annan anlässlich seines Todes als ein „Geschenk für die Vereinten Nationen und die ganze Welt“. „Wir danken Gott, dass er uns Kofi Annan für 80 Jahre geschenkt hat. Durch sein Leben und seine Arbeit wurde er zu einer Ikone für gerechten Frieden und Freiheit für alle Menschen“, sagte Agnes Aboum, Vorsitzende des Zentralkomitees des Weltkirchenrates. „Wir beten dafür, dass all das, wofür Kofi Annan stand, zu einem wesentlichen Bestandteil unserer globalen Werte für Gerechtigkeit, Frieden und Würde der gesamten Menschheit wird.“

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier schrieb in einem Kondolenzbrief an den jetzigen UN-Generalsekretär António Guterres: „Er hatte die besondere Gabe, sich des Leids eines jeden Einzelnen ebenso anzunehmen wie den großen Fragen der internationalen Ordnung". Annan sei „ein sanfter, aber hartnäckiger Kämpfer für Frieden und Menschenrechte“ gewesen. Das israelische Außenministerium hob hervor, dass Annan „der Delegitimierung Israels“ widerstanden habe. „Er kämpfte aktiv gegen Holocaust-Leugnung und unterstützte 2006 die UN-Initiative für den Internationalen Holocaust-Gedenktag.“

Völkermord in Ruanda erschütternde Erfahrung in der Laufbahn

Annan, Sohn eines Häuptlings, studierte in Ghana, den USA und der Schweiz und erlangte Abschlüsse in Wirtschaftswissenschaften sowie Öffentlicher Verwaltung. Im Jahr 1962 trat er der Weltgesundheitsorganisation der Vereinten Nationen bei und hatte in den folgenden Jahrzehnten verschiedene Posten innerhalb der UNO inne. Im Jahr 1994 war er verantwortlich für die Blauhelm-Einsätze. Dass die UN-Truppen den Völkermord in Ruanda nicht stoppen konnten, rechnete Annan auch sich selbst zu. Er schrieb später darüber als eine „der erschütterndsten Erfahrungen meines gesamten Berufslebens“.

Im Jahr 1996 wurde Annan zum Generalsekretär der UNO gewählt. Während seiner Amtszeit ereignete sich unter anderem der Terroranschlag auf das World Trade Center in New York am 11. September 2001, kurz nachdem er für eine zweite Amtsperiode bestätigt worden war. Mit Beginn des Jahres 2007 übergab Annan das Amt an Ban Ki-Moon. Annan erhielt zahlreiche Ehrendoktortitel und weitere Auszeichnungen.

Von: Jonathan Steinert

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