Italiener müssen sich auf eine Neufassung des Vaterunsers einstellen

Italiener müssen sich auf eine Neufassung des Vaterunsers einstellen

Italiener beten ihr Vaterunser bald anders

In Italien beten Katholiken das Vaterunser in Gottesdiensten bald in sprachlich überarbeiteter Version. Die Neufassung des Gebetes soll nach Ostern eingeführt werden.

Italienische Katholiken werden bald nicht mehr sprechen „Führe uns nicht in Versuchung“, wenn sie das Vaterunser beten, sondern „Lass uns nicht in Versuchung geraten“.

Die Neufassung des Gebetes soll nach Angaben von Vatican News in Italien nach Ostern eingeführt werden und in der Messe ab dem nächsten Advent zum Einsatz kommen.

Gegenüber Radio Vatikan erklärte der Erzbischof von Chieti-Vasto, Bruno Forte, dass die aktuelle Übersetzung nicht treu gegenüber der „Gebetsintention Jesu und gegenüber dem griechischen Original“ erscheine. „Die lateinische Übersetzung ,inducere‘ erinnert an dieses griechische Pendant“, erklärte der Erzbischof und weiter: „Doch im Italienischen bedeutet ,indurre‘ so viel wie ,drängen zu‘, nach dem Motto, etwas gewollt herbeizuführen.“ Zu Gott sagen zu können „dränge uns nicht dazu, der Versuchung zu erliegen“, werde dem Original nicht gerecht.

Deutsche Katholiken ändern nichts

Papst Franziskus hatte sich im Dezember 2017 in einem Fernsehinterview in eine theologische Debatte zum Vaterunser eingeschaltet und seine Zweifel an der bestehenden Übersetzung geäußert. Es sei nicht Gott, der den Menschen in Versuchung stürze, um zu sehen, wie er falle. Dies lege die aktuelle Übersetzung nahe.

Die französischsprachigen Bischöfe hatten nach Angaben des Portals eine Änderung der sechsten Vaterunser-Bitte bereits im Juni 2017 beschlossen und im Advent desselben Jahres eingeführt. Ihre deutschen Kollegen haben sich bislang gegen die sprachliche Überarbeitung ausgesprochen. Befürworter der alten Version unterstrichen nach Angaben von Vatican News, in der Formel „und führe uns nicht in Versuchung“ sei eine Situation der Erprobung durch Gott umschrieben. Der Betende drücke damit sein Wissen um die eigene Versuchbarkeit aus. Zu den Kritikern einer sprachlichen Überarbeitung gehört nach Angaben des Portals auch der Trierer Bischof Stephan Ackermann. Ackermann ist Vorsitzender der Liturgiekommission der Deutschen Bischofskonferenz und sieht in der Äußerung des Papstes keinen Auftrag zum Handeln.

Von: Norbert Schäfer

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