Die liberale Muslimin und Imamin Seyran Ateş erhält den Preis der Lutherstädte

Die liberale Muslimin und Imamin Seyran Ateş erhält den Preis der Lutherstädte

Frauenrechtlerin Seyran Ateş erhält Lutherpreis

Die liberale Muslimin und Frauenrechtlerin Seyran Ateş wurde am Samstag in Marburg mit dem Lutherpreis „Das unerschrockene Wort“ ausgezeichnet. Sie erhielt den Preis für ihren Einsatz für Frauenrechte und gegen kulturell und religiös begründete Gewalt und Extremismus.

Der Lutherpreis „Das unerschrockene Wort“ geht in diesem Jahr an die Frauenrechtlerin, liberale Muslimin und Rechtsanwältin Seyran Ateş. Der Preis würdigt seit 1996 alle zwei Jahre Menschen, die Zivilcourage zeigen und sich mit Wort, Tat und Mut gegen Widerstände für die Gesellschaft einsetzen. Die Jury wählte Ateş für ihren Einsatz für Frauenrechte und gegen kulturell und religiös begründete Gewalt und Extremismus aus. „Die Frage der Integration ist eines der bedeutenden Themen der Gegenwart und eine enorme Herausforderung für die Zukunft unserer Gesellschaft“, heißt es in der Begründung der Jury: Ateş sei eine Pionierin der Integrationsarbeit. Sie bezeichne sich als „gläubige Muslimin, die ihre Religion von innen heraus reformieren will, statt sich gegen sie zu wenden. Das ist im besten Sinne Luthers“. Ateş sagte im Vorfeld der Verleihung gegenüber dem Evangelischen Pressedienst (epd), die Auszeichnung habe für sie eine große Bedeutung. „Immer wenn ich das lese, ‚Das unerschrockene Wort‘, dann lacht mein Herz, es macht etwas mit meiner Seele, ich habe ein viel stärkeres Rückgrat." Der Preis sei eine „großartige Wertschätzung“ ihrer Arbeit.

Für Gleichberechtigung

Die 55-Jährige ist Gründerin der Ibn-Rushd-Goethe-Moschee in Berlin. Diese setzt sich für einen säkularen Islam durch die Trennung von weltlicher und religiöser Macht ein. Außerdem wird der Koran dort geschlechtergerecht ausgelegt, Frauen müssen nicht zwingend ein Kopftuch tragen und dürfen auch Gebete sprechen. Frauen und Männer feiern zudem gemeinsam Gottesdienst. Ateş ließ sich selbst zur Imamin ausbilden. „Wo Religion nur der Abgrenzung dient, stellt sie sich gegen die Demokratie. Und wo Religion nach Strafen schreit, beginnt der Krieg gegen die Aufklärung und gegen jene Freiheiten, von denen hierzulande alle Kirchen und Glaubensgemeinschaften profitieren", zitiert die Stadt Marburg die Imamin. Gegenüber epd sagte Ateş, sie akzeptiere keinerlei Gewalt und stehe ein für die Gleichberechtigung der Geschlechter. So habe auch ein muslimisches Mädchen das Recht dazu, einen Bikini zu tragen und dürfe sich verlieben, in wen es wolle.

Die Muslimin erhielt für ihren Einsatz bereits Mordrohungen. Sie steht deshalb unter Polizeischutz. Die Drohungen kämen von Menschen, „die nicht wollen, dass Muslime mit Christen und Juden friedlich zusammenleben oder, dass Männer und Frauen gleichberechtigt sind.“

Nicht nur Protestanten ausgezeichnet

Die Auszeichnung „Das unerschrockene Wort“ erinnert an die Standhaftigkeit des Reformators Martin Luther, als dieser sich auf dem Reichstag zu Worms 1521 weigerte, seine Ansichten zu widerrufen und daraufhin geächtet wurde. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert und wird vom Bund der Lutherstädte verliehen, zu denen neben Marburg Augsburg, Coburg, Eisenach, Eisleben, Erfurt, Halle (Saale), Heidelberg, Magdeburg, Nordhausen, Schmalkalden, Speyer, Torgau, Wittenberg, Worms und Zeitz gehören. Die Verleihung fand dieses Jahr zum ersten Mal in Marburg statt, in der Lutherischen Pfarrkirche St. Marien.

Der Preis wird nicht zwingend an Protestanten verliehen. So erhielt ihn 2015 zum Beispiel der syrische Rechtsanwalt Mazen Darwish und das Syrische Zentrum für Medien und Meinungsfreiheit, 2011 der russische Journalist Dmitrij Muratow und das Redaktionsteam der russischen Tageszeitung „Nowaja Gaseta“ und 2007 die türkisch-stämmige Muslimin Emel Abidin-Algan für ihre Gedanken zum Verständnis des Koran.

Von: Swanhild Zacharias

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