Die aktuelle Krise biete die Möglichkeit, Neues zu entdecken, was glücklich macht, findet Glücksforscher Tobias Rahm

Die aktuelle Krise biete die Möglichkeit, Neues zu entdecken, was glücklich macht, findet Glücksforscher Tobias Rahm

Psychologe: Lockdown bietet Chance, Lebensglück neu zu definieren

Der Psychologe Tobias Rahm sieht das Glück der Menschen durch Corona nicht nachhaltig gefährdet. Die Krise könne sogar zu einem Glücksschub führen, da Menschen gezwungen seien, innezuhalten und neu zu entdecken, was sie glücklich macht, sagte der Glücksforscher.

„Die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen gestärkt aus einer Krise hervorgehen, ist größer, als dass sie Ängste und Depressionen entwickeln“, sagte Tobias Rahm, Glücksforscher vom Institut für Pädagogische Psychologie der Technischen Universität Braunschweig dem Evangelischen Pressedienst (epd). Wichtig sei es, die eigenen Sorgen und Ängste zuzulassen. „Die Pandemie wirft uns aus unseren gewohnten Routinen, wir können uns auf vieles nicht mehr so richtig verlassen“, sagte Rahm. „Da ist es völlig in Ordnung, verunsichert zu sein.“ Dieses Gefühl anzuerkennen, sei ein erster Schritt in Richtung guter Verarbeitung coronabedingter Sorgen.

Der Lockdown über die Jahreswende bietet dem Glücksforscher zufolge gute Möglichkeiten, das eigene Glück neu zu definieren. „Das Alltagsglück geht uns häufig verloren, weil unsere Tage so eng durchgetaktet sind“, sagte Rahm. Der Lockdown würde von vielen Menschen nicht nur als Einschränkung wahrgenommen, sondern auch als Entlastung von zum Teil ungeliebten Pflichten und Ritualen. Die bevorstehenden ruhigen Wochen böten Chancen zur Selbstreflexion. „Es ist wichtig, sich ab und an mal zu fragen: Was tut mir gut? Was benötige ich für mein Wohlbefinden?“

Fokussierung auf Materielles macht nicht glücklich

Jeder Mensch könne seinem Glück aktiv auf die Sprünge helfen. „Wir haben viel mehr Einfluss auf unser Glücksempfinden, als uns das meist bewusst ist“, sagte Rahm. Eine gute Übung sei etwa, sich bewusstzumachen, wenn man etwas gut gemacht hat. „Der Mensch neigt dazu, zu sehr darüber nachzudenken, was er besser machen kann, und führt sich zu selten vor Augen, was gut gelaufen ist.“ Für ein glückliches Leben aber seien Erfolge, Selbstvertrauen und das Erleben von Selbstwirksamkeit wichtig, sagte der Experte für positive Psychologie.

Kritisch sieht Rahm eine starke Fokussierung auf berufliche Karriere und Finanzen. „Geld sollte Mittel zum Zweck sein, ein gutes Leben zu führen, nicht mehr“, sagte er. Ab einem bestimmten materiellen Sättigungspunkt steige das Glücksempfinden ohnehin kaum noch an. „Investieren Sie lieber in gute Erfahrungen und Erlebnisse - das macht auch langfristig glücklicher als Konsum.“

Von: epd

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