Hartmut Steeb (Archivfoto)

Hartmut Steeb (Archivfoto)

Kontroverse über Steebs Corona-Äußerungen

In einem Spiegel-Kommentar wird der Ex-Generalsekretär der Evangelischen Allianz Steeb für seine Äußerungen über die Corona-Pandemie kritisiert. Sein Nachfolger im Amt betont, Steeb habe sich als Privatperson geäußert.

Die Publizistin Liane Bednarz hat den ehemaligen Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz (DEA), Hartmut Steeb, für dessen Äußerungen über die Corona-Pandemie kritisiert. In einem Online-Kommentar des Nachrichtenmagazins Der Spiegel vom Samstag warf Bednarz Steeb vor, zwar engagiere sich dieser „seit Jahr und Tag“ als Lebensschützer gegen Abtreibung. In Sachen Corona aber beteilige er „sich lieber an der Stimmungsmache gegen die Schutzmaßnahmen“, statt sich dafür einzusetzen, dass „bereits geborene Menschen vor dem Tod oder vor schweren Langzeitschäden durch das Coronavirus“ geschützt werden.

Steeb habe mehr Einfluss im evangelikalen Milieu als etwa die sogenannten „Christen im Widerstand“. Er zitiere auf Facebook gern Texte des Ex-Focus-Journalisten Boris Reitschuster, der nun ein Blog mit „rechtspopulistischem Drall“ betreibe. Bednarz wies darauf hin, dass Steeb noch im November gegenüber dem evangelischen Nachrichtenmagazin idea Spektrum erklärt habe, es gebe keine pandemische Notlage. Steeb vertrete als „bizarres Hauptargument“ die These, die Gegenmaßnahmen verursachten mehr Opfer als Corona selbst. „Auf die Idee, dass die bisherigen Schutzmaßnahmen Schlimmeres verhindert haben, kommt Steeb anscheinend nicht.“

Während Steeb bei Abtreibungen das Lebensrecht absolut setze und fordere, dass es das „Topthema aller Menschenrechtler“ wird, sehe es Steeb nicht als seine Aufgabe, „Menschen im Einklang mit der führenden Wissenschaft vor der nun einmal drohenden Gefahr des Sterbens durch ein potenziell tödliches Virus zu schützen“.

Schink: Es gibt keine einheitliche Meinung

Allerdings bekomme Steeb Kritik aus „dezidiert frommen, evangelikalen Kreisen“, die zwar auch Lebensschützer seien, „das aber in einem umfassenden Sinn“. Als Beispiele nannte Bednarz die Corona-Stellungnahmen der pietistischen „ChristusBewegung Lebendige Gemeinde“ und die der DEA, dessen Generalsekretär Steeb über Jahrzehnte war. Die ChristusBewegung Lebendige Gemeinde hatte sich in ihrer Erklärung von Verschwörungstheorien distanziert und sich dankbar für „die verantwortungsvolle und vernünftige Führung und Gesetzgebung der politisch Verantwortlichen in Bund, Land, Kommunen und Gesundheitsämtern“ gezeigt. Die Allianz hatte unter anderem erklärt: „Wir weisen Verschwörungstheorien und unsolidarische Verhaltensweisen ausdrücklich zurück. Vielmehr fordern wir Christen heraus, durch ihr Reden und Verhalten versöhnend in unsere Gesellschaft hinein zu wirken.“ Damit befinde sich die DEA auf „konträrem Kurs“ zu ihrem ehemaligen Generalsekretär.

Der amtierende DEA-Generalsekretär Reinhardt Schink erklärte auf pro-Anfrage, in der Tat setze die Stellungnahme der Allianz „inhaltlich andere Schwerpunkte“. „Gleichzeitig wird deutlich, dass sich Hartmut Steeb als Privatperson zu den Corona-Entwicklungen äußert.“ Weder in der Gesamtgesellschaft noch in der Deutschen Evangelischen Allianz gebe es eine einheitliche Meinung in Sachen Corona. „Weil wir uns in Jesus Christus eins wissen, hält die Evangelische Allianz in Deutschland diese Vielfalt aus. Meinungsverschiedenheiten und auch widersprüchliche Ansichten in ‚vorletzten Dingen‘ sind nicht nur Bestandteil eines demokratischen Prozesses, sondern auch Zeugnis der Integrationskraft des christlichen Glaubens.“

Steeb selbst wies die Kritik von Liane Bednarz zurück. Es sei kein „bizarres Argument“, Todeszahlen zu vergleichen. Laut Statistischem Bundesamt seien bis zum 22. November 8.062 Menschen weniger gestorben als im Grippejahr 2018. Auf den Hinweis von Bednarz, dass die Anti-Corona-Maßnahmen weitere Tote verhindert hätten, ging Steeb nicht ein. Er wolle sich weiter für den Lebensschutz einsetzen. Die „weltweiten Kollateralschäden“ der „Lockdownpolitik“ dürfe man aber nicht übersehen.

Gegenüber pro lehnte er die Ansicht von Liane Bednarz ab, die Allianz befinde sich in Bezug auf Corona auf konträrem Kurs zu ihm. Er werde sich aber nicht weiter dazu äußern. „Man erteilt keine Ratschläge aus dem Ruhestand an die jetzigen Verantwortungsträger.“

Von: Nicolai Franz

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