Weltweit ist es für Angehörige verschiedener Religionsgruppen schwieriger geworden, ihren Glauben zu praktizieren

Weltweit ist es für Angehörige verschiedener Religionsgruppen schwieriger geworden, ihren Glauben zu praktizieren

Freiheit für Religionen hat abgenommen

In den vergangenen zehn Jahren haben die Religionen weltweit an Freiheit eingebüßt: durch staatliche Eingriffe oder wegen sozialer Feindseligkeiten. Das hat eine Studie des amerikanischen Pew-Instituts ergeben. Die größte Veränderung gab es demnach in Europa.

Auf der ganzen Welt haben staatliche Restriktionen gegenüber Religionsgemeinschaften und soziale Feindseligkeiten aus religiösen Gründen zugenommen. Seit 2007 beobachtet das amerikanische Pew-Institut, wie sich die Freiheit der Religionen entwickelt. Im Zeitraum von zehn Jahren ist sie einer aktuellen Auswertung zufolge insgesamt kleiner geworden.

Demnach schränkten 2017 die Regierungen von 52 Ländern die Religionsfreiheit auf verschiedene Weise ein, zehn Jahre zuvor waren es 40. Die Zahl der Länder, in denen Religionen auf gesellschaftliche Schranken stoßen, ist von 39 auf 56 gestiegen. Die Entwicklung lief jedoch nicht geradlinig und auch nicht in jeder Region der Welt gleichermaßen stark. 2012 ist nach der Analyse von Pew für Religionen weltweit das schwierigste Jahr gewesen, sowohl hinsichtlich der politischen als auch der sozialen Einschränkungen.

Steiler Anstieg in Europa

Politische Einflussnahme auf die Religionen geschieht nach der Analyse von Pew unter anderem dadurch, dass die Regierung eine bestimmte Religion bevorzugt behandelt. Die Länder Nordafrikas und des Nahen Ostens sind fast alle während der ganzen untersuchten Dekade stark davon geprägt. Weltweit gesehen ist der Islam häufiger als andere eine Staatsreligion.

Mit den Privilegien für eine Religion gehen häufig Nachteile und Restriktionen für andere einher. Das kann bedeuten, dass nur einzelne Religionen überhaupt anerkannt werden, dass sich Religionsgemeinschaften registrieren lassen müssen oder ihnen rechtliche und bürokratische Hürden in den Weg gestellt werden, bis zum Verbot von Konversionen oder missionarischen Aktivitäten. Das hat der Studie zufolge überall auf der Welt zugenommen.

In Europa gibt es demnach immer mehr Beispiele dafür, dass die konkrete individuelle Religionsausübung politisch eingeschränkt wird. Das geht vom generellen Burkaverbot bis zu Verboten, im öffentlichen Dienst religiöse Symbole zu tragen, oder Jungen zu beschneiden. Gab es solche Berichte 2007 nur in fünf europäischen Ländern, waren es 2017 20. Das ist regional gesehen einer der größten Anstiege, den Pew für diesen Zeitraum feststellt.

Auch Propaganda und staatliche Gewalt gegen einzelne religiöse Gruppen wie die Uiguren in China oder die Ahmadis in Algerien haben zugenommen. In diese Kategorie fallen für Pew als moderatere Ausprägung auch Hetze gegen Muslime von rechtspopulistischen Politikern in Europa.

Konflikte zwischen religiösen Gruppen haben abgenommen

In immer mehr Ländern seit 2007 werden Angehörige einer bestimmten Religion auch sozial ausgegrenzt oder gewaltsam angegriffen. Während die Lage in muslimischen Ländern nördlich der Sahara gleichbleibend schwierig blieb, ist es etwa südlich der Sahara schlimmer geworden. Auch in Europa verzeichnet Pew einen Anstieg für sozialen Druck aus religiösen Gründen, den das Institut für Deutschland mit den ebenfalls anwachsenden Flüchtlingszahlen in Zusammenhang bringt. Christen würden die Angst von Flüchtlingen vor Abschiebungen ausnutzen, um sie zu einer schnellen Konversion zu bewegen, nennt Pew als ein Beispiel und bezieht sich dabei auf einen Beitrag des Deutschlandfunks.

Abgenommen haben nach Beobachtung von Pew die Konflikte zwischen verschiedenen religiösen Gruppen. Ausnahmen sind Syrien und die Ukraine.

Pew analysierte die Lage in 198 Ländern. Dafür wertete das Forschungsinstitut verschiedene öffentlich zugängliche Quellen aus, etwa den jährlichen Bericht über Religionsfreiheit des US-Außenministeriums, Berichte von UN-Einrichtungen wie auch von internationalen Hilfsorganisationen.

Von: Jonathan Steinert

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