World Vision hat eine Unterschriftenliste an Entwicklungshilfeminister Gerd Müller (CSU) (2. von rechts) übergeben.

World Vision hat eine Unterschriftenliste an Entwicklungshilfeminister Gerd Müller (CSU) (2. von rechts) übergeben.

Rekrutierung von Kindersoldaten einstellen

Die internationale Kinderhilfsorganisation World Vision hat fast 19.000 Unterschriften gegen den Einsatz von Kindersoldaten an Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) übergeben. Sie fordert, die Rekrutierung von Kindersoldaten sofort einzustellen, den Missbrauch zu erfassen, Kinder an Friedensprozessen zu beteiligen und Reintegration stärker zu fördern.

Tausende Kinder werden von Milizen, aber auch von Armeen als Soldaten missbraucht. Das möchte die internationale Kinderhilfsorganisation World Vision beenden. „Wir müssen die Täter zur Verantwortung ziehen, alle Taten weltweit erfassen und am Mechanismus der Liste der Schande festhalten“, sagte Christoph Waffenschmidt, Vorstandsvorsitzender von Word Vision Deutschland: „Kein Kind soll mehr töten müssen.“

Um das Anliegen zu untermauern, hat die Organisation fast 19.000 Unterschriften gesammelt und an Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) übergeben. Waffenschmidt forderte mehr finanzielle Mittel für Prävention, die Demobilisierung und Reintegration dieser Kinder, „da sie oft schwer traumatisiert sind und keine Zukunft in ihren Heimatländern sehen“.

„Lieber bei der Armee als im normalen Leben“

In seinem aktuellen Report mit dem Titel „Keine Wahl“ betont World Vision, dass es wichtig sei, auch die Beweggründe für die Rekrutierung von Kindern anzusprechen, um die eigentlichen Ursachen verändern zu können. Waffenschmidt hat auf seiner jüngsten Reise in den Südsudan mit ehemaligen Kindersoldaten gesprochen. Ein 16-Jähriger habe ihm berichtet, dass er lieber bei der Armee geblieben sei, da er keine Zukunft im „normalen“ Leben gesehen habe.

Die für den Report befragten Kinder fordern mehr Schutz, bessere Bildungsmöglichkeiten und sportliche Angebote. „Wenn sie alt genug sind zu kämpfen, sollten sie grundsätzlich auch an allen sie selbst betreffenden Belangen beteiligt werden, auch an Friedensprozessen“, sagt Waffenschmidt. Manche Kinder würden schon mit acht Jahren zum Kämpfen gezwungen. „Sie werden ihrer Kindheit beraubt und haben keine Zukunft.“

Gewaltzyklen durchbrechen

Der ehemalige Kindersoldat Innocent Opwonya aus Uganda unterstützt die Kampagne von World Vision. Der 29-Jährige lebt heute in Deutschland. „Ich habe als Kindersoldat in der Armee von Joseph Kony (LRA) die Schrecken des Krieges selbst miterlebt. Ich konnte flüchten und wurde in ein Programm von World Vision aufgenommen. Heute studiere ich in Deutschland Wirtschaft. Diese Perspektiven wünsche ich mir auch für alle anderen Kinder, die heute noch als Soldaten missbraucht werden.“

Die Sonderbeauftragte der Vereinten Nationen für Kinder und bewaffnete Konflikte, Virginia Gamba, war auch bei der Übergabe der Unterschriften mit dabei: „Wir können und müssen mehr tun, um sicherzustellen, dass von Konflikten betroffene Kinder den Schutz erhalten, den sie brauchen und verdienen.“ Es gehe nicht nur um das Wohlergehen des Kindes, sondern auch darum, Gewaltzyklen zu durchbrechen. „Jedes Kind verdient eine echte Chance, eine eigene Zukunft aufzubauen – auch diejenigen, die in bewaffneten Konflikten missbraucht wurden.“

Verabscheuungswürdige Menschenrechtsverletzung

Der CSU-Politiker Gerd Müller sieht in der Tatsache, Kinder zum Kämpfen und Töten zu zwingen, „eine verabscheuungswürdige Menschenrechtsverletzung. Die Kinder leiden unter den seelischen und körperlichen Folgen oft ein Leben lang. Wir müssen unsere Anstrengungen verstärken, diesen Missbrauch zu beenden und den Kindern ein normales Leben zurückzugeben.“

Von: Johannes Blöcher-Weil

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