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Gemeinde beklagt Rufschädigung wegen Corona-Ausbruch

Die Freie Christengemeinde Blankenheim im Kreis Euskirchen widerspricht einem behördlichen Bericht zu einem Corona-Ausbruch nach einem Gottesdienst. Die beiden Pastoren sprechen von Rufschädigung.
Von PRO
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Frau Kirche Maske
Gottesdienste dürfen derzeit nur mit strengen Hygieneregeln stattfinden (Symbolbild)

Laut einem Bericht vom Kreis Euskirchen (Rheinland) kam es im Gottesdienst vom 18. April zu etwa 30 Corona-Infektionen. Den Gottesdienst hätten demnach „mindestens 300 Gemeindeglieder“ besucht, aber nur 250 Besucher seien erlaubt. Verschiedene Medien berichteten in Folge, der fragliche Gottesdienst habe zu 29 Infektionen geführt. Der regionale Inzidenzwert stieg zeitweise auf über 200. Die Gemeindeglieder befinden sich derzeit in häuslicher Quarantäne.

Die Freie Christengemeinde veröffentlichte daraufhin auf ihrer Facebook-Seite eine Stellungnahme und spricht von „maximal 100“ Besuchern. Wegen der unzutreffenden Berichte beklagt sie Rufschädigung. Pastor Andreas Neufeld sagt gegenüber PRO: „Wir sind die Schuldigen.“ Die Stimmung im Ort sei angespannt, sie reiche „von Verständnislosigkeit bis Feindseligkeit“.

Auf der Facebook-Seite des Kreises Euskirchen finden sich verärgerte Kommentare über die vermeintlichen „300 Gottesdienstbesucher“. Die Kommentare sprechen von „egoistischem Verhalten“ und bezeichnen die Christen als „ignorante und mitbürgerfeindliche Freien Christengemeinde“, geben ihnen die Schuld an Lockdown und Freiheitseinschränkungen: „Wegen so ignorantem Verhalten dürfen mal wieder einige Menschen nicht arbeiten“, „Schwimmbad und Kinderland geht nicht, aber ein verdammter Gottesdienst mit 300 Leuten ist erlaubt“. Junior-Pastor Johannes Neufeld sagte PRO dazu: „Dieser Vorfall wird ohne Grundlage dazu instrumentalisiert, ein schlechtes Bild auf Freikirchen zu werfen.“ Seit dem Vorfall „liegt jetzt was in der Luft“, und „wir werden jetzt mit anderen Augen gesehen“.

Woher kommt die Zahl?

In der Stellungnahme der Gemeinde heißt es über die vermeintlich 300 Gottesdienstbesucher: „Woher diese Zahl kommt, ist für uns nicht nachvollziehbar.“ Demnach hätten „maximal 100 Teilnehmer“ den Gottesdienst besucht und dabei FFP2-Masken getragen. Pastor Andreas Neufeld vermutet im Gespräch, die Kreisverwaltung habe unkritisch die Daten vom Bauamt übernommen, das Gemeindehaus könne insgesamt bis zu 300 Besucher aufnehmen.

Sein Sohn Johannes Neufeld, Junior-Pastor der Gemeinde, gibt PRO gegenüber an, der Kreis habe eine eingereichte Gemeinde-Liste falsch ausgewertet. Auf der seien 300 Personen angegeben, darunter auch viele, die nicht mehr aktiv zur Gemeinde gehörten. Nur ein Teil davon, maximal 100, haben laut Johannes Neufeld auch am fraglichen Gottesdienst teilgenommen. Diese seien auf der Liste als Besucher für den 18. April auch farbig markiert gewesen, was die Kreisverwaltung jedoch nicht beachtet habe. Ihr Bericht hätte fälschlicherweise alle 300 auf der Liste genannten Personen als Gottesdienstbesucher ausgegeben.

Die Pressestelle vom Kreis Euskirchen gab PRO dazu aus zeitlichen Gründen bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme.

„Höchstmögliche Transparenz“

Die Freie Christengemeinde befolgt laut Johannes Neufeld ein Hygiene-Konzept und teilt die sonntäglichen Gottesdienstbesucher dabei auf mehrere Räume auf. Von den Gemeindegliedern würden aus Angst vor Ansteckung derzeit viele auch gar nicht kommen. Die Bestuhlung sei stark reduziert worden, von normalerweise etwa 250 auf derzeit etwa 110.

Wie Neufeld sagt, sind alle 30 Infektionen bei Gemeindegliedern aus dem Umfeld der Wohngemeinschaft „Neues Leben e.V.“ aufgetreten. Die Einrichtung befindet sich etwa 20 Kilometer entfernt und betreut nach eigenen Angaben wohnungslose Suchtkranke. Es sei schwer möglich, in der Wohngemeinschaft auf Abstände zu achten. Die Betroffenen hätten alle milde Symptome. Von den knapp 30 Infizierten hätten nur zwei einige Tage Fieber gehabt und die anderen sehr milde Krankheitssymptome. Die Testung aller Gemeindeglieder am vergangenen Mittwoch habe bis auf ein Ehepaar negative Ergebnisse für alle ergeben. Das infizierte Ehepaar habe aber nicht am fraglichen Gottesdienst teilgenommen – als Krankenschwester habe sie sich wahrscheinlich auf der Arbeit angesteckt.

Johannes Neufeld sagt, die Gemeinde habe immer höchstmögliche Transparenz angestrebt. „Wir haben nichts versteckt.“ Dies zeige sich auch daran, dass sich alle Gemeindeglieder diese Woche testen ließen. Die verspätet eingereichte Besucherliste gehe laut Neufeld auf die dafür verantwortliche Sekretärin zurück: Sie gehöre zu den Erkrankten und befinde sich in häuslicher Quarantäne, was das Einreichen der Liste verzögert habe.

Pfälzer Gemeinde verschweigt Corona-Ausbruch

Aufgrund dieses Vorfalls rief der Innenminister Nordrhein-Westfalens, Herbert Reul (CDU), im Kölner Stadtanzeiger christliche Gemeinden dazu auf, Präsenzgottesdienste zu unterlassen. „Wir leben einer Zeit, in der wir alle Einschränkungen hinnehmen müssen“, sagt Reul. Präsenzgottesdienste gingen jetzt „nur mit einem Höchstmaß an Infektionsschutz“.

Laut verschiedenen Medienberichten kommt es auch immer wieder zu Corona-Infektionen in anderen Gottesdiensten. So berichtet die Tageszeitung Die Welt über ein Infektionsgeschehen im Donnersbergkreis in Rheinland-Pfalz: Der Inzidenzwert sei nach Ostern überraschend von etwa 50 auf 250 gestiegen. Dem Bericht zufolge hätten infizierte Besucher eines Ostergottesdienstes einer christlichen Gemeinde dem Gesundheitsamt ihre Teilnahme verschwiegen.

Von: Christian Albrecht

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6 Antworten

  1. Warum hat die Polizei den Gottesdienst denn nicht mit Wasserwerfern aufgelöst, wenn dort gegen die Hygiene-Richtlinien verstoßen wurde? Bei friedlichen Demonstrationen macht man das doch auch so.

    1. Haben Sie außer Polemik noch ein paar sinnvolle Argumente auf Lager, oder wollten Sie nur gegen die Behörden ein bisschen Dampf ablassen? Wenig hilfreich.

  2. Darf natürlich leider auch nicht passieren, dass eine Liste mit 300 Personen an eine Behörde gegeben wird, auf der Daten von rund 200 Personen stehen (und ggf. auch in die Datenbanken der Verdachtsfälle oder Kontaktpersonen gewandert sind), die an dem fraglichen Sonntag überhaupt nicht im Gottesdienst waren.

    Und woher stammt überhaupt die Behauptung der Ansteckung durch den Gottesdienst, wenn die Infizierten alle auch zu einem anderen Kontext gehören?

  3. Wenn man sich das Medienecho und die (hasserfüllten) Reaktionen in Facebook anschaut, bekommt man den Eindruck, dass die Leute und Behörden gar kein Interesse am tatsächlichen Sachverhalt haben. Erinnert etwas an die Umstände, in denen unter Nero Rom gebrannt hat. Es bedurfte dort auch …

  4. Also hier von christusfeindlicher Gesellschaft zu sprechen und den Brand Roms unter Nero zu bemühen, scheint mir sehr fern der Realität zu sein. Zudem ist es eine Ohrfeige aus dem gemütlichen Wohnzimmer heraus für all jene Christen und Christinnen in den Regionen unserer Welt, in denen sie tatsächlich aufgrund ihres Glaubens leiden oder gar um ihr Leben fürchten müssen.
    Ich bin selbst Pastor in einer Freikirche und durfte durchweg die Erfahrung machen, dass man bei einem respektvollen und vernünftigen Umgang mit unseren Behörden und Politikern auch eine respektvolle und vernünftige Reaktion bekommt.
    Hinzu kommt die Erfahrung mit einer Russlanddeutschen Gemeinde, für die wir unsere Kirche geöffnet hatten, dass wir Absprachen miteinander getroffen haben und dann doch ganz anders gehandelt wurde. Mir wurde wörtlich gesagt: »Was in den Protokollen steht und was wir fühlen sind zwei ganz unterschiedliche Dinge.« Und gehandelt wurde nach dem Gefühl.
    Geholfen hat mir zu verstehen, dass die Gemeinden in der ehemaligen Sowjetunion nur überleben konnten, indem sie sich »offiziell« nach den Bestimmungen im Land gerichtet haben, aber im Hintergrund dann doch so gehandelt haben, wie sie es für richtig gehalten haben.
    In einer Demokratie und in einer Zeit der Pandemie ist das aber eine falsche und fatale Handlungsweise. Doch wenn man schaut, welche Freikirchen in den vergangenen Monaten einen Ausbruch zu verzeichnen hatten, dann stellt man fest, dass diese sehr oft einen solchen Hintergrund hatten.
    Das hat nichts mit einer »Christenverfolgung« oder »Christusfeindlichkeit« in unserem Land zu tun, sondern nicht selten mit einer falschen Verhaltensweise dieser Gemeinden in der Bundesrepublik in Zeiten einer weltweiten Pandemie.

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